Nutzfahrzeuge: Trucks & Vans

Honda bot mit dem ersten vierrädigen Fahrzeug, dem T 360 aus dem Jahre 1963, von Anfang an auf dem einheimischen Markt Nutzfahrzeuge an und war damit sehr erfolgreich. Der Sports Truck T 360 war gleichzeitig ein Kei Car, was möglicherweise trotz seiner hochklassigen, aber komplizierten Technik den Erfolg begünstigte, denn die ebenfalls zu dieser Baureihe zu zählenden Kombis und Pick-ups aus dem Jahre 1965 waren keine Kei Cars und erreichten nicht im entferntesten die Verkaufszahlen wie der T 360.

Schon erfolgreicher waren der Kombi LN 360 und der Transporter TN 360 der N-Serie, die beide 1967 auf den Markt gebracht wurden. Beide waren wiederum Kei Cars... Während der LN 360 1971 von zwei Kombis der Life-Baureihe abgelöst wurde, erfuhr der TN 360 nach Produktionseinstellung der übrigen Fahrzeuge der N-Serie noch weitere Überarbeitungen und blieb bis 1977 als letzter luftgekühlter Honda im Programm. Zwischenzeitlich, genauer von 1970 bis 1973, wurde auf der Basis des TN 360 ein Freizeitgefährt namens Vamos angeboten.

Von der Life-Baureihe gab es in der ersten Generation nicht nur zwei Kombis, den Life Light Van und den Life Wagon, sondern ab 1972 auch den ersten Bus von Honda - den Life Step Van - und seit 1973 ein Fahrzeug namens Life Pick-up, das aber vom eben genannten Bus abstammt und daher auch als Transporter durchgehen würde. Alles Kei Cars...

Zwei Jahre nach dem Start der Civic-Baureihe, also 1974, lanzierte Honda einen Kombi auf der Basis des 4-Türers mit dem längeren Radstand. Das Fahrzeug war unter dem Namen Civic Van nur in Japan und ab 1975 als Civic Wagon nur in Nordamerika erhältlich.

Als Nachfolger des erfolgreichen Transporters TN 360 kam 1977 der TN-Acty auf den Markt: Ein nach bewährtem Konzept, aber nun mit wassergekühltem Unterflur-Mittelmotor und Heckantrieb gebautes Kei Car. 1979 wurde ihm ein Bus, der Acty Van, zur Seite gestellt. Ab 1981 gab es den Acty Van mit Hochdach, das auch die gleichzeitig erschienene Luxus-Variante Acty Street von Anfang an besaß. Seit 1983 können Hondas Transporter und Busse mit Allrad-Antrieb erworben werden.

Mit der zweiten Generation des Civic gelangte 1979 in Japan auch ein neuer Kombi auf den Markt, der wieder Civic Van genannt wurde. Ein Jahr später erfolgte die Markteinführung eines ähnlichen Kombis in Nordamerika und Europa unter dem Namen Civic Wagon, während diese Variante in Japan Civic Country hieß.

1983 präsentierte Honda zum Kleinwagen City einen Kombi namens City Pro. Im selben Jahr erfolgte beim Civic der Generationswechsel. Den inzwischen obligatorischen Kombi der Modell-Reihe lanzierte Honda dieses Mal außergewöhnlich variantenreich. In Japan gab es ihn als Civic Pro und als Civic Shuttle, wobei Honda den Civic Shuttle lieber als fünftürige Limousine denn als Kombi betrachtet. In Nordamerika hieß er wie üblich Civic Wagon und in Europa wiederum Civic Shuttle. Gemeinsam war allen Varianten die hohe Dachlinie und ab 1984 die Möglichkeit, das Fahrzeug mit Allrad-Antrieb auszustatten.

So ein "richtiger" Kombi wurde der erste Kombi zur Accord-Baureihe nicht. Der Aero Deck genannte Sport-Kombi von 1985 ist eine Mischung aus Kombi und Sportcoupé: Flacher als ein Kombi, mit nur zwei Türen und Heckklappe, aber großer Ladefläche. Insofern ist er weniger Nutzfahrzeug, als eher eleganter Grand Tourismo mit viel Stauraum - ähnlich dem Aston Martin DB5 Shooting Break, der diese Fahrzeug-Variante begründete.

Der Kombi zur vierten Civic-Generation erschien 1987 in Japan wieder außergewöhnlich variantenreich, aber dieses Mal nur unter dem Namen Civic Shuttle. Die von Honda eher als Kombi betrachtete Version hieß Civic Shuttle Pro und war eine in allen Belangen (Motor, Ausstattung) abgespeckte Variante des Civic Shuttle. In Nordamerika hieß der Kombi wie üblich Civic Wagon und in Europa wieder Civic Shuttle.

Im Jahre 1988 erfolgte die Erneuerung der Nutzfahrzeug-Reihe in der Kei Car-Klasse. Aus dem TN-Acty wurde der Acty Truck, der Acty Van behielt seinen Namen und der Acty Street erhielt als Street wenigstens dem Namen nach eigenen Typ-Status, obwohl er lediglich ein besser ausgestatteter Acty Van ist. Gemeinsam ist allen drei Modellen der neue 3-Zylinder-Motor und eine wachsende Anzahl von Varianten, denn Allrad-Antrieb und automatische Getriebe waren gleich mit Erscheinen der neuen Generation lieferbar.

Bereits 1990 sah sich Honda aufgrund der Konkurrenz gezwungen, die neuen Bestimmungen für Kei Cars auszunutzen und den Motor der Acty-Reihe zu vergrößern und die Gesamtlänge ebenfalls anzupassen. Die Namen der erfolgreichen Fahrzeuge blieben erhalten: Acty Truck, Acty Van und Street. Durch die Aufnahme von Sonderaufbauten für den Acty Truck ins Programm nahm die Anzahl der Modelle nochmals zu. Lieferbar waren verschiedene Kipper, ein Kühlwagen und ein Pritschenwagen mit Lade-Rampe. 1995 kam ein Kipper mit Raupenantrieb an einer Doppel-Hinterachse namens Acty Crawler hinzu.

1991 brachte HAM (= Honda of AMerica) einen Kombi zur vierten Accord-Generation auf den Markt und nannte ihn Wagon. In Europa hieß der bis dahin größte Kombi von Honda unter Rückgriff auf die Ahnengalerie Aero Deck.

Zur fünften Accord-Generation entwickelte HAM (= Honda of AMerica) 1994 einen neuen Kombi, der wiederum Wagon hieß und in Europa unter dem Namen Aero Deck angeboten wurde.

Als letzter der großen Automobil-Hersteller brachte Honda im Jahr 1994 einen Minivan auf den Markt. Das Odyssey genannte Fahrzeug basiert allerdings nicht auf einem Kleinbus, sondern auf der verlängerten Plattform der Accord Limousine und war auch sonst im Vergleich zur Konkurrenz zierlicher, weil schmaler und kürzer. In Europa wurde das Modell Shuttle genannt. Wegen Untermotorisierung gab es 1997 beim Odyssey/Shuttle nicht nur ein Facelift, sondern auch wesentliche technische Änderungen - vor allem in Japan: Mit einem von HAM (= Honda of AMerica) übernommenen V6-Motor erschien der Odyssey Prestige.

Das Jahr 1996 markiert das Ende der Phase, in der Honda keinen Kombi zur Civic-Baureihe anbot, denn zur fünften Generation gab es keinen! Zwar hießen beide zum damaligen Zeitpunkt in Japan erschienen Fahrzeuge nicht Civic, aber sowohl der Orthia als auch sein eher kommerziell ausgerichtetes Schwestermodell Partner basierten auf der damals aktuellen Civic-Plattform. Die europäische Variante des Kombis zur sechsten Civic-Generation entstand 1997 auf der Basis des Civic 5-Türer nach dessen Facelift und wurde in Fortführung eines eingeführten Namens Civic Aero Deck genannt.

Im gleichen Jahr (1996) erschien der StepWGN auf dem Markt, ein Kleinbus mit der fahrzeugtypischen Schiebetür auf der Beifahrerseite, der vor allem für kinderreiche Familien gedacht ist. Er wurde ausschließlich in Japan verkauft. Basis ist die damals aktuelle Civic-Plattform. Im Laufe der Produktionsjahre erschienen Varianten mit unterschiedlichen Aufteilungen der bis zu drei Sitzreihen, so daß ein äußerst flexibel nutzbares Fahrzeug entstand.

Ebenfalls auf der damals aktuellen Civic-Plattform aufbauend, wenn auch mit verkürztem Radstand, erschien 1996 der S-MX als Minivan. Er wurde ausschließlich in Japan angeboten und besaß als Besonderheit auf der Beifahrerseite zwei, aber auf der Fahrerseite nur eine Tür.

Nur für den japanischen Markt wurde 1997 passend zur sechsten Generation des Accord auf der Basis der japanischen Limousine ein neuer Kombi, der wiederum Wagon hieß, entwickelt.

Beim Capa, der ab 1998 in Japan angeboten wurde, handelt es sich um eine Kombination von Minivan und Großraum-Limousine. Er war Hondas erster Joy-Mover-Prototyp, der Serienreife erlangte.

Ist er nun ein Kombi oder ist er es nicht? Der HR-V von 1998 läßt sich keiner Fahrzeug-Kategorie eindeutig zuordnen. Vor allen die 5-türige Variante, die 1999 auf den Markt gebracht wurde, könnte durchaus als Kombi verstanden werden. Nur eines ist der HR-V auf keinen Fall - ein Nutzfahrzeug.

Der Misere mit dem Minivan Odyssey auf dem nordamerikanischen Markt bereitete Honda 1998 durch eine völlige Neukonstruktion durch HAM (= Honda of AMerica) ein Ende. Die in Japan, wohin das Fahrzeug neben Nord- und Mittelamerika und Arabien ebenfalls verkauft wurde, Lagreat genannte neue Generation mauserte sich vom kleinsten zum größten Fahrzeug seiner Klasse. Damit trat der gewünschte Erfolg ein.

Nachdem die Bestimmungen für Kei Cars 1998 erneut geändert worden waren und längere sowie breitere Fahrzeuge zugelassen wurden, erneuerte Honda 1999 seine Nutzfahrzeug-Reihe in der Kei Car-Klasse. Das bewährte technische Grundkonzept wurde beibehalten, der Motor wurde umweltfreundlicher und leistungsstärker, der Radstand wuchs, wie auch Länge und Breite. Von diesem Acty Truck gab es noch mehr Sonderaufbauten als vom Vorgänger und der Acty Van erhielt wieder einen Vamos anstelle des bisherigen Street zur Seite gestellt - sogar als eigenständiges Modell.

Auf der verlängerten Plattform der nordamerikanischen Accord Limousine brachte Honda 1999 in Japan ein Fahrzeug auf den Markt, das die Vereinigung eines Kombis und eines Sportcoupés darstellt. Sein grundlegendes Konzept wurde vom ersten Aero Deck übernommen, obwohl der Avancier genannte Wagen zwei Türen mehr besitzt.

Der "kleine" Odyssey erhielt in Japan, Asien und Australien/Neuseeland 1999 einen Nachfolger. In Europa wurde das Fahrzeug mangels Kunden-Interesses nicht mehr angeboten.

In Europa erschien als Ersatz für den erfolglosen Shuttle im Jaher 2000 der Stream - ein 7-sitziger Minivan in der unteren Mittelklasse. Er wurde ebenfalls in Japan und den Ländern Asiens angeboten, in denen der größere Odyssey nicht angeboten wurde. Außerdem gab es den Stream nicht in Nordamerika und Australien/Neuseeland zu kaufen.

Als Nachfolger des Capa erschien kurz von Ende des Jahres 2001 wieder ein Fahrzeug in Japan auf dem Markt, das eher eine Kombination von Minivan und Großraum-Limousine bildete, der Mobilio. Ein Nutzfahrzeug im eigentlichen Sinn des Wortes waren weder er noch sein unter Verzicht auf die dritte Sitzreihe mit mehr Stauraum ausgestattetes Schwestermodell, der Mobilio Spike, der ein Jahr später in Serie ging.

Die zweite Generation des erfolgreichen Kleinbusses StepWGN lancierte Honda ebenfalls im Jahre 2001. Am Konzept der flexibel nutzbaren "Familienkutsche" änderte sich nichts. Ein kräftigerer und umweltfreundlicherer Motor sowie moderate Änderungen der äußeren Gestaltung dominieren die Veränderungen. Trotz der Leistungssteigerung blieb der Antrieb der Kritikpunkt des Fahrzeugs, so daß sich Honda gezwungen sah, im Jahre 2003 einen größeren und vor allem drehmomentstärkeren Motor zusätzlich anzubieten. Gleichzeitig wurde eine sportlicher aufgemachte Variante des Kleinbusses namens StepWGN Spada angeboten.

Im Jahre 2002 präsentierte Honda auf dem japanischen Markt einen neuen Kombi zur siebten Generation des Accord. Das erneut Wagon genannte Fahrzeug entstand auf der Basis der japanischen Limousine und beendete im Jahre 2003 in Europa die Kombi-lose Zeit unter dem Namen Accord Tourer.

Der "kleine" Odyssey für den japanisch-asiatischen Markt einschließlich Australien und Neuseeland wurde 2003 einem Generationswechsel unterzogen. Honda ließ den Minivan dabei in seinen Proportionen "schrumpfen", so daß das Fahrzeug einem Kombi ähnlicher wurde. Auch unter dem Blech änderte sich viel. Neue und z. T. kleinere Motoren sorgten für Vortrieb. Aber wie bei der Verringerung der Außenmaße die Passagiere keine Verkleinerung des Innenraums hinnehmen mußten, so bieten die neuen Motoren ähnliche Leistungen wie die des Vorgängers.

Erfolge werden ausgekostet. Deshalb erfolgte der Generationswechsel beim "großen" Odyssey für den amerikanischen und arabischen Markt erst im Jahre 2004. Das Ergebnis ist ein Minivan, der das bis dahin größte, von Honda gebaute Auto wurde.

2004 ergänzte Honda seine Produktpalette um einen weiteren Minivan der unteren Mittelklasse, den Edix. Die Besonderheit des im Export FR-V genannten Fahrzeugs sind die beiden Sitzreihen zu je drei Einzelsitzen. Dieses Konzept prägt die äußere Form, womit der "charakterliche" Unterschied zum ansonsten im eigenen Hause konkurrierenden Stream hergestellt wurde.

Honda vervollständigte aus der Sicht nordamerikanischer Kunden 2005 endlich die Produktpalette, indem HAM (= Honda of AMerica) den Ridgeline genannten ersten, nahezu "echten" Pick-Up auslieferte. Die vorsichtige Einschränkung begründet sich damit, daß Honda bekanntlich keine Lkws produziert und deshalb bei der Entwicklung des Ridgeline auf kein Lkw-Fahrgestell mit entsprechendem Rahmen zurückgreifen konnte. Die eher rustikal eingestellten Käufer von Pick-Ups zweifelten daher an der Robustheit des Fahrzeugs. Honda versuchte deshalb durch ein für diese Fahrzeugklasse avangardistisches Design besondere Käuferschichten anzusprechen.

Seit dem Jahre 2005 gibt es zumindest in Japan auch einen Kombi zur Fit-Familie, den Airwave. Er kann in gewisser Hinsicht als Nachfolger des 5-türigen HR-V betrachtet werden - allerdings mit größerem Nutzwert - oder als Nachfolger des Orthia. Im Jahre 2006 wurde ihm ein kommerzieller ausgerichtetes Schwestermodell zur Seite gestellt, das wie 1996 als Partner bezeichnet wurde und deshalb dessen zweite Generation darstellt.

Ebenfalls im Jahre 2005 modernisierte Honda den erfolgreichen Kleinbus StepWGN. Technisch änderte sich in der dritten Generation nicht viel, aber das Äußere und die innere Gestaltung des Fahrzeugs wurde nicht nur modischen Strömungen angepaßt, sondern konzeptionell weiterentwickelt, indem z. B. Hondas Ideal eines völlig ebenen Fahrzeugbodens realisiert wurde.

Durch den Generationswechsel beim Civic wurde auch beim darauf aufbauenden Stream ein Generationswechsel notwendig. Er erfolgte im Jahre 2006.