Offensichtlich wurde folgender Artikel, der die Behauptung an einem Beispiel aus der Praxis verdeutlicht, entfernt, deshalb hier seine Wiederholung:
| AUTO BILD-Vorschau VW Golf VI Keine Experimente! Der Modellwechsel bei Deutschlands wichtigstem Auto wird ein Balanceakt. Der nächste Golf muss preiswert zu bauen sein, gleichzeitig darf er aber nicht billig wirken. Von Georg Kacher Radikal ist anders: Der Golf VI sieht aus wie ein facegelifteter Golf V. Die Ähnlichkeit hat gute Gründe. Schließlich kann VW den Golf V, der ursprünglich auf eine Laufzeit von sechs Jahren ausgelegt war, nicht schon nach viereinhalb Jahren durch eine komplette Neukonstruktion ablösen. Allein die vorgezogene GP (große Produktaufwertung) ist teuer genug. Zum einen müssen sich die Investitionen schneller amortisieren, und zum anderen muss das Unternehmen viel früher als geplant frisches Geld in die Hand nehmen. Warum verkürzt VW überhaupt den Lebenszyklus seines
Volumenmodells? Nein, nicht nur, um den Verkauf
anzukurbeln. Sondern vor allem, um die Produktionskosten
zu senken. Denn der Golf V ist zu komplex, zu
technikverliebt, zu variantenreich kurz: Er ist zu
teuer. Er verbringt mehr als doppelt so lange in der
Fertigung als ein Toyota Corolla, ohne die gleiche
Zuverlässigkeit zu erreichen. Außerdem sind die
Renditen mager, denn die angepeilten Stückzahlen werden
nicht erreicht, und der Absatz muss durch immer neue
Sondermodelle angekurbelt werden. Doch dieses Konzept ist
gefährlich, denn es vernichtet jene Marge, die VW
braucht, um seinen Premium-Anspruch durch entsprechende
Inhalte abzusichern. Der Markenverantwortliche, VW-Chef Wolfgang Bernhard,
hat beim Golf VI mit dem Rotstift ganze Arbeit geleistet.
Zum einen gelang es dem als Hardliner gefürchteten
Ex-Chrysler-Manager, bei den Zulieferern die Preise zu
drücken. Und zum anderen eliminierte der gewiefte
Produktioner jene Geldvernichtungs-Details, die die nach
Perfektion strebenden VW-Ingenieure in den Wagen
hineinkonstruiert hatten. Die lange Liste der
Modifikationen reicht von der besseren Ziehbarkeit von
Blechen über eine dramatisch billigere Türkonstruktion
bis zu deutlich weniger Arbeitsgängen am Band. Vor allem
die Komplexität im Detail wird reduziert. Ein Beispiel:
Beim Golf V TDI kommt im Kühler- und
Ladeluftkühlerbereich querbeet eine besonders teure
Lösung zum Einsatz, die sogar die Anforderungen für
Anhängebetrieb in besonders heißen Ländern erfüllt.
In diesem speziellen Fall bringt das Decontenting
das gezielte Entfeinern künftig pro Auto eine
Nettoeinsparung von fast 50 Euro. Innen will VW an jene Wertigkeit anknüpfen, die
zuletzt den Golf IV ausgezeichnet hat. Die Schalttafel
sieht besser aus und fühlt sich besser an. Außerdem
werden die Ausstattungspakete neu geschnürt. Schon im
Conceptline-Basismodell gibt es dem Vernehmen nach
serienmäßig eine Klimaanlage. In der
Comfortline-Version spielt Musik, im Highline-Golf sitzt
man auf Leder, und der GTI wird von der Anmutung noch
dynamischer. Sportline und GT entfallen. Die wesentlichen
Elemente dieser Varianten können separat dazubestellt
werden. Darüber hinaus sind mit Individual und R32 zwei
betont luxuriöse beziehungsweise sportliche Modelle im
Angebot. Wichtig: Der Golf Plus hat seinen eigenen Zyklus
und wird ebenso wie Jetta, Caddy und Golf Variant erst
später aufgewertet. Golf V: So wird bereits gespart Auf die Kostenbremse wird nicht nur beim großen Modellwechsel getreten. Auch zwischendurch versuchen die Hersteller, mehr Geld mit ihren Autos zu verdienen. Das geschieht durch Änderungen beim Zusammenbau, aber auch durch Tausch einzelner Bauteile. "Decontenting" heißt der Fachbegriff: weniger Inhalt fürs gleiche Geld. Beispiel: Gestartet ist der Golf V im November 2003 mit einer Scheiben-Antenne fürs Radio, aktiven Kopfstützen und einer ESP-Kontrollleuchte im Schalter in der Mittelkonsole. Mit dem aktuellen Jahrgang gibt es diese Dinge so nicht mehr. Statt Scheiben-Antenne sitzt jetzt wieder eine Antenne auf dem Dach, aktive Kopfstützen gegen das Schleudertrauma beim Heckaufprall gibt es gar nicht mehr, und die ESP-Kontrolle in der Mittelkonsole entfiel ebenfalls. Dafür sind die Preise gestiegen. Kostete der Basis-Golf vor drei Jahren noch 15.220 Euro, so sind es jetzt 16.157 Euro. Das jüngere Auto ist also nicht unbedingt besser, auf jeden Fall aber teurer. aus: AUTO BILD 01/07 |