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Erste
Klas-
sen-
arbeit
in der
HH1f
Schul-
jahr
2003/
2004

Ergebnisse

Aufgabe 1: (20 Punkte)
Nenne je ein Beispiel für nicht wirtschaftlich relevante Handlungen der Wirtschaftssubjekte.
Wirtschaftssubjekt Handlung
Lieschen Müller (= Haushalt) Spaziergang mit dem Hund
Bäckerei (= Unternehmen) Aushängen eines Plakats über die Ankündigung der jährlichen Tennis-Meisterschaften im Schaufenster
Geldinstitut (= Kapitalsammelstelle) Aushängen eines Plakats über die Ankündigung der jährlichen Tennis-Meisterschaften im Schaufenster
Gemeinde (= Staat) Aushängen eines Plakats über die Ankündigung der jährlichen Tennis-Meisterschaften im Infokasten
 
Aufgabe 2: (20 Punkte)
Ein Wissenschaftler, der das Verhalten des homo oeconomicus erforschen möchte, führt ein Experiment durch:

Er lädt zwei Vertreter dieser seltenen Gattung Mensch ein und macht homo oeconomicus A in Gegenwart von homo oeconomicus B folgendes Angebot:
A erhält 100 Euro mit der Aufgabe, dieses Geld irgendwie zwischen sich (= A) und B aufzuteilen.
Bedingung ist, daß B mit der Aufteilung einverstanden ist und die ihm zugedachte Summe annimmt.
Findet A keine Aufteilung der 100 Euro, die B akzeptiert, so erhält A das Geld nicht.

a) Welche Aufteilung der 100 Euro wird A vornehmen? A behält 99 Euro und gibt B 1 Euro.
b) Warum werden A und B diese Aufteilung akzeptieren? A und B handeln rein zweckrational zum eigenen Vorteil und deshalb sagt sich B, "besser 1 Euro, als gar nichts".
c) Wenn Du als realer Mensch B wärest, welche Summe würdest Du akzeptieren? Experimente von Ernst Fehr (* 1956) haben ergeben, daß ein realer Mensch bei weniger als 30 Euro ablehnt, um den Aufteilenden zu beschämen.
 
Aufgabe 3: (60 Punkte)
Lese den Text von Adolph Lowe und beantworte folgende Fragen:
Adolph Lowe (1893 - 1995):

"... die Bedürfnisse, deren Befriedigung materielle Mittel erfordert, sind keineswegs unter allen Umständen unbegrenzt, noch sind alle dazu benötigten Hilfsstoffe unabänderlicherweise knapp. Unbegrenzt sind hingegen jene menschlichen Ziele, die ohne materielle Mittel auskommen – künftig immaterielle Ziele genannt –, und die immateriellen Mittel, die zu ihrer Erreichung benötigt werden – menschliche Energie und Zeit –, sind ihrerseits unabänderlich knapp.
Was das bedeutet, ist leicht zu begreifen, wenn wir unser Augenmerk auf jene Minderheit richten, die bisher in jeder historischen Gesellschaftsordnung dem harten Los entging, das die Knappheit materieller Mittel der Mehrheit auferlegte. Seit Menschengedenken hat die Existenz solcher Minderheit eine Hoffnung belebt, die durch den Fortschritt der Technik und der sozialen Organisation während des letzten Jahrhunderts sich mehr und mehr erfüllt hat. Es geht um die Hoffnung, daß die Zahl der Menschen deren Lebensstandard über dem Existenzminimum liegt, ständig wachsen wird und daß die Menschheit als Ganzes ihre immateriellen Mittel in zunehmendem Maße jenen Tätigkeiten widmen kann, die nicht gerade zutreffend als ’Freizeitbeschäftigung‘ bezeichnet werden ... [...]
Man kann dennoch behaupten, daß weder Kernspaltung noch Kernbindung [= Kernverschmelzung, K. K.], weder Automation noch alle künftigen Entdeckungen und Erfindungen jemals ausreichen werden, um alle erdenklichen materiellen Wünsche zu erfüllen. Aber wir müssen uns daran erinnern, daß Güter nur knapp sind hinsichtlich der Bedürfnisse, für die sie benötigt werden. Und wir können uns viele materielle Versorgungslagen oberhalb des Existenzminimums vorstellen, bei denen die herrschende kulturelle Wertordnung den Umkreis der materielle Mittel erfordernden Bedürfnisse so begrenzt, daß der vorhandene Vorrat an natürlichen Hilfsquellen zu ihrer vollen Befriedigung ausreicht."
A. Lowe: Politische Ökonomik, Frankfurt am Main 1969, S. 24 f., zitiert nach: U. Taenzer: Grundlagen der Wirtschaftswissenschaften, Teil 1, Stuttgart 1975, S. 22 ff.

a) Welche Ressourcen sind nach Lowe knapp, welche nicht? Bewerte diese Auffassung.
Knappe Ressourcen Nicht knappe Ressourcen
  • menschliche Energie
  • menschliche Zeit
  • menschlicher Erfindungsgeist
  • Güter zur Bedürfnisbefriedigung
  • Hilfsstoffe
  • (materielle Wünsche)

Bewertung
Nicht knappe Hilfsstoffe ist ein Widerspruch zur historischen Entwicklung der Menschheit.
Es gibt bereits Tierarten, die ausgestorben sind und früher als Nahrungsquelle usw. dienten. Sie mußten durch andere Arten ersetzt werden, die zwischenzeitlich vom Schicksal ihrer Vorgänger bedroht sind.
Außerdem drohen verschiedene Bodenschätze in absehbarer Zukunft nicht mehr abbaubar zu sein, so daß die Produktion einiger Güter auf andere Hilfsstoffe zurückgreifen muß. Ob diese Substitution unbegrenzt möglich sein wird, bezweifelt Lowe selbst, da er den menschlichen Erfindungsgeist für knapp hält.

b) Wodurch ist nach Lowe in jeder bisherigen historischen Gesellschaftsordnung eine Minderheit gegenüber der Mehrheit gekennzeichnet gewesen?
Mit anderen Worten: Welches Privileg besaß jeweils eine Minderheit?
Diese Minderheit brauchte nicht zu arbeiten und meistens auch nicht mit knappen Mitteln zu wirtschaften.
c) Welche Hoffnung nährt nach Lowe die Existenz dieser Minderheit? Die Hoffnung, daß immer mehr Menschen immer weniger arbeiten müssen.
d) Wird diese Auffassung Lowes durch die Maslowsche Bedürfnispyramide gestützt?
Begründe Deine Antwort.
Ja.
Nach Abraham Maslow (1908 - 1970) müssen zunächst die Defizitbedürfnisse befriedigt werden, bevor das Wachstumsbedürfnis nach Selbstverwirklichung befriedigt werden kann.
e) Welche Hoffnung besitzt Lowe, wenn er davon spricht, daß "...wir ... uns viele materielle Versorgungslagen oberhalb des Existenzminimums vorstellen (können), bei denen die herrschende kulturelle Wertordnung den Umkreis der materielle Mittel erfordernden Bedürfnisse so begrenzt, daß der vorhandene Vorrat an natürlichen Hilfsquellen zu ihrer vollen Befriedigung ausreicht"? Er besitzt die Hoffnung, daß die Minderheit [siehe Frage b)] stets in der Lage ist, die Mehrheit davon überzeugen zu können, daß Selbstbeschränkung der Bedürfnisse (= Verzicht) für den Fortbestand der Gesellschaft notwendig ist.
f) Welche Verbindung besteht zwischen Lowes Auffassung und der gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussion um die Veränderung des Sozialsystems in Deutschland (vor allem die Begrenzung der Kosten für Rente und Krankheit)? Die herrschende kulturelle Wertordnung soll dahingehend verändert werden, daß bei knapper werdenden Mitteln für Rente und Krankheit eine Versorgung auf einem Niveau zugesichert werden kann, das dafür sorgt, daß die Mehrheit [siehe Frage b)] trotz der Verringerung ihrer Möglichkeiten zur Befriedigung von Bedürfnissen nicht gegen die herrschende gesellschaftliche Ordnung revoltiert.
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