Aufgabe 1: (20 Punkte)
Nenne je ein Beispiel für nicht wirtschaftlich
relevante Handlungen der Wirtschaftssubjekte. |
| Wirtschaftssubjekt |
Handlung |
| Lieschen
Müller (= Haushalt) |
Spaziergang
mit dem Hund |
| Bäckerei
(= Unternehmen) |
Aushängen
eines Plakats über die Ankündigung der
jährlichen Tennis-Meisterschaften im
Schaufenster |
| Geldinstitut
(= Kapitalsammelstelle) |
Aushängen
eines Plakats über die Ankündigung der
jährlichen Tennis-Meisterschaften im
Schaufenster |
| Gemeinde
(= Staat) |
Aushängen
eines Plakats über die Ankündigung der
jährlichen Tennis-Meisterschaften im
Infokasten |
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Aufgabe 2: (20 Punkte)
Ein Wissenschaftler, der das Verhalten des homo oeconomicus
erforschen möchte, führt ein Experiment durch:Er
lädt zwei Vertreter dieser seltenen Gattung
Mensch ein und macht homo oeconomicus A in
Gegenwart von homo oeconomicus B folgendes
Angebot:
A erhält 100 Euro mit der Aufgabe, dieses Geld
irgendwie zwischen sich (= A) und B aufzuteilen.
Bedingung ist, daß B mit der Aufteilung
einverstanden ist und die ihm zugedachte Summe
annimmt.
Findet A keine Aufteilung der 100 Euro, die B
akzeptiert, so erhält A das Geld nicht.
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| a) Welche Aufteilung der 100 Euro
wird A vornehmen? |
A behält 99 Euro und gibt B 1
Euro. |
| b) Warum werden A und B diese
Aufteilung akzeptieren? |
A und B handeln rein
zweckrational zum eigenen Vorteil und deshalb
sagt sich B, "besser 1 Euro, als gar
nichts". |
| c) Wenn Du als realer Mensch B
wärest, welche Summe würdest Du akzeptieren? |
Experimente von Ernst Fehr
(* 1956) haben ergeben, daß
ein realer Mensch bei weniger als 30 Euro
ablehnt, um den Aufteilenden zu beschämen. |
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Aufgabe 3: (60 Punkte)
Lese den Text von Adolph
Lowe und beantworte folgende
Fragen:
| Adolph Lowe
(1893 - 1995): "...
die Bedürfnisse, deren Befriedigung
materielle Mittel erfordert, sind
keineswegs unter allen Umständen
unbegrenzt, noch sind alle dazu
benötigten Hilfsstoffe
unabänderlicherweise knapp. Unbegrenzt
sind hingegen jene menschlichen Ziele,
die ohne materielle Mittel auskommen
künftig immaterielle Ziele
genannt , und die immateriellen
Mittel, die zu ihrer Erreichung benötigt
werden menschliche Energie und
Zeit , sind ihrerseits
unabänderlich knapp.
Was das bedeutet, ist leicht zu
begreifen, wenn wir unser Augenmerk auf
jene Minderheit richten, die bisher in
jeder historischen Gesellschaftsordnung
dem harten Los entging, das die Knappheit
materieller Mittel der Mehrheit
auferlegte. Seit Menschengedenken hat die
Existenz solcher Minderheit eine Hoffnung
belebt, die durch den Fortschritt der
Technik und der sozialen Organisation
während des letzten Jahrhunderts sich
mehr und mehr erfüllt hat. Es geht um
die Hoffnung, daß die Zahl der Menschen
deren Lebensstandard über dem
Existenzminimum liegt, ständig wachsen
wird und daß die Menschheit als Ganzes
ihre immateriellen Mittel in zunehmendem
Maße jenen Tätigkeiten widmen kann, die
nicht gerade zutreffend als
Freizeitbeschäftigung
bezeichnet werden ...
[...]
Man kann dennoch behaupten, daß weder
Kernspaltung noch Kernbindung [=
Kernverschmelzung, K. K.], weder
Automation noch alle künftigen
Entdeckungen und Erfindungen jemals
ausreichen werden, um alle erdenklichen
materiellen Wünsche zu erfüllen. Aber
wir müssen uns daran erinnern, daß
Güter nur knapp sind hinsichtlich der
Bedürfnisse, für die sie benötigt
werden. Und wir können uns viele
materielle Versorgungslagen oberhalb des
Existenzminimums vorstellen, bei denen
die herrschende kulturelle Wertordnung
den Umkreis der materielle Mittel
erfordernden Bedürfnisse so begrenzt,
daß der vorhandene Vorrat an
natürlichen Hilfsquellen zu ihrer vollen
Befriedigung ausreicht."
A. Lowe: Politische
Ökonomik, Frankfurt am Main 1969, S. 24
f., zitiert nach: U. Taenzer: Grundlagen
der Wirtschaftswissenschaften, Teil 1,
Stuttgart 1975, S. 22 ff.
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| a)
Welche Ressourcen sind nach Lowe
knapp, welche nicht? Bewerte diese Auffassung. |
| Knappe Ressourcen |
Nicht knappe
Ressourcen |
- menschliche Energie
- menschliche Zeit
- menschlicher Erfindungsgeist
- Güter zur Bedürfnisbefriedigung
|
- Hilfsstoffe
- (materielle Wünsche)
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Bewertung
Nicht knappe Hilfsstoffe ist ein
Widerspruch zur historischen Entwicklung der
Menschheit.
Es gibt bereits Tierarten, die ausgestorben sind
und früher als Nahrungsquelle usw. dienten. Sie
mußten durch andere Arten ersetzt werden, die
zwischenzeitlich vom Schicksal ihrer Vorgänger
bedroht sind.
Außerdem drohen verschiedene Bodenschätze in
absehbarer Zukunft nicht mehr abbaubar zu sein,
so daß die Produktion einiger Güter auf andere
Hilfsstoffe zurückgreifen muß. Ob diese
Substitution unbegrenzt möglich sein wird,
bezweifelt Lowe
selbst, da er den menschlichen Erfindungsgeist
für knapp hält.
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b)
Wodurch ist nach Lowe
in jeder bisherigen historischen
Gesellschaftsordnung eine Minderheit gegenüber
der Mehrheit gekennzeichnet gewesen?
Mit anderen Worten: Welches Privileg besaß
jeweils eine Minderheit? |
Diese Minderheit
brauchte nicht zu arbeiten und meistens auch
nicht mit knappen Mitteln zu wirtschaften. |
| c)
Welche Hoffnung nährt nach Lowe
die Existenz dieser Minderheit? |
Die Hoffnung, daß
immer mehr Menschen immer weniger arbeiten
müssen. |
d) Wird
diese Auffassung Lowes
durch die Maslowsche
Bedürfnispyramide gestützt?
Begründe Deine Antwort. |
Ja.
Nach Abraham Maslow
(1908 - 1970) müssen
zunächst die Defizitbedürfnisse befriedigt
werden, bevor das Wachstumsbedürfnis nach
Selbstverwirklichung befriedigt werden kann. |
| e)
Welche Hoffnung besitzt Lowe,
wenn er davon spricht, daß "...wir ... uns
viele materielle Versorgungslagen oberhalb des
Existenzminimums vorstellen (können), bei denen
die herrschende kulturelle Wertordnung den
Umkreis der materielle Mittel erfordernden
Bedürfnisse so begrenzt, daß der vorhandene
Vorrat an natürlichen Hilfsquellen zu ihrer
vollen Befriedigung ausreicht"? |
Er besitzt die
Hoffnung, daß die Minderheit [siehe Frage b)]
stets in der Lage ist, die Mehrheit davon
überzeugen zu können, daß Selbstbeschränkung
der Bedürfnisse (= Verzicht) für den
Fortbestand der Gesellschaft notwendig ist. |
| f)
Welche Verbindung besteht zwischen Lowes
Auffassung und der gegenwärtigen
gesellschaftlichen Diskussion um die Veränderung
des Sozialsystems in Deutschland (vor allem die
Begrenzung der Kosten für Rente und Krankheit)? |
Die herrschende
kulturelle Wertordnung soll dahingehend
verändert werden, daß bei knapper werdenden
Mitteln für Rente und Krankheit eine Versorgung
auf einem Niveau zugesichert werden kann, das
dafür sorgt, daß die Mehrheit [siehe Frage b)]
trotz der Verringerung ihrer Möglichkeiten zur
Befriedigung von Bedürfnissen nicht gegen die
herrschende gesellschaftliche Ordnung revoltiert. |