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2003/
2004

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Aufgabe:
Lese die Auszüge aus den Texten "Geldwert?" und "Geld oder Brot, der Zins als Hebel" von Dr. Böttiger und beantworte folgende Fragen:
"Hat Ihnen Ihr Lehrer auch den Quatsch von Adam Smith und Karl Marx erzählt: Geld sei eine Recheneinheit, ein Tauschmittel und ein Wertaufbewahrungsmittel. Schauen Sie sich Ihr Geld an: ein Zahlungsversprechen - nichts sonst. Geld sind Schulden, als 'Recheneinheit' bestimmt es die Höhe der Schuld, 'Tauschmittel' wird es, wenn jemand die Schuld eines anderen als Zahlungsmittel akzeptiert und 'Wertaufbewahrungsmittel'? Für die 'feste' DM bekommt man noch ein Fünftel von dem, was man vor 25 Jahren dafür bekam... Das gilt auch für andere Währungen. Für keine bekommt man noch das gleiche wie früher. Wie viel man bekommt, darüber entscheidet der Markt, heißt es...

Geld hat keinen Wert, allenfalls eine 'Bonität', eine Kaufkraft. Das ist die Fähigkeit und Bereitschaft des Schuldners im Ernstfall etwas zu geben....

(...)

Warum sollte Geld plötzlich nichts mehr wert sein? Wacht nicht die Bundesbank und demnächst die Eurobank über der Geldwertstabilität? Wachen vielleicht, aber wie? Unter Inflation versteht der Zentralbanker: Im Verhältnis zu den Waren ist zuviel Geld auf dem Markt. Er versucht also, Geld knapper zu machen und hebt die Zinsen an. Die Folge? Bäcker Meier (steht für Unternehmerkollegen in ähnlicher Lage) schiebt den Kauf einer neuen Knetmaschine hinaus, weil die Einkommenssteigerung durch die Maschine kaum die Kreditkosten deckt. Das schon Angesparte legt er wegen der höheren Zinsen in Wertpapieren an, das heißt, er tauscht Schuldscheine der Bundesbank gegen Schuldscheine anderer ein. Diese zahlen nicht aus Freude höhere Zinsen, sie vielmehr sind zahlungspflichtig und brauchen Geld. Ein solcher Zahlungspflichtiger könnte Maschinenbauer Schulz sein, der im Hinblick auf den Auftrag von Meier eine neue Drehbank angeschafft hat. Statt die Schuld durch den Erlös aus dem Geschäft mit Meier abzutragen, braucht er einen Überbrückungskredit, d. h. neues Geld...

Hat der Banker die Inflation bekämpft? Nein! Die Zinsanhebung brachte mehr Geld und weniger Güter - also mehr Inflation...

(...)

Der Grund des Übels liegt in der Höhe der Zinsen. Zinsen sind wichtig, um wirtschaftliche Aktivitäten anzutreiben. Ohne sie gäbe es keinen Grund Zahlungsmittel dann aus der Hand zu geben, wenn man sie gerade selbst nicht braucht... [Aber:] Der Zinssatz darf das Geld nicht rascher vermehren als die Menge der vorhandenen Güter...

Überhöhte Zinssätze leiten Zahlungsmittel von der Investition in güterproduzierende Anlagen um in die Spekulation mit Zahlungsverpflichtungen. Der Güterberg schrumpft ab, die Menge an Geld/Schulden nimmt zu... Irgendwann wird das Mißverhältnis zwischen der Menge umlaufender Zahlungsmittel und käuflicher Waren selbst den Fernsehguckern bewußt...

Wann diese Einsicht dämmert, ist keine Frage der Wirtschaft sondern der Psychologie...

Wann wird das sein? Wenn sich die Dummen nicht mehr von Experten nasführen lassen oder Oberexperten ihre [Wert-] Papiere gegen Dinge eingetauscht haben, die ihnen nach dem Zusammenbruch des Geldsystems Einkommen zufließen lassen, weil sie ihnen Macht über die Abhängigen gibt, also Bergwerke wegen der Rohstoffe, Ackerland wegen der Nahrungsmittel, Wohnraum, Wasserwerke oder gar Atemluft... Wundern Sie sich noch, daß man sogar Wasserwerke 'privatisiert' und die britische Firma Thames Water plc in aller Welt Wasserwerke kauft?"

 
a) Böttiger kritisiert die herrschende volkswirtschaftliche Lehrmeinung, Geld sei Recheneinheit, Tauschmittel und Wertaufbewahrungsmittel. Was versteht er unter Geld? (10 Punkte)
Geld ist für ihn ein Zahlungsversprechen, also Schulden.
 
b) Was ist unter Berücksichtigung Böttigers Geld-Definition dann unter den genannten Funktionen des Geldes zu verstehen? (20 Punkte)
Als Recheneinheit bestimmt Geld die Höhe der Schulden.

Als Tauschmittel fungiert es nur, wenn jemand das Zahlungsversprechen tatsächlich glaubt und daher das Geld annimmt.

Als Wertaufbewahrungsmittel funktioniert unser Geld nicht, weil durch Inflation kontinuierlich die Gütermenge abnimmt, die für eine Geldeinheit gekauft werden kann.

 
c) Auf welche Weise versucht nach Böttiger normalerweise die Zentralbank die Geldwertstabilität bei einer drohenden Inflation zu sichern? (10 Punkte)
Durch Verteuern von Geld, also durch Anheben der Zinsen.
 
d) Was erreicht nach Böttigers Meinung die Zentralbank durch ein solches Handeln? Wie begründet er seine Auffassung? (20 Punkte)
Erreicht wir eine Verstärkung des Inflationsdrucks.

Durch die Zinserhöhung wird die Anlage von Erspartem in Produktionsmitteln weniger rentabel. Stattdessen wird die Anlage in Wertpapieren interessanter. Diese Wertpapiere werden von Wirtschaftssubjekten ausgegeben, die dringend Geld benötigen, das sie nicht erhalten, weil ihre Erlöse aus der Produktion von Gütern nicht die erhoffte Höhe erreichen. Folge: Es werden mehr Zinsen gezahlt, bei gleichbleibender Güterproduktion. Das bedeutet, es ist mehr Geld im Umlauf bei gleichbleibender Güterproduktion. Und das wird als Inflation bezeichnet.

 
e) Wie hoch darf der Zinssatz nach Böttigers Meinung sein, um Ungerechtigkeiten im Hinblick auf die Einkommens- und Vermögensverteilung zu vermeiden? (10 Punkte)
Durch Zinsen darf nicht mehr neues Geld entstehen, als Güter durch die Kredite mehr produziert werden.
 
f) Wer zieht Vorteile aus der von Böttiger skizzierten Entwicklung? Begründe Deine Auffassung. (30 Punkte)
Vorteile ziehen langfristig (nach dem Zusammenbruch des Geldsystems durch eine "galoppierende" Inflation) diejenigen, die überlebenswichtige Güter produzieren können wie Nahrungsmittel, Wohnraum, Wasser und andere Rohstoffe.

Wenn Geld aufgrund des Wertverlusts als Zahlungsmittel nicht mehr angenommen wird, dann erhalten Sachwerte überragende Bedeutung. Und unter den Sachwerten besitzen die Güter, die zum Überleben notwendig sind, in solchen Zeiten den höchsten Wert.

Fragen karlheinz@luk-korbmacher.de