| "Hat Ihnen Ihr Lehrer auch den
Quatsch von Adam Smith und Karl Marx
erzählt: Geld sei eine Recheneinheit,
ein Tauschmittel und ein
Wertaufbewahrungsmittel. Schauen Sie sich
Ihr Geld an: ein Zahlungsversprechen -
nichts sonst. Geld sind Schulden, als
'Recheneinheit' bestimmt es die Höhe der
Schuld, 'Tauschmittel' wird es, wenn
jemand die Schuld eines anderen als
Zahlungsmittel akzeptiert und
'Wertaufbewahrungsmittel'? Für die
'feste' DM bekommt man noch ein Fünftel
von dem, was man vor 25 Jahren dafür
bekam... Das gilt auch für andere
Währungen. Für keine bekommt man noch
das gleiche wie früher. Wie viel man
bekommt, darüber entscheidet der Markt,
heißt es... Geld hat keinen Wert,
allenfalls eine 'Bonität', eine
Kaufkraft. Das ist die Fähigkeit und
Bereitschaft des Schuldners im Ernstfall
etwas zu geben....
(...)
Warum sollte Geld plötzlich nichts
mehr wert sein? Wacht nicht die
Bundesbank und demnächst die Eurobank
über der Geldwertstabilität? Wachen
vielleicht, aber wie? Unter Inflation
versteht der Zentralbanker: Im
Verhältnis zu den Waren ist zuviel Geld
auf dem Markt. Er versucht also, Geld
knapper zu machen und hebt die Zinsen an.
Die Folge? Bäcker Meier (steht für
Unternehmerkollegen in ähnlicher Lage)
schiebt den Kauf einer neuen Knetmaschine
hinaus, weil die Einkommenssteigerung
durch die Maschine kaum die Kreditkosten
deckt. Das schon Angesparte legt er wegen
der höheren Zinsen in Wertpapieren an,
das heißt, er tauscht Schuldscheine der
Bundesbank gegen Schuldscheine anderer
ein. Diese zahlen nicht aus Freude
höhere Zinsen, sie vielmehr sind
zahlungspflichtig und brauchen Geld. Ein
solcher Zahlungspflichtiger könnte
Maschinenbauer Schulz sein, der im
Hinblick auf den Auftrag von Meier eine
neue Drehbank angeschafft hat. Statt die
Schuld durch den Erlös aus dem Geschäft
mit Meier abzutragen, braucht er einen
Überbrückungskredit, d. h. neues
Geld...
Hat der Banker die Inflation
bekämpft? Nein! Die Zinsanhebung brachte
mehr Geld und weniger Güter - also mehr
Inflation...
(...)
Der Grund des Übels liegt in der
Höhe der Zinsen. Zinsen sind wichtig, um
wirtschaftliche Aktivitäten anzutreiben.
Ohne sie gäbe es keinen Grund
Zahlungsmittel dann aus der Hand zu
geben, wenn man sie gerade selbst nicht
braucht... [Aber:] Der Zinssatz darf das
Geld nicht rascher vermehren als die
Menge der vorhandenen Güter...
Überhöhte Zinssätze leiten
Zahlungsmittel von der Investition in
güterproduzierende Anlagen um in die
Spekulation mit Zahlungsverpflichtungen.
Der Güterberg schrumpft ab, die Menge an
Geld/Schulden nimmt zu... Irgendwann wird
das Mißverhältnis zwischen der Menge
umlaufender Zahlungsmittel und
käuflicher Waren selbst den
Fernsehguckern bewußt...
Wann diese Einsicht dämmert, ist
keine Frage der Wirtschaft sondern der
Psychologie...
Wann wird das sein? Wenn sich die
Dummen nicht mehr von Experten nasführen
lassen oder Oberexperten ihre [Wert-]
Papiere gegen Dinge eingetauscht haben,
die ihnen nach dem Zusammenbruch des
Geldsystems Einkommen zufließen lassen,
weil sie ihnen Macht über die
Abhängigen gibt, also Bergwerke wegen
der Rohstoffe, Ackerland wegen der
Nahrungsmittel, Wohnraum, Wasserwerke
oder gar Atemluft... Wundern Sie sich
noch, daß man sogar Wasserwerke
'privatisiert' und die britische Firma
Thames Water plc in aller Welt
Wasserwerke kauft?"
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