Aufgabe:
Lese bitte den beigefügten Text von Klaus-Dieter Schmidt
"Das
Ende der Politik? Auf dem Wege zum Minimalstaat"
und beantworte die nachfolgenden Fragen. |
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Frage 1: (2 Punkte)
K.-D. Schmidt nennt
zwei Handlungsmaximen für den Staat. Welche sind
das? |
| Rationalität
und Effizienz |
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Frage 2: (4 Punkte)
Welche wirtschaftspolitischen Handlungsfelder
nennt er? |
- Umbau des Steuersystems
- Umbau des Sozialversicherungssystems
- Umbau des Bildungswesens
- Umbau der Arbeitsmarktverfassung
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Frage
3: (je 2 Punkte)
Hat er weitere wirtschaftspolitische
Handlungsfelder vergessen zu nennen? Wenn ja,
welche? |
Z. B.:
- Umweltschutz
- Angleichung der Vermögensverteilung
Von den Schülerinnen und Schülern
zusätzlich genannt:
- gerechte Einkommens- und
Vermögensverteilung
- notwendiges permanentes
Wirtschaftswachstum
- Die Unternehmen müssen als Team handeln.
- Neue Techniken
- Konjunkturpolitik
- Geldpolitik/Finanzsystem
- Infrastruktur
- Sicherheit
- Gesundheitssytem
- Verkehrspolitik
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Frage
4: (2 Punkte)
Welche der üblichen volkswirtschaftlichen
Produktionsfaktoren gelten nach Schmidt in der
ökonomischen Theorie als immobil? |
| Arbeit
und Boden |
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Frage 5: (4 Punkte)
Stimmt diese Auffassung mit der aktuellen
ökonomischen und politischen Realität noch
überein? Begründe Deine Antwort. |
| Nein nicht ganz, denn Arbeit ist
zwischenzeitlich wesentlich mobiler geworden und
kann nicht mehr als immobil bezeichnet werden,
obwohl trotz aller Fortschritte immer noch
zahlreiche Hindernisse einer weitergehenden
Mobilität entgegenstehen (wie z. B.
Sprachbarrieren, Arbeitserlaubnisverfahren,
unterschiedliche Besteuerung, familiäre Gründe,
Kostengründe). |
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Frage 6: (4 Punkte)
Jürgen Grahl wünscht die Erweiterung
der Palette der volkswirtschaftlichen
Produktionsfaktoren um den Produktionsfaktor
"Energie"
(vgl. seinen Artikel "Die ökologischen Strukturfehler
unseres Wirtschaftssystems"). Über
welche der von K.-D.
Schmidt in Anlehnung an Alfred O. Hirschman
genannten Handlungsoptionen verfügen die
Anbieter eines solchen Produktionsfaktors?
Begründe Deine Antwort. |
| Alle
Hersteller verfügen über die Voice-Option: Lamentieren
kann jeder - immer. Uneingeschränkt über die Exit-Option verfügen
eigentlich keine Energie-Hersteller.
Primär-Energie kann nur dort hergestellt werden,
wo entsprechende Bodenschätze (Erdöl) oder
natürliche Voraussetzungen (Wind, Wasser)
gegeben sind. Diese Hersteller können die
Herstellung entweder vornehmen oder sein lassen.
Andererseits sind die modernen Volkswirtschaften
in einer Weise von Energie abhängig, daß
praktisch jeder Preis dafür gezahlt wird, weil
sonst die Volkswirtschaft zusammenbrechen würde.
Die übrigen Energie-Hersteller (z. B.
Stromerzeuger) sind im wesentlichen an den
Standort gebunden, weil der Transport dieser
Energie nicht nur Kosten hervorruft, sondern auch
technisch nur eingeschränkt möglich ist.
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Frage 7: (3 Punkte)
K.-D. Schmidt
nennt drei Aufgaben staatlicher
Wirtschaftspolitik. Welche sind das? |
- Glättung von
Konjunkturschwankungen
- Kompensation von
Marktversagen
- soziale Sicherung
durch Umverteilung der Einkommen
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Frage 8: (6 Punkte)
Sind diese Aufgaben in der aktuellen
Situation in Deutschland Konsenz unter den
Politikern oder wird über Sinn und Unsinn dieser
Aufgaben kontrovers diskutiert? Wenn sie zur
Disposition stehen, über welche Aufgabe(n) wird
diskutiert und welche Veränderungen sollten
stattfinden? |
- Beim Ziel der Glättung von
Konjunkturschwankungen herrscht Einigkeit
- nur über den Weg dorthin wird seit
jeher trefflich gestritten.
- Ähnlich verhält es sich bei der
Kompensation von Marktversagen. DASS
kompensiert werden muß ist unbestritten.
Aber wo Marktversagen auftritt, das wird
von den verschiedenen Parteien
unterschiedlich beurteilt.
- Die soziale Sicherung wird seit jeher von
den verschiedenen Parteien in Deutschland
unterschiedlich gewichtet, ist aber in
gewisser Weise Konsenz (Was heißt sozial
abgesichert?). Für manche Politiker ist
der Weg dort hin aber auf gar keinen Fall
durch eine Umverteilung der Einkommen
gangbar. Bundespräsident Köhler hat
diesen Weg kurz nach Antritt seines Amtes
in einem Zeitungsinterview in Frage
gestellt, indem er darauf hinwies, daß
auf diese Weise die Politik der
Subventionen und Transferleistungen auf
Dauer "zementiert" würde. Wer
also Subventionen und Transferleistungen
abbauen möchte, müßte auch über die
Umverteilung der Einkommen nachdenken.
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Frage 9: (6 Punkte)
Wenn K.-D. Schmidt
mit seiner Behauptung der Existenz eines
weltweiten Konjunkturverbunds recht hat, warum
zieht dann nicht auch in Deutschland die
Konjunktur an, obwohl z. B. in China die
Wirtschaft seit Jahren mit rasantem Tempo wächst
und Deutschland Chinas wichtigster Handelspartner
außerhalb Asiens ist? |
Mögliche Argumente:
- Erstens ist
China weltweit eine der ganz wenigen
Ausnahmen in Sachen boomender Konjunktur.
Und: "eine Schwalbe macht noch
keinen Sommer".
- Zweitens
macht der Handel mit China aus der Sicht
Deutschlands nur einen untergeordneten
Teil der weltweiten wirtschaftlichen
Verflechtungen Deutschlands aus.
- Drittens
unterliegt der Handel mit China aufgrund
politischer Entscheidungen
("Menschenrechtsverletzungen",
Unterstützung von
"Schurkenstaaten") besonderen
Einschränkungen. Mehr wäre also
möglich...
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Frage 10: (6 Punkte)
K.-D. Schmidt
schätzt die Flexibilität der Kapitalanleger bei
ihrer Ansicht nach zu hohen Steuersätzen oder zu
teueren Sozialstandards oder zu strengen
Umweltauflagen offenbar sehr hoch ein (Hinweis:
Schlagwort von der "Kapitalflucht ins
Ausland" bzw. der "Verlagerung der
Produktion ins Ausland"). Wenn die
vergangenen vier, fünf Jahre und die nächsten
zwei, drei Jahre betrachtet werden, würdest Du
seine Auffassung teilen? Begründe Deine Antwort. |
Wie flexibel Kapitalanleger im
Hinblick auf Steuern
seien können, zeigt das Beispiel
DaimlerChrysler. Beim Zusammenschluß beider
Unternehmen wurde lange Zeit intensiv und
leidenschaftlich über den Konzernsitz (Stuttgart
oder Detroit) verhandelt, weil dabei auch
Prestige-Fragen eine Rolle spielen. Die
Chrysler-Eigner ließen sich jedoch davon
überzeugen, daß die Steuerersparnis aufgrund
der zu erwartenden Verluste bei Chrysler bei
einem Konzernsitz Stuttgart erheblich größer
ist, als bei einem Konzernsitz Detroit.
Massive Klagen seitens der Besitzer einer
Exit-Option über zu hohe Steuern
in Deutschland gibt es seit einigen Jahren nicht
mehr. Wohl deshalb, weil unter der Regierung Kohl
die entsprechende Steuerbelastung erheblich
gesenkt wurde und unter der Regierung Schröder
diese Politik fortgesetzt wurde.Die
Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland
mit der Begründung zu
hoher Lohnnebenkosten im Inland ist
gegenwärtig (2004) gängige Praxis deutscher
(Groß-) Unternehmen (Beispiele: DaimlerChrysler,
Opel, Siemens, VW). In Planung sind sogar
verbreitet solche Maßnahmen.
Über Kapitalflucht ins Ausland wegen Umweltauflagen wird in
Deutschland nicht geredet, weil das Thema
Umweltschutz in der Bevölkerung überwiegend
positiv besetzt ist.
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Frage 11: (6 Punkte)
Gibt es zwischen Steuersätzen,
Sozialstandards und Umweltauflagen Unterschiede
hinsichtlich der Flexibilität der
Kapitalanleger? Wenn ja, beschreibe diese
Unterschiede und erläutere die Gründe dafür. |
| Die Verlagerung von
Produktionsstätten ins Ausland ist normalerweise
mit Kosten verbunden, benötigt in der Regel Zeit
(etwa zum Aufbau neuer Fabriken) und gelingt
häufig nur bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen
(Sicherheit der Investition, Sicherheit des
Transports, Sicherung
der Qualität). Von daher kann vermutet
werden, daß geringfügige Änderungen der Steuerbelastung nicht zum
sofortigen "Auswandern" der Produktion
führen werden.
Ebenso problematisch dürfte in diesem
Zusammenhang die Abwanderung aufgrund von Umweltauflagen sein (vor
allem im Hinblick auf die Qualifikation der
Mitarbeiter, wenn etwa besondere Spezialisten
benötigt werden). Außerdem ist das Thema
Umweltschutz in der deutschen Bevölkerung
überwiegend positiv besetzt, so daß eine
Abwanderung mit dieser Begründung eher als
nachteilig eingeschätzt werden kann.
Am besten "zieht" gegenwärtig
(2004) das Argument "Arbeitsplatzabbau wegen
zu hoher Lohnnebenkosten".
Die Arbeitslosenquote ist hoch und jede
diesbezügliche Hiobsbotschaft löst Alarmsignale
bei Politikern aus. Für die Betroffenen ist der
Verlust des Arbeitsplatzes meistens eine
Katastrophe und entsprechend emotional besetzt.
"Druck" kann auf diese Weise leicht
ausgeübt werden.
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Frage 12: (4 Punkte)
Warum ist die in Frage 10 erwähnte Gefahr
der Kapitalabwanderung nach K.-D.
Schmidt aber letztlich keine Bedrohung
für den Sozialstaat? |
| Zitat: "... zu den
Standortvorteilen eines Landes gehört auch die soziale Infrastruktur, die
den Menschen materielle Sicherheit und sozialen
Schutz gewährt." Im Umkehrschluß soll das
wohl bedeuten, wenn den Menschen materielle
Sicherheit und sozialer Schutz nicht oder in
nicht ausreichendem Maße gewährt wird, dann
könnte die Investition unsicher sein, weil
Rebellion und Umsturz möglich sind (siehe auch
den letzten
Abschnitt seines Textes). |
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Frage 13: (4 Punkte)
Welches Problem sieht K.-D.
Schmidt allerdings in diesem Zusammenhang? |
Es muß sichergestellt sein, daß
alle Bürger das Gefühl haben, die staatliche
Umverteilungspolitik würde nicht dazu führen,
daß sie sich nachher schlechter stehen als
vorher (Pareto-Optimalität).
Das gilt zumindest für die Bürger, die eine
Exit-Option besitzen; also im Regelfall NICHT die
Haushalte, die auf abhängige Beschäftigung zur
Einkommenserzielung angewiesen sind. |
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Frage 14: (4 Punkte)
Jürgen Grahl
machte in seinem Artikel "Die ökologischen Strukturfehler
unseres Wirtschaftssystems" auf die
externen Kosten aufmerksam. Welche externen
Kosten entstehen, wenn K.-D.
Schmidts Beschreibung der wirtschaftlichen
Lage in Deutschland und der Welt zutrifft? |
| Alle
bereits bekannten externen Kosten bleiben
erhalten, denn Schmidt
will das herrschende System nicht ändern. |
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Frage 15: (10 Punkte)
Jürgen Grahl
kritisiert die "traditionellen"
Ökonomen. Würde er K.-D.
Schmidt ebenfalls kritisieren? Begründe
Deine Antwort.
Wenn Grahl Schmidt Deiner Ansicht
nach kritisieren würde, dann nenne bitte Grahls wahrscheinliche
Kritikpunkte an Schmidts
Auffassungen. |
Mögliche Kritikpunkte:
- Regierungen müssen sich verhalten wie
ein homo
oeconomicus.
- Nicht meßbare und/oder zuordnenbare "externe"
Kosten bleiben außerhalb der Betrachtung.
Auf diese Weise kann der Raubbau an der
Natur nicht verhindert werden.
- Quantatives
Wachstum als Ziel und
Notwendigkeit des wirtschaftlichen
Handelns wird nicht aufgegeben.
- Die der Marktwirtschaft immanente Ideologie
wird nicht aufgegeben.
- Der Konsum
von materiellen Gütern als eine Art
Ersatzbefriedigung für
ungestillte immaterielle Bedürfnisse
wird noch verstärkt, weil durch
erzwungenen Konsumverzicht (vgl. etwa
Frage 13) die Gier nach Mehr verstärkt
wird.
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