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Klas-
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in der
HH2b
Schul-
jahr
2005/
2006

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Lese die beiden folgenden Statements und bearbeite die Aufgaben dazu.
Die Klassiker der Volkswirtschaftslehre betrachteten staatliche Eingriffe in die Wirtschaft als Störungen des Wirtschaftsablaufs, die Konjunkturkrisen hervor riefen. Sie gingen von der Gültigkeit des Sayschen Theorems aus, das John Stuart Mill folgendermaßen beschreibt: "Die Zahlungsmittel für Güter sind einfach wieder Güter. Die Mittel eines jeden Menschen zur Bezahlung der Erzeugnisse der anderen bestehen in denen, die er selbst besitzt. Alle Verkäufer sind unvermeidlich und im Sinne des Wortes Käufer. Wenn wir die Erzeugungskräfte eines Landes plötzlich verdoppeln könnten, würden wir das Angebot der Güter in jedem Markt verdoppeln. Jedermann würde gleichzeitig eine verdoppelte Nachfrage wie ein verdoppeltes Angebot hervorbringen; jedermann könnte doppelt so viel kaufen; denn jedermann hätte doppelt so viel zum Tauschen anzubieten."
John Maynard Keynes kam durch die Beobachtung der Ereignisse nach der Weltwirtschaftskrise zu dem Schluß, daß die Wirtschaft auch bei Unterbeschäftigung im Gleichgewicht sein könne und forderte anti-zyklische staatliche Eingriffe zur "Glättung" der Konjunkturphasen; vor allem: "Wenn das Schatzamt sich daran machte, alte Flaschen mit Banknoten zu füllen, sie in beträchtlicher Tiefe in aufgelassenen Bergwerken zu begraben und die Stollen bis zur Erdoberfläche mit städtischem Müll aufzufüllen, und es dann nach den bewährten Prinzipien des Laissez-faire privaten Unternehmern überließe, die Banknoten wieder auszugraben, bräuchte es keine Arbeitslosigkeit mehr zu geben und würden wahrscheinlich, dank der Rückwirkungen, das Realeinkommen der Gesellschaft und ihr Kapitalvermögen ein Gutteil größer, als es gegenwärtig ist. Es wäre gewiß sinnvoller, Häuser und dergleichen zu bauen, aber falls dem politische und praktische Schwierigkeiten entgegenstehen, wäre das eben Beschriebene besser als nichts."
 
Aufgabe 1: (10 Punkte)
Begründe, warum nach Auffassung der Klassiker Konjunkturschwankungen lediglich Erscheinungen kurzfristiger Anpassungen der Märkte sind oder aufgrund nicht-markt-konformer staatlicher Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen entstehen.
Wenn alle Märkte vollkommen wären, würde sich durch den Marktmechanismus auf jedem Markt ein stabiles Gleichgewicht ergeben, das nur aufgrund von Anpassungen an ein neues Gleichgewicht (etwa weil sich die Nachfrage ändert) vorübergehend instabil wäre. Das bedeutet, daß auch die Einkommen langfristig stabil blieben und damit keine Konjunkturschwankungen auftreten könnten.

Wird dagegen die ausgleichende Wirkung des Marktmechanismus durch Eingriffe (hauptsächlich des Staates) gestört, dann entsteht ein Ungleichgewicht, das sich auf die Einkommen und damit auf die Konjunktur auswirken muß.

 
Aufgabe 2: (10 Punkte)
Welche Erscheinungen auf real-existierenden Märkten beachtet John Stuart Mill bei seiner Schlußfolgerung bezüglich der Verdoppelung der "Erzeugungskräfte eines Landes" nicht? Betrachte vor allem die Faktormärkte.
Mill vernachlässigt Sättigungseffekte auf vielen Märkten und setzt voraus, daß das gesamte Einkommen konsumiert und nichts gespart wird.

Außerdem gibt es Märkte, auf denen das Angebot (z. B. an Boden) oder die Nachfrage nicht einfach verdoppelt werden kann, sondern nur in größeren Zeitabständen Angebot bzw. Nachfrage verändert werden kann.

 
Aufgabe 3: (25 Punkte)
Beschreibe schrittweise die Wirkungen, die die von Keynes vorgeschlagene Maßnahme während einer Rezession auf die Konjuktur haben könnte.
Zunächst sind zwei Aktionen durchzuführen:
  1. Zum Füllen der Flaschen wird Geld benötigt.
    Wenn vorhandenes Geld verwendet wird, ist dieses Handeln neutral und die zweite Auswirkung kann ohne Einschränkung ihre positive Wirkung entfalten.
    Wenn Geld beschafft werden muß, dann entweder durch erhöhte Steuern, was zu Einkommensverlusten bei Haushalten und Unternehmen führt und deren Konsumneigung senkt, oder durch Kreditaufnahme, was den Zins erhöht und damit Kredite der Haushalte und Unternehmen verteuert und somit deren Konsumneigung senkt.
  2. Zum Füllen und Verbuddeln der Flaschen werden Mitarbeiter benötigt.
    Das erhöht deren Einkommen, was zu höherer Konsumneigung der Haushalte führt.

Im folgenden sind drei Fälle zu unterscheiden:

  1. Die Wirkungen der Aktionen 1 und 2 heben sich gegenseitig auf, dann entsteht keinerlei Veränderung des Konjunkturverlaufs.
  2. Die negative Auswirkung der Geldbeschaffung ist größer als der positive Effekt der Einkommenserhöhung, dann nimmt die Nachfrage ab, die Unternehmen setzen weniger Güter ab, sie reduzieren die Produktion, dadurch sinken die Einkommen; letztlich wird der Abschwung verstärkt.
  3. Die positive Auswirkung der Einkommenserhöhung ist größer als der negative Effekt der Geldbeschaffung, dann nimmt die Nachfrage zu, die Unternehmen setzen mehr Güter ab, sie erhöhen die Produktion, dadurch steigen die Einkommen; der Konjunkturverlauf erholt sich oder wird gar umgekehrt.
 
Aufgabe 4: (10 Punkte)
Entwickle ein Beispiel für eine anti-zyklische Maßnahme während des Aufschwungs, um diesen zu dämpfen.
Die Steuern könnten erhöht werden, ohne die Staatsausgaben zu erhöhen.
In diesem Fall wird den Haushalten und Unternehmen Einkommen entzogen, so daß ihr Kosum zurückgehen muß. Das zieht üblicherweise eine geringere Produktion und damit ein geringeres Einkommen nach sich.
 
Aufgabe 5: (10 Punkte)
Auf welche Weise könnte der Staat seine anti-zyklische Konjunkturpolitik ohne langfristig schädliche Wirkungen finanzieren?
(Hinweis: Beschreibe etwa wie im Beispiel von Keynes und in Verbindung mit bzw. in Deinem eigenen Beispiel aus Aufgabe 4 der Staat seine Maßnahmen finanzieren könnte.)
Würde der Staat seine Konjunkturpolitik im Abschwung mit dem Keynesschen Beispiel beginnen, dann wäre es am besten, wenn er auf vorhandenes Geld zurück greifen könnte (z. B. auf Überschußreserven der Staatsbank). Ist das nicht möglich, dann wäre es machbar, kurzfristige Kredite aufzunehmen und für das Ausbuddeln der gefüllten Flaschen Konzessionen in entsprechender Höhe auszugeben.

Besser wäre es, wenn der Staat seine Konjunkturpolitik im Aufschwung beginnen würde. Die zusätzlichen Steuereinnahmen könnten gewinnbringend am Geldmarkt angelegt werden, um sie später bei Aktionen, wie sie Keynes vorschlägt, einzusetzen.

Fragen karlheinz@luk-korbmacher.de