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Klas-
sen-
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in der
HH1b
Schul-
jahr
2006/
2007

Ergebnisse

Lese bitte den folgenden Text von Molla Muhammad Selim und löse bitte die nachfolgenden Aufgaben.
Warum überhaupt bestimmte Waren gekauft werden, sagt eine Theorie, die auf Herrn Gossen zurückgeht. [...]

Erstes Gossensches "Gesetz"

Mit steigenden Verbrauchsmengen einer Ware nimmt der Nutzenzuwachs je Zeiteinheit ab, falls sich der Verbrauch der übrigen Waren nicht ändert.

Dieses "Gesetz" heißt auch "Gesetz vom abnehmenden Nutzenzuwachs (Grenznutzen)". Es bedeutet, dass man z. B. beim zunehmenden Verzehr von Kuchen immer satter wird, dass also der Nutzenzuwachs je Stück mit jedem zusätzlich verzehrten Stück kleiner wird, abnimmt, weil eben das Sättigungsgefühl immer stärker wird. [...]

Der Beamte Gossen hatte als Beamter wohl viel Zeit und hat gleich sein zweites "Gesetz" mitgeliefert. Es ist kaum noch zu verstehen. Anscheinend müsste jeder, der seinen Nutzen maximieren wollte, so mit den Mengen einer Ware herum jonglieren, dass der Nutzenzuwachs des einen Teils dieser Ware genauso groß ist wie der Nutzenzuwachs des anderen Teils dieser Ware.

Zweites Gossensches "Gesetz"

Der Nutzen einer bestimmten Ware wird dann am größten, wenn man diese Ware für verschiedene Verwendungen so verteilt, dass die Nutzenzuwächse der Teilmengen gleich groß sind.

Dieses "Gesetz" heißt auch "Gesetz vom Ausgleich der Grenznutzen" [...]. Die Nutzenzuwächse (der Teilmengen n1, n2, n3 usw.) sind hier also alle gleich, wobei die Teilmengen der ausgesuchten Ware verschieden groß sein können. Dieses "Gesetz" ist erweitert worden auf beliebige verschiedene Waren... Dazu werden die Nutzenzuwächse dieser Waren mit Preisen "gewogen"... Darum heißt dieses "Gesetz" "Gesetz vom Ausgleich der gewogenen Grenznutzen (Nutzenzuwächse)".

An diesem Schein-Gesetz zeigt sich das Bemühen der kapitalistischen Wirtschaftstheoretiker ein unbrauchbares Modell immer weiter zu verfeinern, so dass es schließlich schwierig aussieht, aber doch herzlich wenig über die Wirtschaft aussagt. Bis heute ist es nicht gelungen, den Nutzen [...] zu messen und es wird auch nicht gelingen, da er sich der Messbarkeit entzieht. Eine rein qualitative Eigenschaft lässt sich eben nicht quantitativ fassen.

 
Aufgabe 1: (4 Punkte)
Erläutere den (volkswirtschaftlichen) Zusammenhang zwischen Bedürfnissen, Gütern und Nutzen.
Güter stiften für ein Wirtschaftssubjekt Nutzen, wenn durch ihre Verwendung ein Bedürfnis des Wirtschaftssubjekts befriedigt wird.
 
Aufgabe 2: (4 Punkte)
Erläutere das erste Gossen'sche Gesetz anhand eines Beispiels.
Wird Kuchen Stück für Stück (also ohne wesentliche zeitliche Unterbrechung) gegessen, so nimmt der Sättigungsgrad mit jedem verzehrten Stück zu und damit der Nutzen des Verzehrs des jeweiligen Kuchenstücks ab.
 
Aufgabe 3: (4 Punkte)
Gilt das erste Gossen'sche Gesetz für alle Güter?
Wenn nein, nenne Gegenbeispiele.
Güter, die aufgrund von Gier, Neid oder Sucht nachgefragt werden, unterliegen üblicherweise dem "Gesetz nach Mehr".

Ein weiteres Gegenbeispiel ist die Atemluft: Jeder Atemzug besitzt unter "normalen" Bedingungen (nicht Atemnot aufgrund von Krankheit, "verpesteter" Luft, Zwang usw.) den gleichen Nutzen für einen Menschen.

 
Aufgabe 4: (4 Punkte)
Erläutere das zweite Gossen'sche Gesetz in seiner ursprünglichen Form anhand eines Beispiels.
Der Verzehr des Kuchens kann zeitlich "gestreckt" werden, so daß jede verzehrte Teilmenge des gesamten Kuchens gleich viel Hunger stillt.
 
Aufgabe 5: (1 Punkt)
Welche Voraussetzung machen die Volkswirte, die das "Gesetz vom Ausgleich der Grenznutzen" vertreten, wenn sie vom Ausgleich der Grenznutzen sprechen?
Sie setzen voraus, daß die Wirtschaftssubjekte ihren Nutzen maximieren wollen.
 
Aufgabe 6: (1 Punkt)
Gilt das zweite Gossen'sche Gesetz in seiner ursprünglichen Form für alle Güter?
Wenn nein, nenne Gegenbeispiele.
Wenn die Voraussetzungen akzeptiert werden, dann gilt das zweite Gossen'sche Gesetz für alle Güter.
 
Aufgabe 7: (4 Punkte)
Erläutere das zweite Gossen'sche Gesetz in seiner erweiterten Fassung anhand eines Beispiels.
Als Beispiel wird der Verzehr von Brot und Bier gewählt:
Bier und Brot können in durchaus unterschiedlichen Mengen abwechselnd konsumiert werden, bis Hunger und Durst gestillt sind.
 
Aufgabe 8: (4 Punkte)
Ist die Erweiterung des zweiten Gossen'schen Gesetzes auf verschiedene Güter methodisch zulässig und/oder entstehen dadurch methodologische Probleme?
Die Erweiterung ist zulässig; allerdings nehmen die methodologischen Probleme dadurch erheblich zu.
 
Aufgabe 9: (1 Punkt)
Gilt das (erweiterte) zweite Gossen'sche Gesetz auch dann, wenn es für die Güter keine Preise gibt?
In diesem Falle müßte anstelle von Preisen ein anderer Wert festgelegt werden, der die "Ausgewogenheit" der Güter ermöglicht (z. B. die Herstellungskosten in Form von benötigter Arbeit und Ressourcen).
 
Aufgabe 10: (4 Punkte)
Warum bezeichnet Molla Muhammad Selim das zweite Gossen'sche Gesetz als Schein-Gesetz?
Da seiner Meinung nach der Nutzen nicht gemessen werden kann, fehlt dem Gesetz die Grundlage.
 
Aufgabe 11: (4 Punkte)
Warum kann nach Auffassung von Molla Muhammad Selim der Nutzen nicht gemessen werden?
Nutzen ist eine subjektive, qualitative Einschätzung (und noch dazu Veränderungen im Zeitablauf des Lebens eines Wirtschaftssubjekts unterworfen), die allenfalls in einer Rangfolge klassifiziert werden kann. Dadurch ist Aggregation nicht sinnvoll. Aufgrund der Individualität der Nutzeneinschätzungen ist andererseits eine Aggregation für Handlungsempfehlungen notwendig.
Fragen karlheinz@luk-korbmacher.de