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2006/
2007

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Lese bitte den Text von Jürgen Heinrich und löse bitte die nachfolgenden Aufgaben.
 
Aufgabe 1: (6 Punkte)
Beschreibe den Marktmechanismus bei "normalem" Anbieter- und Nachfrager-Verhalten.
Alfred Marshall perfektionierte die übliche Beschreibung des Marktmechanismus bei "normalem" Anbieter- und Nachfrager-Verhalten unter den Bedingungen eines vollkommenen Marktes.
 
Aufgabe 2: (12 Punkte)
Erläutere den Begriff "Budget-Gerade" und verallgemeinere ihn, indem Du mehr als zwei Güter betrachtest.
Als "Budget-Gerade" wird der Graph einer Funktion bezeichnet, die die quantitive Verteilung der Nachfrage eines Haushalts auf zwei alternativ nachgefragte Güter im Zwei-Güter-Modell das Nachfrage-Verhalten betreffend darstellt. Sie beschreibt im allgemeinen Fall, in welchen Mengen der Haushalt Güter-Bündel nachfragt, die das gesamte Haushalts-Einkommen aufbrauchen.

Hintergrund dieser theoretischen Betrachtung ist, daß ein Haushalt üblicherweise mit seinem Einkommen "haushalten" muß, d. h. Wahl-Entscheidungen zwischen verschiedenen Gütern (und deren zu beschaffenden Mengen) treffen muß, weil seine Bedürfnisse umfangreicher sind, als mit dem zur Verfügung stehenden Haushalts-Einkommen beschafft werden können.

 
Aufgabe 3: (8 Punkte)
Erläutere anhand eines Beispiels Kreuzpreiselastizitäten.
Kreuzpreiselastizitäten beschreiben Eigenschaften der Nachfrage nach zwei verschiedenen Gütern. Sie zu untersuchen macht nur dann Sinn, wenn es sich entweder um substituierbare (z. B. - weitestgehendst - Butter und Margarine) oder komplementäre (z. B. Auto und zugehöriger Kraftstoff) Güter handelt. In beiden Fällen hat eine Preisänderung für das eine Gut Auswirkungen auf die nachgefragte Menge des anderen Guts.

Bei substituierbaren Gütern ist eine elastische Nachfrage zu erwarten, weil das teuerere Gut durch das billigere ersetzt wird.

Bei komplementären Gütern ist eine unelastische Nachfrage zu erwarten, weil beide gleichsinnig auf Preisänderungen reagieren.

 
Aufgabe 4: (4 Punkte)
Sind Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte inferiore oder superiore Güter?
Begründe Deine Antwort.
Bei Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten handelt es sich eher um inferiore Güter, da ihre Nachfrage relativ unelastisch ist, d. h. bei z. B. Preissteigerungen wird ihre nachgefragte Menge nur wenig zurückgehen, da ihr Konsum notwendig für die Produktion anderer Güter oder die Ernährung ist.
 
Aufgabe 5: (8 Punkte)
Beurteile die Ansicht von Jürgen Heinrich über die Preiselastizität von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten.
Leider hat Jürgen Heinrich nur zu recht: Für die Ernährung wichtige Güter können nur beschränkt weniger nachgefragt werden. Gleiches gilt für die meisten Rohstoffe, die zur Erzeugung der "Güter des täglichen Bedarfs" notwendig sind - vor allem Energie und Wasser. Davon ausgenommen sind Luxusgüter. Was jedoch als Luxusgut gilt, hängt ganz entscheidend vom Entwicklungsstand und dem kulturellen Hintergrund der jeweiligen Volkswirtschaft ab.
 
Aufgabe 6: (12 Punkte)
Welche vermuteten Folgen besitzt eine exogene (z. B. durch den Staat) Festlegung des Preises oberhalb eines Gleichgewichtspreises?

Bei einer Festsetzung des Preises in Höhe von P existiert auf dem betrachteten Markt ein Angebotsüberhang von 40 Mengeneinheiten.

Die Anbieter werden verleitet, mehr Produktionsfaktoren in die Bereitstellung des betreffenden Gutes fließen zu lassen, als das beim Gleichgewichtspreis der Fall wäre. Die Folge ist eine suboptimale Allokation.

Daraus kann folgen, daß Anbieter, die eigentlich aufgrund ihrer Wettbewerbs-Nachteile gar nicht mehr in diesem Markt tätig würden, gestützt werden, so daß sie auch zukünftig noch existieren. (Das kann gerade der politische Grund sein, warum Mindestpreise festgesetzt werden; vgl. z. B. zahlreiche Preise auf Agrarmärkten.)

Weitere Folge ist, daß die Anbieter auf Teilen der Ware "sitzen bleiben", denn es können nur 30 Mengeneinheiten zu diesem Preis verkauft werden. Handelt es sich um Ware, die verderblich ist oder durch Lagerung an Wert verliert, dann werden Ressourcen verschwendet.

Die Anbieter erzielen ein Einkommen von 30 * 23 = 690 Geldeinheiten. Beim Gleichgewichtspreis würden sie 50 * 17 = 850 Geldeinheiten als Einkommen erzielen, also deutlich mehr.

Die Nachfrager, die bei dem festgesetzten Preis einkaufen, würden beim Gleichgewichtspreis lediglich 30 * 17 = 510 Geldeinheiten für die gleiche Menge des Gutes ausgeben. Ihnen werden durch die Preisfestsetzung also 180 Geldeinheiten ihres Einkommens entzogen, die beim Gleichgewichtspreis anderweitig nutzenstiftend würden verwendet werden können.

 
Aufgabe 7: (10 Punkte)
Wer bestimmt üblicherweise wie die Preise für Rohstoffe u. ä. Waren (z. B. Energie)?
Rohstoff- und Energie-Märkte sind üblicherweise angebots-oligopolistisch oder sogar angebots-monopolistisch geprägt. Wenn keine staatlich festgelegten Höchstpreise (z. B. bei Arzneimitteln [bei Rohstoffen und Energie gibt es kein realexistierendes Beispiel!]) existieren oder eine staatliche Kontrolle möglichen Marktmacht-Mißbrauchs erfolgt (z. B. durch die Bundesnetzagentur), dann können die wenigen Anbieter mehr oder weniger rücksichtslos die Preise festsetzen. Sie werden sich dabei an den Produktionskosten orientieren und den sogenannten Cournotschen Punkt versuchen zu realisieren. Es können aber auch andere Faktoren eine Rolle spielen. So kann z. B. das Ziel der langfristigen Sicherung der Einnahmen bei nur beschränkt vorhandenen Rohstoffen (etwa Erdöl) zur weiteren Verknappung des Angebots führen, also zu einer Angebotsmenge, die geringer ist als die gewinnmaximale Menge.
 
Aufgabe 8: (20 Punkte)
Wer bestimmt üblicherweise wie die Preise für Industrieprodukte (z. B. für einen VW Golf)?
Wird von einem "normalen" Anbieter- und Nachfrager-Verhalten ausgegangen, werden also Faktoren wie Giffen-Güter oder Snob- oder Veblen-Effekte ausgeklammert, dann hängt es von der jeweiligen Marktmacht der Akteure ab, wer mehr oder weniger durchsetzungsfähig bei der Beeinflussung des Preises auf einem Markt ist.

Beim überwiegenden Teil der Endverbraucher-Märkte besitzen eher die Anbieter eine entsprechende Marktmacht. Bei der Festsetzung ihrer Angebotspreise berücksichtigen sie mindestens ihre Produktionskosten, die Angebotspreise der Konkurrenten, möglicherweise vorhandene Präferenzen der Nachfrager ("Deutsche kaufen deutsche Autos!"), möglicherweise vorhandene Substitutions-Güter, möglicherweise existierende Alternativkosten.

Besitzen dagegen die (meist wenigen) Nachfrager eine größere Marktmacht als die Anbieter, dann stehen häufig die Senkung eigener Produktionskosten (z. B. im Falle von Marktmacht gegenüber Zulieferbetrieben), die Höhe der Kosten einer Eigenfertigung oder Versorgungsaspekte (vornehmlich bei öffentlichen Nachfragern) im Vordergrund der Überlegungen, die zu Preisvorgaben bzw. Preisvorstellungen der Nachfrager (etwa für Ausschreibungs-Verfahren) führen.

 
Aufgabe 9: (8 Punkte)
Der erwünschte Stückgewinn bei Industrieprodukten (z. B. einem VW Golf) ist nur bei einer zuvor geplanten Mindestabsatzmenge und zuvor geplanten Mindestverkaufspreisen zu erreichen. Was geschieht, wenn diese Mindestabsatzmenge nicht oder nicht zum geplanten Mindestverkaufspreis verkauft werden kann?
Wird die geplante Mindestabsatzmenge nicht erreicht und/oder kann nicht zum geplanten Mindestverkaufspreis verkauft werden, so sinkt der Stückgewinn gegenüber der Planung (Beispiel: VW Golf). Es hängt von der Höhe der Abweichung von der Planung ab, ob das Produkt ganz vom Markt genommen wird, nachgebessert wird (z. B. durch Kostensenkung und/oder "Aufwertung" des Produkts), die Mindergewinne in anderen Unternehmensbereichen kompensiert werden können, oder einfach akzeptiert werden (müssen).
 
Aufgabe 10: (25 Punkte)
Nenne die Unterschiede zwischen dem im Text beschriebenen realen Preismechanismus für Industrieprodukte und dem theoretischen Marktmechanismus.
Theorie Praxis
Der Gleichgewichtspreis steht vor dem Tausch bereits fest. Ein (Angebots-) Preis wird kalkuliert und ausgelobt.
Die Anbieter bieten gar nicht an, wenn sie zum Gleichgewichtspreis "nicht auf ihre Kosten kommen". Die Anbieter bringen bei einem Verkäufermarkt die Ware auf den Markt und hoffen auf (entsprechenden) Absatz. Auf einem Käufermarkt bieten die Anbieter gar nicht an, die zum ausgelobten Preis "nicht auf ihre Kosten kommen" und nicht unbedingt Geld verdienen müssen.
Die Nachfrager richten gar keine konkrete Mengennachfrage an den Markt, wenn ihre Nutzeneinschätzung einen für den Gleichgewichtspreis zu niedrigen Nutzen ergibt, mit anderen Worten: Sie verzichten auf wirksame Nachfrage. Auf einem Verkäufermarkt werden die Nachfrager das Angebot prüfen und gegebenenfalls annehmen oder ablehnen. Auf einem Käufermarkt versuchen die Nachfrager einen von den Anbietern vermutlich gerade noch akzeptablen Preis durchzusetzen.
Die Anbieter streben nach Gewinnmaximierung. Neben dem Ziel der (langfristigen) Gewinnmaximierung können andere Ziele treten, z. B. das Erzielen von kurzfristigen Höchstrenditen (häufig verbunden mit der "Ausplünderung" der Unternehmen), die Übernahme von Patenten und Schutzmarken, das Erringen von Macht (sowie politischem Einfluß).
Die Nachfrager streben nach Nutzenmaximierung. Die Nachfrager streben im Falle der Endverbraucher nach Bedürfnisbefriedigung, aber niemand - auch sie selbst nicht - kann wirklich angeben, wonach sie streben. Zielsetzungen bleiben in diesem Zusammenhang ungenau. Im Falle von Unternehmen können dagegen meistens Ziele identifiziert werden, die sich mit denen der Anbieterseite decken. Im Falle von öffentlichen Haushalten dokumentieren sich die Ziele in den Budgets und sind damit aufgrund eines polititschen Entscheidungsprozesses entstanden. Sie können z. B. Versorgungsaspekte der Bevölkerung in den Vordergrund stellen.
Die Akteure verfügen über vollständige Informationen. Die Akteure werden z. T. bewußt von Informationen fern gehalten, um z. B. Preisdifferenzierungen durchführen zu können. Insbesondere stehen den Akteuren meistens nur unvollständige Informationen über Preise zur Verfügung.
Der Tausch findet zu einem Zeitpunkt statt. Ein Zeitablauf wird nicht betrachtet. Tauschgeschäfte vollziehen sich im Zeitablauf. Daher kann jeder konkrete Tausch unter anderen Bedingungen erfolgen. Diese Tatsache wird für Preisdifferenzierungen ausgenutzt. Eine Aggregation ist daher schwierig (siehe z. B. die Preisspannen bei Produktbeurteilungen der Stiftung Warentest).
Es erfolgen keine Zwang erzeugenden Eingriffe in den Preisbildungsprozeß. Es gibt Märkte auf denen staatlich festgesetzte Höchst- bzw. Mindestpreise existieren. Kollusionen bestehen (z. T. sogar auf beiden Marktseiten gleichzeitig) auf fast allen Märkten.
Es existieren keine externen Effekte. Externe Effekte gehören zu den üblichen Begleiterscheinungen der Güterproduktion und -nutzung. Beispiele: Umweltverschmutzung, Unfälle.
Die Ressourcenausstattung ist gegeben, bekannt und verändert sich nicht. Die meisten Akteure sind intensiv darauf bedacht, daß niemand ihre Ressourcenausstattung erfährt.
Die Produktionsverfahren sind gegeben, bekannt und verändern sich nicht. Die meisten Produzenten sind intensiv darauf bedacht, daß niemand ihre Produktionsverfahren ausspioniert.
Die Produktpalette ist gegeben, bekannt und verändert sich nicht. Den Nachfragern sind mit Sicherheit nicht alle angebotenen Produkte bekannt.
Die Produktionsfaktoren sind unbegrenzt teilbar. Keiner der Produktionsfaktoren ist unbegrenzt teilbar. Diese Forderung ist in der Praxis in den meisten Fällen aber auch von untergeordneter Bedeutung, da keine unbegrenzt teilbaren Güter hergestellt werden. Nur selten bereitet die begrenzte Teilbarkeit der Produktionsfaktoren Schwierigkeiten bei einer konkreten Produktion. Am ehesten wird die gesetzlich und/oder vertraglich begrenzte Teilbarkeit des Produktionsfaktors Arbeit beklagt.
Die Produktionsfaktoren sind hinsichtlich der Wahl ihres Standortes vollkommen flexibel. Die Produktionsfaktoren sind in der Regel nicht räumlich flexibel. Das kann erhöhten Aufwand nach sich ziehen, der in die Kalkulation der Angebotspreise mit einfließt.
Die Präferenzordnungen aller Akteure sind gegeben, bekannt und verändern sich nicht. Häufig versuchen die Akteure sogar ihre Präferenzordnungen zu verschleiern bzw. zu verheimlichen, weil sie sich dadurch Verbesserungen ihrer Verhandlungsposition versprechen.
Es handelt sich jeweils um einen atomistischen Markt. Die weitaus meisten Märkte sind hinsichtlich der Anzahl der auftretenden Anbieter und Nachfrager nicht atomistisch.
Die Akteure verhalten sich als Mengenanpasser. Vergleiche die Antworten zu den Aufgaben 7 und 8.
Die Akteure reagieren unendlich schnell. Selbst auf den "schnellsten" Märkten, den Finanzmärkten, werden Sekunden für die Reaktion benötigt. Andere Märkte, z. B. für hochkomplexe Produkte wie Autos, besitzen Reaktionszeiten von mehreren Jahren.
Die Akteure besitzen weder sachliche, räumliche, zeitliche noch persönliche Präferenzen. Auf der Existenz von sachlichen, räumlichen, zeitlichen und/oder persönlichen Präferenzen basiert die Preisdifferenzierung.
Das Gut ist homogen. Reale Märkte werden üblicherweise nicht so weit differenziert, daß die dort gehandelten Güter homogen sind. Im Gegenteil: Produktvariationen gelten als besondere Kundenorientierung.
Der Preis ist eine Eigenschaft des Gutes, die nicht von den Akteuren beeinflußt werden kann. Vergleiche die Antworten zu den Aufgaben 7 und 8.
Das Gut ist unbegrenzt teilbar. Fast kein Gut ist unbegrenzt teilbar. Allerdings ist die Forderung für die Praxis in den weitaus meisten Fällen auch ohne Bedeutung.
Das Gut ist uneingeschränkt mobil. Uneingeschränkte Mobilität gilt nur für wenige Güter, da die meisten noch immer vom Anbieter zum Nachfrager transportiert werden müssen. Insbesondere sind viele Produktionsfaktoren immobil oder nur beschränkt mobil. Transportkosten können allerdings mit zum Aufwand gerechnet werden und fließen in die Angebotspreis-Kalkulation mit ein.
Der Marktzutritt ist unbeschränkt. Für die meisten Märkte gibt es einen rechtlich oder faktisch (Zeit, Raum, Einkommen) beschränkten Zutritt.
Die Akteure handeln als homo oeconomicus. Menschen handeln selbst beim Tausch nicht rein rational und konzentrieren sich nicht immer auf den Eigennutz.
 
Aufgabe 11: (10 Punkte)
Welchem/welchen Wirtschaftssubjekt(en) nützt auf welche Weise der reale Preismechanismus für Industrieprodukte?
Die Marktseite, die über mehr Marktmacht verfügt, ist im Vorteil. Sie ist eher in der Lage, den Preis zu beeinflussen.
Fragen karlheinz@luk-korbmacher.de