| Theorie |
Praxis |
| Der Gleichgewichtspreis
steht vor dem Tausch bereits fest. |
Ein (Angebots-) Preis
wird kalkuliert und ausgelobt. |
| Die Anbieter bieten gar
nicht an, wenn sie zum
Gleichgewichtspreis "nicht auf ihre
Kosten kommen". |
Die Anbieter bringen bei
einem Verkäufermarkt die
Ware auf den Markt und hoffen auf
(entsprechenden) Absatz. Auf einem Käufermarkt bieten
die Anbieter gar nicht an, die zum
ausgelobten Preis "nicht auf ihre
Kosten kommen" und nicht unbedingt
Geld verdienen müssen. |
| Die Nachfrager richten
gar keine konkrete Mengennachfrage an den
Markt, wenn ihre Nutzeneinschätzung
einen für den Gleichgewichtspreis zu
niedrigen Nutzen ergibt, mit anderen
Worten: Sie verzichten auf wirksame
Nachfrage. |
Auf einem Verkäufermarkt
werden die Nachfrager das Angebot prüfen
und gegebenenfalls annehmen oder
ablehnen. Auf einem Käufermarkt
versuchen die Nachfrager einen von den
Anbietern vermutlich gerade noch
akzeptablen Preis durchzusetzen. |
| Die Anbieter streben nach
Gewinnmaximierung. |
Neben dem Ziel der
(langfristigen) Gewinnmaximierung können
andere Ziele treten, z. B. das Erzielen
von kurzfristigen Höchstrenditen
(häufig verbunden mit der
"Ausplünderung" der
Unternehmen), die Übernahme von Patenten
und Schutzmarken, das Erringen von Macht
(sowie politischem Einfluß). |
| Die Nachfrager streben
nach Nutzenmaximierung. |
Die Nachfrager streben im
Falle der Endverbraucher nach
Bedürfnisbefriedigung, aber niemand -
auch sie selbst nicht - kann wirklich
angeben, wonach sie streben.
Zielsetzungen bleiben in diesem
Zusammenhang ungenau. Im Falle von
Unternehmen können dagegen meistens
Ziele identifiziert werden, die sich mit
denen der Anbieterseite decken. Im Falle
von öffentlichen Haushalten
dokumentieren sich die Ziele in den
Budgets und sind damit aufgrund eines
polititschen Entscheidungsprozesses
entstanden. Sie können z. B.
Versorgungsaspekte der Bevölkerung in
den Vordergrund stellen. |
| Die Akteure verfügen
über vollständige Informationen. |
Die Akteure werden z. T.
bewußt von Informationen fern gehalten,
um z. B. Preisdifferenzierungen
durchführen zu können. Insbesondere
stehen den Akteuren meistens nur unvollständige
Informationen über Preise zur
Verfügung. |
| Der Tausch findet zu
einem Zeitpunkt statt. Ein Zeitablauf
wird nicht betrachtet. |
Tauschgeschäfte
vollziehen sich im Zeitablauf. Daher kann
jeder konkrete Tausch unter anderen
Bedingungen erfolgen. Diese Tatsache wird
für Preisdifferenzierungen
ausgenutzt. Eine Aggregation ist daher
schwierig (siehe z. B. die Preisspannen
bei Produktbeurteilungen der Stiftung Warentest). |
| Es erfolgen keine Zwang
erzeugenden Eingriffe in den
Preisbildungsprozeß. |
Es gibt Märkte auf denen
staatlich festgesetzte Höchst- bzw.
Mindestpreise existieren. Kollusionen bestehen
(z. T. sogar auf beiden Marktseiten
gleichzeitig) auf fast allen Märkten. |
| Es existieren keine
externen Effekte. |
Externe Effekte gehören
zu den üblichen Begleiterscheinungen der
Güterproduktion und -nutzung. Beispiele:
Umweltverschmutzung, Unfälle. |
| Die Ressourcenausstattung
ist gegeben, bekannt und verändert sich
nicht. |
Die meisten Akteure sind
intensiv darauf bedacht, daß niemand
ihre Ressourcenausstattung erfährt. |
| Die Produktionsverfahren
sind gegeben, bekannt und verändern sich
nicht. |
Die meisten Produzenten
sind intensiv darauf bedacht, daß
niemand ihre Produktionsverfahren
ausspioniert. |
| Die Produktpalette ist
gegeben, bekannt und verändert sich
nicht. |
Den Nachfragern sind mit
Sicherheit nicht alle angebotenen
Produkte bekannt. |
| Die Produktionsfaktoren
sind unbegrenzt teilbar. |
Keiner der
Produktionsfaktoren ist unbegrenzt
teilbar. Diese Forderung ist in der
Praxis in den meisten Fällen aber auch
von untergeordneter Bedeutung, da keine
unbegrenzt teilbaren Güter hergestellt
werden. Nur selten bereitet die begrenzte
Teilbarkeit der Produktionsfaktoren
Schwierigkeiten bei einer konkreten
Produktion. Am ehesten wird die
gesetzlich und/oder vertraglich begrenzte
Teilbarkeit des Produktionsfaktors Arbeit
beklagt. |
| Die Produktionsfaktoren
sind hinsichtlich der Wahl ihres
Standortes vollkommen flexibel. |
Die Produktionsfaktoren
sind in der Regel nicht räumlich
flexibel. Das kann erhöhten Aufwand nach
sich ziehen, der in die Kalkulation der
Angebotspreise mit einfließt. |
| Die Präferenzordnungen
aller Akteure sind gegeben, bekannt und
verändern sich nicht. |
Häufig versuchen die
Akteure sogar ihre Präferenzordnungen zu
verschleiern bzw. zu verheimlichen, weil
sie sich dadurch Verbesserungen ihrer
Verhandlungsposition versprechen. |
| Es handelt sich jeweils
um einen atomistischen Markt. |
Die weitaus meisten
Märkte sind hinsichtlich der Anzahl der
auftretenden Anbieter und Nachfrager
nicht atomistisch. |
| Die Akteure verhalten
sich als Mengenanpasser. |
Vergleiche die Antworten
zu den Aufgaben 7 und 8. |
| Die Akteure reagieren
unendlich schnell. |
Selbst auf den
"schnellsten" Märkten, den
Finanzmärkten, werden Sekunden für die
Reaktion benötigt. Andere Märkte, z. B.
für hochkomplexe Produkte wie Autos,
besitzen Reaktionszeiten von mehreren
Jahren. |
| Die Akteure besitzen
weder sachliche, räumliche, zeitliche
noch persönliche Präferenzen. |
Auf der Existenz von
sachlichen, räumlichen, zeitlichen
und/oder persönlichen Präferenzen
basiert die Preisdifferenzierung. |
| Das Gut ist homogen. |
Reale Märkte werden
üblicherweise nicht so weit
differenziert, daß die dort gehandelten
Güter homogen sind. Im Gegenteil:
Produktvariationen gelten als besondere
Kundenorientierung. |
| Der Preis ist eine
Eigenschaft des Gutes, die nicht von den
Akteuren beeinflußt werden kann. |
Vergleiche die Antworten
zu den Aufgaben 7 und 8. |
| Das Gut ist unbegrenzt
teilbar. |
Fast kein Gut ist
unbegrenzt teilbar. Allerdings ist die
Forderung für die Praxis in den weitaus
meisten Fällen auch ohne Bedeutung. |
| Das Gut ist
uneingeschränkt mobil. |
Uneingeschränkte
Mobilität gilt nur für wenige Güter,
da die meisten noch immer vom Anbieter
zum Nachfrager transportiert werden
müssen. Insbesondere sind viele
Produktionsfaktoren immobil oder nur
beschränkt mobil. Transportkosten
können allerdings mit zum Aufwand
gerechnet werden und fließen in die
Angebotspreis-Kalkulation mit ein. |
| Der Marktzutritt ist
unbeschränkt. |
Für die meisten Märkte
gibt es einen rechtlich oder faktisch
(Zeit, Raum, Einkommen) beschränkten
Zutritt. |
| Die Akteure handeln als
homo oeconomicus. |
Menschen handeln selbst
beim Tausch nicht rein rational und
konzentrieren sich nicht immer auf den
Eigennutz. |