Schul-Sachen-Verteilerseite Aufgaben-Hilfe
Zweite
Klas-
sen-
arbeit
in der
HH1x/
KB1x
Schul-
jahr
2007/
2008
Vor einigen Tagen (2008-05-06) wurde in Österreich ein 73jähriger Mann entdeckt, dem in unserer Gesellschaft als besonders schwerwiegend geächtete Handlungen nachgewiesen wurden: Er hat seine leibliche Tochter von deren 18. Lebensjahr an 24 Jahre lang in einem Kellerverlies gegen ihren Willen gefangen gehalten, geschlagen und vergewaltigt. Aus dieser Inzest-Beziehung sind sieben Kinder hervorgegangen, von denen er drei zusammen mit ihrer Mutter in dem Verlies über 19, 18 bzw. 5 Jahre ebenfalls gegen deren Willen gefangen hielt. Dem als despotischen Patriarchen beschriebenen Mann, der herrisch, autoritär und bestimmend auftrat und keinerlei Mitleid mit seinen Opfern zeigte, soll Gerechtigkeit widerfahren.

Skizziere, was mit dem Mann geschehen soll. Begründe Deine Entscheidung unter Rückgriff auf die verschiedenen Gerechtigkeitskonzepte.
Mache dabei Deine Argumente für Deine Entscheidung deutlich und stelle sie möglichen Gegenargumenten gegenüber.

 
Genannte Bestrafung:
  • 24 (Einzel-) Haft (aber eigentlich die Todesstrafe)
  • lebenslängliche Haft (unter ständiger Beobachtung) (die anderen Gefangenen dürfen ihn so behandeln, wie er seine Kinder behandelt hat) (mit täglichen Peitschenhieben auf den Rücken)
  • Todesstrafe
  • in Abhängigkeit vom Ergebnis einer Prüfung der Schuldfähigkeit Therapie oder ähnliche Gefangenschaft wie die seiner Kinder
  • Foltern und Quälen (bis er Selbstmord begeht)
  • öffentlich Ächten
  • einsperren und rund um die Uhr Filme mit seinen Taten vorspielen
  • seine "Schwachstelle" (was ihm sehr wichtig ist) zur Bestrafung nutzen
  • verbannen
  • unspezifizierte Strafe nach einem noch zu schaffenden neuen Gesetz
  • langsam und schmerzvoll die Genitalien abschneiden
Argumente, warum die Strafe gerecht sei Gegenargumente
Ihm soll klar werden, erleben, was er seiner Tochter und deren Kinder antat. 24 Jahre Haft wird er bei seinem Alter wahrscheinlich nicht mehr erleben.
Seiner Tochter soll Gerechtigkeit widerfahren. Er könnte sich der Strafe durch Selbstmord entziehen.
Er soll das gleiche erleiden, was seine Kinder erlitten haben. Mißhandlungen während der Haft sind mit dem bestehenden Recht nicht vereinbar.
Er soll Mitleid mit seinen Opfern und Reue zeigen. Vielleicht will der Mann bestraft werden.
Er ist dafür verantwortlich, daß seine Familie aufwendig betreut werden muß. Vielleicht ist der Mann psychisch krank.
Er hat grundlegende gesellschaftliche Normen mißachtet. Es ist zu bezweifeln, daß die Haft Reue und Mitleid bei ihm erzeugen kann.
Eigentlich sollte jeder bekommen, was er verdient - auch eine entsprechende Strafe. Die Todesstrafe wäre nicht Strafe genug, er müßte Qualen wie seine Kinder erleiden.
Er hat das Recht auf ein Leben (selbst im Gefängnis) durch sein Handeln verwirkt. Wer gibt uns das Recht, über andere Menschen zu richten?
Er soll vor allem davon abgehalten werden, zukünftig ähnliche Straftaten zu begehen. Was wäre eine gerechte Strafe für dieses unmenschliche Verhalten? Es wird zuviele unterschiedliche Meinungen geben, was eine gerechte Strafe ist. Absolute Gerechtigkeit können nicht wir Menschen, sondern nur eine "höhere Macht" ausüben.
Seine Taten sind so außergewöhnlich, daß ein spezielles, nur für diesen seltenen Fall konzipiertes Strafrecht sinnvoll wäre. Ist seine Tochter glücklicher und könnte sie ein "normales" Leben führen, würde sie alles vergessen können, wenn er hart bestraft wird?
  Können Außenstehende überhaupt eine gerechte Strafe aussprechen? Die Kinder sollten seine Strafe festlegen.
  Vielleicht wird der Mann durch die Todesstrafe in irgendeiner Form "erlöst".
  Er wird von seinen Taten durch die Todesstrafe sozusagen befreit und muß sich nicht mehr rechtfertigen.
  Die Todesstrafe ist verboten.
  Er soll sich seinen Taten stellen, deshalb muß er leben und das Geschehene "verarbeiten".
  Brutalitäten während der Haft stellen die Bestrafenden auf die gleiche Stufe, wie er stand.
  Vielleicht hat er Aufmerksamkeit beabsichtigt!?
  Seine "Schwachstelle" wird ohne die Mitwirkung seiner Angehörigen kaum zu ermitteln sein.
  Wird bei Bestrafungen stets Gleiches mit Gleichem vergolten, dann entsteht - wie bei der Blutrache - eine endlose Kette von Verbrechen und Gegen-Verbrechen, ein Kreislauf von Rechtsmißbräuchen.
  Wer würde sich bereit erklären, die Mißhandlungen an ihm vorzunehmen?
  Vielleicht ist der Mann nicht therapierbar.
  Er wird nie so leiden, wie seine Opfer.
  Trotz der Besonderheit der Summe seiner Taten, darf er nicht anders bestraft werden, wie andere auch.
  Wenn es keine "höhere Macht" gibt, die absolute Gerechtigkeit ausübt und daher auch in diesem Fall eine gerechte Bestrafung ansetzt, dann würde er nie (gerecht) bestraft werden.
Fragen karlheinz@luk-korbmacher.de