Erste
Klas-
sen-
arbeit
in der
KB1x
Schul-
jahr
2008/
2009
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Aufgabe 1: (10 Punkte)
Beschreibe mit eigenen Worten, mit welcher
Begründung Immanuel
Kant ein absolutes Lügen-Verbot
fordert. |
| Jede Lüge untergräbt das
Vertrauen der Menschen darin, nur Wahrhaftiges zu
erfahren. |
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Aufgabe 2: (10 Punkte)
Kommentiere die Auffassung, daß man sich durch
Lügen stets selbst Schaden zufügen würde, weil
man ein schlechtes Gewissen bekommt.
(Ist das zutreffend? Antworten bitte begründen.
Welche Voraussetzungen sind dazu notwendig? Usw.) |
Voraussetzungen dafür, daß
jemand beim Lügen ein schlechtes Gewissen
bekommt sind:
- Man muß wissen, daß man lügt.
- Man muß Lügen (mindestens speziell
diese Lüge) als ethisch schlecht
betrachten.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann
hängt es zunächst von der "Schwere"
der Lüge ab, in welchem Maße das Gewissen
"belastet" wird.
Außerdem kommt es darauf an, ob die Lüge
später aufgedeckt wird, inwieweit das Gewissen
(nochmals) "belastet" wird.
Dabei ist auch zu berücksichtigen, daß der Grad
der (erneuten) Belastung ganz wesentlich von der
Einschätzung der "Schwere" der Lüge
durch die Belogenen abhängt.
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Aufgabe 3: (10 Punkte)
Andere Philosophen lassen Ausnahmen vom
generellen Lügen-Verbot zu.
Benjamin Constant
beispielsweise behauptet: "Es ist eine
Pflicht, die Wahrheit zu sagen...; aber nur gegen
denjenigen, welcher ein Recht auf die Wahrheit
hat. Kein Mensch aber hat Recht auf eine
Wahrheit, die anderen schadet."
Beschreibe mit eigenen Worten, welche (weiteren)
Ausnahmen unter welchen Bedingungen erlaubt sind. |
- Wenn dadurch schwere Krankheiten zu
ertragen erleichtert wird.
- Wenn man dadurch jemandem helfen kann
ohne anderen zu schaden.
- Wenn man etwas geheimhalten will.
- Wenn man auf zu intime Fragen nicht
antworten möchte.
- Wenn man erpreßt oder bedroht wird,
jemanden zu verraten.
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Aufgabe 4: (10 Punkte)
Christian Wolff
spricht gar von einer Pflicht zur Lüge:
"Nämlich es ist niemals zu lügen erlaubt,
aber wohl zuweilen ist erlaubt, ja wir sind
zuweilen gar gezwungen die Unwahrheit zu sagen,
wenn sie nämlich weder uns noch andere zum
Schaden, aber wohl zum besten gereicht, wie man
einem Feind Unrecht sagt, wo der hingegangen ist,
den er mit bloßem Degen verfolgt." [Zitiert
in moderner Schreibweise]
Kommentiere unter diesem Gesichtspunkt die
Auffassung von Viktor
E. Frankl. |
| Einerseits:
Würde der Arzt dem Patienten die Wahrheit sagen,
dann würde er ihn gesundheitlich gefährden.
Belügt er ihn, so trägt er zur Verbesserung von
dessen Gesundheit bei. In dieser besonderen
Situation müßte der Arzt folglich lügen, wenn
er seinen Beruf ernst nimmt. Andererseits
kann dem Patienten jederzeit nach dem Gespräch
mit dem Arzt etwas ähnlich aufregendes
passieren, so daß er einen Schlaganfall bekommen
kann, weil er sich nicht entsprechend vorsichtig
verhält. Deshalb wäre es besser, der Arzt
würde in dieser Situation die Wahrheit sagen,
weil der Patient sich dann später entsprechend
verhalten könnte.
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Aufgabe 5: (10 Punkte)
Welche ethischen Konsequenzen sind aus folgender
Feststellung zu ziehen?
"Schon der Lügenbaron Münchhausen hat
uns ins Merkbuch geschrieben: Gescheite
Leute lügen gern, weil sie intelligent
sind und genau wissen, wie sie ihre Ziele
durchsetzen können, manchmal eben mittels Lüge.
Und die moderne Evolutionsbiologie
gibt Münchhausen
recht: Sie hat herausgefunden, daß etwa unsere
behaarten Vorfahren Meister in diesem Fach sind,
sie belügen und betrügen sich, und welches Tier
das am besten kann, das hat die größten
Überlebenschancen. Die Lüge ist im Tierreich
der Wetzstein für die Intelligenz: Um gut zu
lügen, muß man gut täuschen können, man muß
sich gleichzeitig in den Betrogenen
hineinversetzen und seine Gedanken und
Intentionen erraten können. Dazu muß man
intelligent sein." |
| Die Konsequenz wäre, daß Lügen
nicht mehr geächtet, sondern gelobt werden
müßte und zwar dergestalt, daß derjeninige,
der am "intelligensten" lügt, am
meisten gelobt wird. |
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Aufgabe 6: (12 Punkte)
Sind zum Lügen immer mindestens zwei Personen
erforderlich oder kann man sich selbst belügen?
Wenn ja, schildere entsprechende Situationen und
kommentiere mögliche Folgen solcher
Selbstlügen. |
Selbstlügen sind möglich:
- Man kann etwas nicht wahr haben wollen,
weil man das der Person nicht zutraut, z.
B. daß der Ehemann fremd geht.
Folge davon ist mindestens, daß man
weiterhin betrogen wird.
- Man kann sich etwas einreden, weil man es
so gern sehen würde, z. B. man würde
von jemandem geliebt.
Folge davon ist mindestens, daß man sich
gegenüber der Person wie ein Verliebter
verhält und sich möglicherweise
lächerlich macht.
- Man kann etwas "schön" reden,
weil man es so gern sehen würde, z. B.
man schenkt den stets auf's Neue
vorgebrachten Beteuerungen des Partner
Glauben, er würde zukünftig nicht mehr
fremd gehen.
Folge davon ist mindestens, daß man
weiterhin betrogen wird.
- Man kann sich etwas einbilden, z. B. eine
bestimmte Krankheit zu haben, weil man
dadurch interessant für andere wird.
Folge davon kann sein, daß man wirklich
Krankheitssymtome zeigt.
- Man kann etwas verdrängen, z. B. daß
man eine unheilbare Krankheit hat, weil
man sonst kein "normales" Leben
mehr führen kann.
Folge davon kann sein, daß man nicht
alles gegen diese Krankheit unternimmt,
was möglich wäre.
- Man kann sich etwas nicht eingestehen, z.
B. daß man bestimmte Fähigkeiten nicht
besitzt, weil man sie gern besitzen
möchte.
Folge davon ist mindestens, daß man beim
Versuch, diese Fähigkeiten anzuwenden,
scheitert.
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