Erste
Klas-
sen-
arbeit
in der
HH1dx
Schul-
jahr
2008/
2009
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Aufgabe 1: (10 Punkte)
Beschreibe anhand des folgenden Zitats mit
eigenen Worten, mit welcher Begründung Immanuel Kant
ein absolutes Lügen-Verbot fordert.
"Wahrhaftigkeit in
Aussagen, die man nicht umgehen kann, ist
formale Pflicht des Menschen gegen jeden, es
mag ihm oder einem andern daraus auch noch so
großer Nachteil erwachsen; ... wenn ich
[eine Aussage] verfälsche, [mache ich], daß
Aussagen (...) überhaupt keinen Glauben
finden, mithin auch alle Rechte, die auf
Verträgen gegründet werden, wegfallen und
ihre Kraft einbüßen... Die Lüge [...]
schadet jederzeit [...] der Menschheit
überhaupt, indem sie die Rechtsquelle
unbrauchbar macht."
aus: Immanuel Kant: Über ein vermeintes Recht
aus Menschenliebe zu lügen, 1797
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| Jede Lüge untergräbt das
Vertrauen der Menschen darin, nur Wahrhaftiges zu
erfahren. |
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Aufgabe 2: (10 Punkte)
Kommentiere den folgenden Satz von Arthur Schopenhauer
vor dem Hintergrund der Feststellungen, die wir
im Unterricht bezüglich Situationen, in denen
gelogen werden darf bzw. in denen nicht gelogen
werden darf, gemacht haben."Lügen ist
nicht die Negation der Wahrheit, sondern Wahrheit
ist die Negation der Lüge."
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| Arthur
Schopenhauer bringt durch seine
Formulierung zum Ausdruck, daß die Lüge die
Regel und die Darstellung der Wahrheit die
Ausnahme im alltäglichen Leben ist. Eine
nachdenkenswerte Schüleräußerungen:
- Eine Lüge ist ein "Nichts",
weil es keine (wahre) Aussage ist. Ein
"Nichts" kann nicht Negation
von etwas sein - in diesem Fall von der
Wahrheit. Aber ein (solches)
"Nichts" kann durch eine
Wahrheit negiert werden.
- Ohne Lügen gibt es keine Wahrheit.
- Es gibt nur eine Wahrheit, aber
verschiedene Lügen-Varianten dazu.
- Wird "Negation" als
"Gegenteil von" verstanden,
dann gilt:
Die Wahrheit bleibt die Wahrheit. Von ihr
gibt es kein Gegenteil. Dagegen gibt es
von der Lüge ein Gegenteil, denn Lügen
sind erdachte Wahrheiten.
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Aufgabe 3: (10 Punkte)
Beschreibe anhand des folgenden Zitats mit
eigenen Worten, mit welcher Einschränkung John Stuart Mill
Ausnahmen von einem generellen Lügen-Verbot
zuläßt.
"So wäre es beispielsweise oft
opportun zu lügen, um einer zeitlich
begrenzten Beschämung zu entgehen oder um
etwas zu erreichen, das einen unmittelbaren
Nutzen für uns oder andere besitzt. Insofern
jedoch die Kultivierung eines tiefen Gefühls
der Wahrhaftigkeit zu den nützlichsten
Dingen und die Schwächung dieses Gefühls zu
den schädlichsten gehören, zu denen unser
Verhalten führen kann, fühlen wir, daß die
Verletzung einer Regel von solch
übergreifendem Nutzen um eines
gegenwärtigen Vorteils willen nicht opportun
ist. [...] Daß aber gerade diese Regel,
heilig wie sie ist, mögliche Ausnahmen
erlaubt, wird von allen Moralisten anerkannt.
[...] Damit diese Ausnahme jedoch nicht mehr
als notwendig verbreitet wird und auch nicht
im geringsten zur Schwächung des Vertrauens
in die Wahrhaftigkeit beiträgt, müssen wir
sie erkennen und, wenn möglich, ihre Grenzen
festlegen. Wenn das Nützlichkeitsprinzip
für irgend etwas gut ist, dann muß es für
das Abwägen dieser widerstreitenden
Nützlichkeiten gut sein und den Bereich
aufzeigen, in dem die eine oder andere
überwiegt."
aus: John Stuart Mill: Utilitarismus, 1861,
übersetzt von Manfred Kühn, Hamburg 2006,
S. 35 f.
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| John
Stuart Mill fordert, daß die
(wenigen) zugelassenen Ausnahmen vom generellen
Lügen-Verbot von Nutzenabwägungen abhängig
gemacht werden müssen. In jedem einzelnen Falle
ist zu entscheiden, was nützlicher ist, zu
lügen oder die Wahrheit zu sagen. |
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Aufgabe 4: (10 Punkte)
Was ist im Zusammenhang mit den vorherigen
Feststellungen (Aufgaben 1 bis 3) von
Undercover-Agenten, Schauspielern und
Hochstaplern oder anderen Personen, die sich eine
andere Identität geben, zu halten?
Begründe bitte Deine Meinung zu jedem, der von
Dir angeführten Beispiele. |
- Undercover-Agenten werden eingesetzt, um
an ansonsten verschlossen bleibende
Informationen über einen Gegener zu
gelangen. In der Regel handelt es sich
also entweder um Spionage oder um
Verbrechensbekämpfung. Letzteres ist
sicherlich stets positiv zu bewerten. Es
hängt von den Zielen der Spionalge ab,
ob die Tätigkeit als Undercover-Agent
positiv oder negativ zu bewerten ist.
- Schauspieler zu sein ist ein ehrbarer
Beruf, der zum Ziel hat, anderen
Menschen, dem Publikum Freude, Vergnügen
oder Erkenntnisse zu bereiten. Damit sind
sämtliche Lügen in Verbindung mit der
Ausübung des Berufs als positiv zu
bewerten, selbst wenn dadurch
"Legenden" (etwa über den
Schauspieler selbst) aufgebaut werden.
- Hochstapler schlüpfen in der Regel in
eine andere Identität, um die Menschen,
mit denen sie Umgang pflegen zu betrügen
oder als Schmarotzer von ihren
Zuwendungen zu leben. Von der Zielsetzung
her ist dieses Verhalten stets als
verwerflich zu bewerten. Allerdings
können Hochstapler (vor allem als
Heiratsschwindler) den Betrogenen
durchaus emotionale Dienste erweisen, die
diesen fehlten und damit kann durch das
Handeln des Hochstaplers neben Verdruß
dem Betrogenen auch Angenehmes
widerfahren sein, das als positiver
Effekt betrachtet werden kann.
- Personen, deren Leben bzw. Existenz
gefährdet wären, wenn sie nicht in eine
andere Identität schlüpfen würden (z.
B. Zeugen, die aus kriminiellen
Vereinigungen oder radikalen
Organisationen ausgestiegen sind,
ehemalige Spione der Gegenseite)
schützen sich auf diese Weise. Es ist
von der Bewertung des Grundes, warum
diese Person in eine entsprechende Gefahr
geraten ist, abhängig, ob dieses Handeln
positiv oder negativ zu bewerten ist.
Konnten dadurch etwa (andere) Verbrecher
dingfest gemacht werden, so sind dem
positive Aspekte nicht abzusprechen.
- Die Lügen von Personen, die gern eine
andere Person wären, können m. E. nur
dann beurteilt werden, wenn
berücksichtigt wird, ob durch dieses
Verhalten anderen Schaden zugefügt wird
oder nicht. Wobei unter
"Schaden" nicht nur
Materielles, sondern auch Emotionales
verstanden werden muß. Ein konkretes
Beispiel sind Transvestiten und Transgender.
- ...
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