| Vorgabe: Wenn von
"Liebe" in den folgenden
Aufgabenstellungen gesprochen wird, dann ist
damit die Liebe eines Menschen zu einem oder
mehreren anderen Menschen gemeint. Weder die
Liebe zu sich selbst, die Liebe zu Aktivitäten,
die Liebe zu Einstellungen, die Liebe zu Tieren
oder die Liebe zu Sachen ist zu betrachten. |
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Aufgabe 1: (10 Punkte)
Ist Liebe ein Gefühl? |
| Ja, aber noch mehr. Es entsteht
eine positive Aufregung, wenn man mit dem/der
Geliebten zusammen ist. Man fühlt sich zum/zur
Geliebten hingezogen. Liebe beeinflußt unsere
Stimmungen (z. B. wenn man eine Person liebt,
diese die Liebe aber nicht erwidert, wird man
traurig). Liebe ist das stärkste Gefühl, zu dem
der Mensch fähig ist. Eine alternative
Auffassung:
In der Phase der Verliebtheit ist es ein Gefühl.
Schwindet nach und nach die Verliebtheit und
verstärkt sich die Liebe, dann entwickelt sie
sich zu einer Entscheidung/Einstellung. Würde
sich eine Ehe nur auf Gefühlen aufbauen, dann
würde sie in schwierigen (schlechten) Zeiten
sofort zerbrechen.
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Aufgabe 2: (10 Punkte)
Ist Liebe eine Menge von Aktivitäten? |
| Ja, aber noch mehr. Das besondere
an diesen Aktivitäten ist, daß man sie nur mit
dem/der Geliebten ausführt. Ohne entsprechende
Aktivitäten kann der/die Geliebte nicht
erkennen, daß die Liebe besteht. Beispiele:
Blicke zuwerfen, Berührungen, Kuscheln, Küssen,
Sex haben, geistiges Ineinanderverschmelzen,
wortloses Verständnis, an den/die Geliebte(n)
denken, von dem/der Geliebten träumen, soviel
gemeinsame Zeit miteinander verbringen wie
möglich, genießen der "Zweisamkeit"
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Aufgabe 3: (10 Punkte)
Gibt es einen Unterschied zwischen Liebe und
Verliebtheit? |
| Ja. Verliebtheit bildet den
Anfang. Liebe geht tiefer. Liebe ist, wenn man
für einander sterben würde. Verliebtheit ist
nichts ernstes. Man würde für seine(n)
Partner/in nicht wirklich alles machen. |
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Aufgabe 4: (10 Punkte)
Wie verhält sich die Liebe zu Zuneigung,
Freundschaft und Ergebenheit? |
| Wahre Liebe ist mehr als alles
andere zusammen. Zuneigung kann man schnell zu
jemandem empfinden. Sie gründet auf Sympatie.
Eine gewisse Ergebenheit gehört zur Liebe, aber
nur insoweit, daß man sich nicht vollständig
seinem Partner hingibt. Zum Verhältnis
zwischen Freundschaft
und Liebe gibt es zahlreiche
Aphorismen. Eine Auswahl.
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Aufgabe 5: (10 Punkte)
Lieben wir den Körper der/des Geliebten oder
ihre/seine Seele? |
Wir lieben beides: Den Körper,
weil er Freude bereitet; die Seele, weil sie das
wichtigste ist, da sie den Charakter und die
innere Schönheit widerspiegelt.
"Das Aussehen entscheidet, wer
zusammenkommt, aber der Charakter entscheidet,
wer zusammen bleibt." |
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Aufgabe 6: (10 Punkte)
Ist Liebe eine kosmische Kraft oder ein
naturgesetzlicher Mechanismus
(Fortpflanzungstrieb)? |
| Das Schicksal entscheidet, wer
zusammen gehört und entfaltet ein Band der Liebe
zwischen zwei Menschen. Und dann erst kommt
meistens die Biologie mit ihrem natürlichen
Mechanismus. Aber letztlich sorgt die Liebe für
die Erhaltung der Art, der Menschheit. |
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Aufgabe 7: (10 Punkte)
Ist Liebe Besitzstreben oder ein Geschenk an
die/den Geliebten? |
| Wahre Liebe ist ein Geschenk,
weil jeder froh sein muß, trotz seiner Fehler,
die jeder besitzt, geliebt zu werden.
Besitzstreben und Liebe schließen sich
eigentlich aus. Allerdings kann Eifersucht dazu
führen, daß man den/die Geliebte(n) besitzen
möchte. Man beschenkt sich sogar selbst! Interessant:
Wer den/die Geliebte(n) besitzen möchte, ist
egoistisch und eigentlich dem/der anderen
gegenüber gefühlskalt.
Und: Liebe ist so etwas wie Habgier: Man
möchte den/die Geliebte(n) für sich allein
haben und mit niemandem teilen.
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Aufgabe 8: (10 Punkte)
Ist die Wahl der/des Geliebten ein Spiegel
unserer eigenen Persönlichkeit? |
| Ja, denn was man an sich selbst
nicht mag, mag man an anderen noch weniger. Vgl.
die Auffassung von José
Ortega y Gasset. Nein, denn es gibt völlig
verschiedene Charaktere, die sich lieben. Man
sagt doch auch: "Gegensätze ziehen sich
an."
Allerdings sagt man auch: "Gleich und
gleich gesellt sich gern."
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Aufgabe 9: (10 Punkte)
Sind es die Wertschätzungen unserer Familie,
unseres Umfeldes oder unserer Kultur, die uns
bestimmte Personen als Geliebte(n) auswählen
lassen? |
| Alle genannten Faktoren besitzen
bei der Partnerwahl eine große Rolle. Vielfach
ist man bestrebt, daß die Familie den/die
Partner/in zumindest akzeptieren kann. Außerdem
gibt es Kulturkreise, in denen die Partner von
den Familien ausgewählt werden.
Vom Umfeld hängt es ab, wen man überhaupt
kennen lernen kann, unter denen man dann
auswählen kann.
Gleiche Kulturkreise erleichtern meistens die
Beziehung anzubahnen und einzugehen. Außerdem
gibt es Kulturen, in denen die Verbindung zu
Mitgliedern anderer Kulturkreise geradezu
verboten ist.
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Aufgabe 10: (10 Punkte)
Ist die Liebe ein segensreiches Geschenk oder eher
eine Gefahr für die Seelenruhe? |
| Beides. Durch die Liebe
erfährt man vieles Wertvolle. Sie ist daher ein
segensreiches Geschenk.
Andererseits: Liebe ist ein Spiel mit dem
Feuer. Sie verschafft einem Freude, Zufriedenheit
und Spaß; die Wärme läßt einen sich
wohlfühlen, aber man kann sich auch daran
verbrennen.
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Aufgabe 11: (10 Punkte)
Verschafft die Liebe dem Menschen Glück oder
Schmerzen? |
| Beides. Man muß beide
Gemütslagen erfahren haben, um überhaupt sicher
sein zu können, daß man liebt und nicht nur
Zuneigung o. ä. verspürt.
Andererseits macht Liebe allein auch nicht
glücklich, so wie alles Erstrebenswerte im Leben
allein nicht glücklich macht, weil nur die
Vielfalt in Maßen genossen wahres Glück bedeutet.
Befindet man sich in einer solch glücklichen
Lebensphase, dann zerstört jede Störung dieses
Gleichgewichts das Glück. Und jede Andeutung
einer möglicherweise auftretenden Störung kann
einen ähnlichen Effekt erzielen (z. B. die
Sorge, den/die Geliebte(n) zu verlieren). Das
stört nicht nur die Seelenruhe, sondern kann
auch zu Schmerz führen.
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Aufgabe 12: (10 Punkte)
Kann man lieben lernen? |
| Ja, denn durch Erfahrungen
"reift" die Liebe - vor allem dann,
wenn man nach der Phase der Verliebtheit die
Eigenschaften der Liebe entdeckt. Vgl. die
Auffassung von Erich
Fromm.
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