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Erste
Klas-
sen-
arbeit
in der
HH2a
Schul-
jahr
2009/
2010

Ergebnisse

Aufgabe 1: (10 Punkte)
Nenne die (wichtigsten) Aufgaben und Ziele der Europäischen Zentralbank.
Aufgaben:
  • Versorgung der Euro-Zone mit Zentralbankgeld
  • Durchführung der Geldpolitik
  • (Banken-Aufsicht)
  • (Abwicklung des internationalen unbaren Zahlungsverkehrs)

Ziele:

  • Sicherung der Geldwertstabilität
 
Aufgabe 2: (6 Punkte)
Erläutere die Fisher’sche Verkehrsgleichung. (Was wird dargestellt?)
Die Fisher'sche Verkehrsgleichung lautet:

Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit des Geldes = allgemeines Preisniveau * Handelsvolumen

Auf der linken Seite der Gleichung wird die Summe aller Zahlungen in der betrachteten Periode dargestellt.

Auf der rechten Seite der Gleichung wird der Wert der in der betrachteten Periode gehandelten Güter dargestellt.

 
Aufgabe 3: (8 Punkte)
Beurteile die Aussagekraft der Quantitätstheorie, die etwa in der Fisher’schen Verkehrsgleichung zum Ausdruck kommt, vor dem Hintergrund der Definitionen der einzelnen Variablen.
Da keine der Variablen exakt gemessen werden kann, ist die Aussagekraft der Quantitätstheorie äußerst beschränkt. Das dürfte nicht zuletzt der Grund dafür sein, daß die Ziele der Geldpolitik praktisch nicht erreicht werden.
  • Über eine einheitliche Definition der Geldmenge streiten sich die Gelehrten. Minimalkonsenz sind die Geldmengen M1 bis M3, die jedoch nur einen (kleinen) Teil des nachfragewirksamen Geldes widergeben (z. B. werden keine ausgestellten und noch nicht bezahlten Rechnungen darin einbezogen, während die meisten Rechnungssteller davon ausgehen, daß sie in der vorgesehenen Zahlungsfrist über das entsprechende Geld verfügen werden und daher diese Summe in ihre Planung zukünftiger Ausgaben und Einnahmen mit einbeziehen).
  • Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wird üblicherweise mangels der Möglichkeit der direkten Erfassung entsprechender Werte anhand des Volkseinkommens und der Geldmenge abgeleitet. Beide benutzten Werte sind nicht exakt meßbar, was dazu führt, daß auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes bestenfalls ungenau ist.
  • Das allgemeine Preisniveau wird mit Hilfe des Verbraucherpreisindex (VPI) geschätzt. Da selbst die Berechnung des VPI mit erheblichen statistischen Problemen verbunden ist, ist allein aus diesem Grunde die Abschätzung des allgemeinen Preisniveaus nicht korrekt. Schwerwiegender ist vielleicht noch, daß durch die Beschränkung auf den VPI das Preisniveau für Zahlungen innerhalb des Sektors Unternehmen nicht berücksichtigt wird.
  • Das Handelsvolumen wird üblicherweise durch das Volkseinkommen (in verschiedenen Varianten) oder den volkswirtschaftlichen Output ersetzt, weil es selbst statistisch nicht erfaßt werden kann. Beide Hilfsgrößen sind statistisch nur eingeschränkt erfaßbar, was dazu führt, daß auch die Abschätzung des Handelsvolumens ungenau erfolgen kann.

Für die Anwendung der Quantitätstheorie sprechen daher nur zwei eher fragwürdige Gründe:

  • Es gibt keine andere Theorie, die Geld und Realwirtschaft in Verbindung bringt.
  • Die Fehler, die gemacht werden, werden in gleicher Weise bei jeder Bestimmung der Gleichung gemacht, was die Hoffnung nährt, daß sich die Fehler in der konkreten Finanz- und Wirtschaftspolitik nicht auswirken.
 
Aufgabe 4: (8 Punkte)
Beschreibe das Prinzip der multiplen Giralgeldschöpfung.
Die Geschäftsbanken verleihen bis auf die sogenannte Bar-Reserve, die in ihren Kassen gehalten werden muß, weil ihre Kunden einen Teil ihres Geldes immer noch als Bargeld verwenden, und die zwangsweise bei der Europäischen Zentralbank hinterlegte Mindestreserve die Guthaben ihrer Kunden als Kredite an andere Kunden und schaffen so zusätzliches Geld. Dieser Prozeß wiederholt sich für jeden Kunden, der ein Guthaben bei einer Geschäftsbank unterhält, weshalb von multipler Geldschöpfung gesprochen wird.
 
Aufgabe 5: (6 Punkte)
Interpretiere die nachfolgende Grafik. Welche Folgen für die gesamte Wirtschaft sind zu erwarten?

Grafik Entwicklung des Geldschöpfungsmultiplikators in den USA

Dargestellt wird die Höhe des Geldschöpfungsmultiplikators für M1 (= Bargeld und Sichteinlagen) von 1985 bis 2009.

Es zeigt sich eine deutlich fallende Tendenz.

Während in der zweiten Hälfte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts noch aus jeder hinterlegten Geldeinheit etwa drei Geldeinheiten Kredit gewährt wurden, werden im Jahre 2009 nicht einmal mehr Kredite in gleicher Höhe wie die Einlagen gewährt.

Das bedeutet zunächst, daß die Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken kontinuierlich verringert wurde und daher die Geldmenge M1 in immer geringerem Maße ausgeweitet wurde.

Gründe dafür könnten sein:

  • eine geringere Kreditnachfrage (etwa aufgrund hoher Zinssätze, zu geringer Gewinnerwartungen der Unternehmen, unsicherer Einkommenserwartungen der privaten Haushalte, Beschränkung der Staatsausgaben wegen zu großer Haushaltsdefizite)
  • oder strengere Sicherheitsauflagen der Geschäftsbanken bei der Vergabe von Krediten.

Folgen könnten sein:

  • eine Deflation
  • eine sinkende Nachfrage
  • weniger Investitionen
  • mehr Arbeitslose
  • weniger Steuereinnahmen.
 
Aufgabe 6: (4 Punkte)
Was ist eine Deflation?
Deflation ist eine nachhaltig geringere gesamtwirtschaftliche Nachfrage im Vergleich zum gesamtwirtschaftlichen Angebot.
Fragen karlheinz@luk-korbmacher.de