![]() |
Sätze |
| Lager- kenn- ziffern |
Mindestbestand oder eiserner Bestand oder Sicherheitsbestand heißt die Menge eines Artikels, die aus
Gründen der Sicherstellung der Lieferungsmöglichkeit
sich ständig im Lager befinden muß. Sie darf nur in
selten Ausnahmefällen (z. B. bei Untergang einer
Lieferung etwa durch einen Verkehrsunfall) unterschritten
werden. Es sei C der tägliche, wöchentliche oder monatliche Verbrauch einer Ware. Die Geschäftsleitung legt den Zeitraum tmin (in Tagen, Wochen oder Monaten) fest, in dem selbst bei Ausbleiben einer Nachbestellung an die Kunden ausgeliefert werden soll. Dann errechnet sich der Mindestbestand MinB so:
Der Lagerbestand eines Artikels, bei dessen Unterschreiten ein Bestellvorgang ausgelöst wird, heißt Meldebestand. Die Ware muß zur Sicherstellung der Lieferungsmöglichkeit - unter Berücksichtigung der Lieferzeit - rechtzeitig vor Unterschreiten des Mindestbestands nachbestellt werden. Es seien C der tägliche, wöchentliche oder monatliche Verbrauch einer Ware und tbest (in Tagen, Wochen oder Monaten) ihre Lieferzeit. Dann errechnet sich der Meldebestand MB so:
Der durchschnittliche Lagerbestand gibt an, welche Menge eines Artikels durchschnittlich an jedem Tag des Jahres auf Lager liegt. Es seien AB der Lagerbestand zu Beginn des Jahres und EB der Lagerbestand am Ende des Jahres. Dann errechnet sich der durchschnittliche Lagerbestand ØLB so:
In den seltensten Fällen stimmt diese Zahl mit dem tatsächlichen Lagerbestand überein, da durch die ständigen Lagerzu- und -abgänge der tatsächliche Lagerbestand von Tag zu Tag erheblich schwankt. Trotzdem ist die Berechnung dieser Kennzahl aus mindestens zweierlei Gründen sinnvoll: Einerseits ist sie im Rahmen eines Zeitvergleichs ein verläßlicher Indikator für unternehmerische Entscheidungen und andererseits ist sie eine notwendige Grundlage zur Berechnung eines aussagekräftigen Wertes für das im Lager gebundene Kapital. Letzteres ist vor allem der Grund, warum durch die Berücksichtigung von weiteren Endbeständen (etwa nach jedem Quartal oder gar nach jedem Monat) der errechnete durchschnittliche Lagerbestand den tatsächlichen Gegebenheiten besser angepaßt wird. Es seien AB der Lagerbestand zu Beginn des Jahres und QEBi alle vier Lagerbestände am Ende eines jeden Vierteljahres. Dann errechnet sich der durchschnittliche Lagerbestand auf Quartalsbasis ØLB so:
Es seien AB der Lagerbestand zu Beginn des Jahres und MEBi alle zwölf Lagerbestände am Ende eines jeden Monats. Dann errechnet sich der durchschnittliche Lagerbestand auf Monatsbasis ØLB so:
Der Wareneinsatz gibt an, welche Menge eines Artikels im Laufe eines Jahres an die Kunden ausgeliefert wurde. Es seien AB der Lagerbestand zu Beginn des Jahres, EB der Lagerbestand am Ende des Jahres und LZu die Lagerzugänge im Laufe des Jahres. Dann errechnet sich der Wareneinsatz WE so:
Wird diese Menge mit dem Einstandspreis multipliziert, so ergibt sich der Wareneinsatz zu Einstandspreisen. Schwankt der Einstandspreis im Laufe des Jahres, so ist für die Bewertung in der Bilanz das Niederstwert-Prinzip anzuwenden, für die Kostenrechnung sind dagegen nach Möglichkeit die tatsächlichen Einstandspreise zu berücksichtigen. Die Umschlagshäufigkeit gibt an, wie oft im Laufe eines Jahres der durchschnittliche Lagerbestand ausgeliefert wurde. Die Umschlagshäufigkeit ist eine dimensionslose Zahl. Es seien WE der mengenmäßige Wareneinsatz und ØLB der durchschnittliche Lagerbestand. Dann errechnet sich die Umschlagshäufigkeit UH so:
Je größer die Zahl ist, desto häufiger wurde der durchschnittliche Lagerbestand ausgeliefert. Zur Bewertung dieser Kennzahl müssen weitere Informationen zur Verfügung stehen. Dazu gehören vor allem die Zugehörigkeit zu einer Branche (ein Juwelier wird teuere Einzelanfertigungen seltener verkaufen als ein Gärtner Primeln), die Größe des branchenüblichen durchschnittlichen Lagerbestands. Die durchschnittliche Lagerdauer gibt an, wieviele Tage die Ware im Durchschnitt auf Lager liegt. Es sei UH die Umschlagshäufigkeit. Dann errechnet sich die durchschnittliche Lagerdauer ØLD so:
Der Lagerzinssatz gibt den Prozentsatz an, mit dem die Verzinsung des gebundenen Kapitals in die Lagerkosten einfließt. Es seien p der Marktzins und ØLD die durchschnittliche Lagerdauer. Dann errechnet sich der Lagerzinssatz pl so:
Die Lagerzinsen entsprechen der Verzinsung des im Lagerbestand gebundenen Kapitals für die Dauer eines Lagerumschlags, also für den Zeitraum der durchschnittlichen Lagerdauer. Es seien ØLB der wertmäßige durchschnittliche Lagerbestand und pl der Lagerzinssatz. Dann errechnen sich die Lagerzinsen LZ so:
Sollen die Lagerzinsen für ein Jahr berechnet werden, dann muß mit p, dem Marktzins gerechnet werden:
Die Bestandsreichweite bzw. Lagerreichweite gibt an, wie lange ein vorhandener Lagerbestand beim gegebenen durchschnittlichen Verbrauch noch ausreicht, um ausliefern zu können. Es seien C der tägliche, wöchentliche oder monatliche Verbrauch einer Ware und LB der aktuelle Lagerbestand. Dann errechnet sich die Bestands- oder Lagerreichweite RW so:
Wird statt vom tatsächlichen Lagerbestand vom durchschnittlichen Lagerbestand ausgegangen, dann wird die durchschnittliche Lagerreichweite berechnet. Der Lagerkostensatz gibt den prozentualen Anteil der Lagerkosten am durchschnittlichen Lagerbestand an. Es seien LK die Lagerkosten und ØLB der durchschnittliche Lagerbestand. Dann errechnet sich der Lagerkostensatz LK% so:
Die durchschnittlichen Lagerplatzkosten geben die Kosten je Lagerplatz an. Es seien LK die Lagerkosten und m die Anzahl der zur Verfügung stehenden Lagerplätze. Dann errechnen sich die durchschnittlichen Lagerplatzkosten ØLPK so:
Die durchschnittlichen Lagerplatzkosten entsprechen bei einem Lageristen dem Betriebsoptimum. Sie stellen für ihn also die langfristige Preisuntergrenze dar. Verkaufte Lagerplätze, deren Preis unterhalb der durchschnittlichen Lagerplatzkosten liegt, verursachen Verluste. Der Flächennutzungsgrad bzw. Raumnutzungsgrad gibt den prozentualen Anteil der tatsächlich belegten Lagerfläche bzw. des tatsächlich genutzten Lagerraums an der insgesamt zur Verfügung stehenden Lagerfläche bzw. am insgesamt zur Verfügung stehenden Lagerraum an. Es seien A die zur Verfügung stehende Lagerfläche, An die tatsächlich genutzte Lagerfläche, V der zur Verfügung stehende Lagerraum und Vn der tatsächlich genutzte Lagerraum. Dann errechnet sich der Flächennutzungsgrad FNG so:
Dann errechnet sich der Raumnutzungsgrad RNG so:
Diese Zahlen geben den Auslastungsgrad des Lagers an. Je größer diese Zahlen sind, desto erfolgreicher arbeitet der Lagerist. Sie sind daher wichtige Kennzahlen, die ständig beobachtet werden müssen. Liegt der Auslastungsgrad auf Dauer unter 100 %, so muß dies bei der Berechnung der durchschnittlichen Lagerplatzkosten (und damit bei der Preiskalkulation) dergestalt berücksichtigt werden, daß statt der Anzahl der zur Verfügung stehenden Lagerplätze nur der um den Auslastungsgrad verringerte Anteil in die Berechnung einfließt. |
| Fragen | karlheinz@luk-korbmacher.de oder lydia@luk-korbmacher.de |