Schul-Sachen-Verteilerseite Netzplantechnik
Problem-
stellung
Der Ablauf des morgendlichen Frühstücks soll optimiert werden. Dazu werden Informationen über
  • die üblichen Vorgänge zur Bewältigung des Projekts,
  • die gegenseitigen Abhängigkeiten dieser Vorgänge untereinander,
  • die Festlegung wichtiger Termine bei der Projektrealisation,
  • den Bedarf an finanziellen und materiellen Ressourcen

benötigt.

Lösung Mit Hilfe einer Strukturanalyse werden zunächst alle zur Durchführung des Projekts erforderlichen Arbeitsgänge, Tätigkeiten oder Aktivitäten (sogenannte Vorgänge) erfaßt und in ihrer zeitlichen und sachlogischen Abfolge näher bestimmt.

Dazu werden zu jedem Vorgang folgende Fragen beantwortet:

  • Wie lange dauert der Vorgang?
  • Welche finanziellen und/oder materiellen Ressourcen werden benötigt?
  • Welcher Vorgang findet unmittelbar vorher statt?
    Damit ist/sind der/die
    Vorgänger bestimmt.
  • Welche Vorgänge können gleichzeitig ausgeführt werden?
    So werden
    Parallelvorgänge gefunden.
  • Welcher Vorgang schließt sich unmittelbar an?
    Damit ist/sind der/die
    Nachfolger bestimmt.

Das Ergebnis dieser Überlegungen wird tabellarisch als sogenannte Vorgangsliste festgehalten.

Vorgangsliste
lfd. Nr. Vorgangsbezeichnung lfd. Nr. Vorgänger Dauer in Minuten
1 Küche betreten - 1
2 Radio einschalten 1 1
3 Wasser kochen 2 5
4 Tisch decken 2 3
5 Brot schneiden 4 2
6 Kaffee filtern 3, 5 4
7 Brot belegen 5 3
8 Brot essen 6, 7 8
9 Kaffee trinken 6, 7 12
10 Zeitung lesen 6, 7 10
11 Tisch abräumen 8, 9, 10 3
12 Radio ausschalten 2, 11 1
13 Küche verlassen 12 1

Im Anschluß an die Strukturanalyse wird ein Netzplan aufgestellt.

Der Netzplan ist die grafische Darstellung der einzelnen Vorgänge eines Projekts in zeitlicher und sachlogischer Abfolge.

Bausteine eines Netzplans sind die Vorgangsknoten, die wichtige Informationen zum jeweiligen Vorgang enthalten, und Richtungspfeile, die die Anordnungsbeziehungen zwischen dern Vorgängen kennzeichnen.

Netzplan zum Projekt Frühstück

Im Rahmen der Aufstellung eines Netzplans wird die Zeitanalyse durchgeführt, die üblicherweise in zwei Stufen erfolgt, der Vorwärtsrechnung, die vom Projektbeginn bis zum spätesten Projektende die Abfolge der Arbeiten analysiert, und der Rückwärtsrechnung, die vom spätesten Projektende den Projektbeginn berechnet. Dazu sind einige Regeln zu beachten.

Ziel der Zeitanalyse ist die Ermittlung sogenannter kritischer Vorgänge. Ein Vorgang ist kritisch, wenn er keine Zeitreserven (= Puffer) besitzt, d. h. wenn durch eine Verzögerung oder Verschiebung Vorgänger oder Nachfolger oder sogar das Projektende beeinflußt werden. Die Kette aller kritischen Vorgänge bildet den kritischen Pfad durch das Projekt. Der kritische Pfad ist der zeitlich längste Weg durch das Projekt und bestimmt die Gesamtdauer des Projekts.

Kritische Vorgänge dürfen weder verschoben noch ausgedehnt werden. Sie müssen deshalb während der Projektdurchführung besonders beachtet werden.

Einsatz-
möglich-
keiten
Die Netzplantechnik entwickelte sich aus Überlegungen von Planern im Rahmen von Großprojekten. Erste Verfahren etablierten sich in der zweiten Hälfte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts in den USA und Frankreich unter Namen wie CPM (= Critical Path Method), PERT (= Program Evaluation and Review Technique) und MPM (= Metra-Potential-Method).

Häufige Einsatzbereiche der Netzplantechnik:

  • Bauprojekte (Hausbau, Brückenbau, Straßenbau, Schiffsbau, Flugzeugbau, Computerbau)
  • Fertigung von Maschinen und Anlagen
  • Montagearbeiten
  • Instandsetzungs-, Wartungs- und Reparaturarbeiten
  • Durchführung von Werbekampagnen
  • Durchführung des Jahresabschlusses in einem Unternehmen
  • Forschungs- und Entwicklungsarbeiten
  • Vorbereitung von Tagungen und Festivitäten

Aus dieser Entwicklungsgeschichte und den Einsatzbereichen wird deutlich, daß Netzpläne zu erstellen so aufwendig ist, daß nur umfangreiche Projekte auf diese Weise geplant und überwacht werden, andernfalls wäre der Einsatz dieses Mittels nicht mehr effektiv, obwohl durch die Erstellung eines Netzplans einerseits die genaue Reihenfolge der Vorgänge und andererseits deren Zeitbedarf wie bei kaum einem anderen Planungsmittel aufgedeckt werden.
Beides bildet die Grundlage für einen besonderen Vorteil des Netzplans: Er macht auf Vorgänge aufmerksam, die das gesamte Projekt verzögern können. Vor allem erleichtert er auf diese Weise die Überwachung entsprechend kritischer Vorgänge.
Allerdings müßten die Vorgänge auf Arbeitsschrittebene definiert werden, wenn sie gleichzeitig als Handlungsanweisungen dienen sollen. Das würde den Netzplan jedoch völlig unübersichtlich machen, weil er im Regelfall nur für Großprojekte eingesetzt wird. Deshalb ist er meistens nicht das einzige Planungsinstrument und wird durch z. B.
Arbeitsablaufkarten für regelmäßig wiederkehrende (Teil-) Arbeiten, Balkendiagramme, Flußpläne und/oder Struktogramme ergänzt.
Außerdem bietet der Netzplan den Vorteil, daß die benötigten Ressourcen mit in die Betrachtung und damit in die Planung explizit einbezogen werden. Auf der anderen Seite werden sie im fertigen Netzplan im Regelfall jedoch nicht mehr ausgewiesen, so daß deren Einsatz-Überwachung aufwendig bleibt.

Fragen karlheinz@luk-korbmacher.de