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Glauben und Nicht-Glauben |
| Prak- tische Philo- sophie |
Glauben ist angesichts der als überwältigend
einzustufenden Natur für
die meisten Menschen eine Notwendigkeit. Wie anders
könnte sonst die naheliegende Frage nach dem "Warum?" menschengerecht beantwortet
werden? Ohne Glauben würden die meisten Menschen verzweifeln
und den Mut zum Leben verlieren (?). Woran glauben Menschen? Nicht-Glauben ist selten.
Aber selbst die bekennende Atheistin Simone de Beauvoir (1908 - 1986) verliert sich in Sinnlosigkeit, wenn sie
über den Sinn des Lebens nachdenkt: »Welchen Sinn hat
das Leben, wenn es doch radikal vernichtet, vernichtest
wird? Weshalb ist es dann da gewesen? Sinnlos ist
letztlich alles: die Schönheit des Lebens, die Taten der
Menschen, alles. Das Leben ist absurd.« In jedem Fall nehmen wir Menschen uns zu wichtig - wie z. B. der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche (1844 - 1900) oder der griechische Philosoph Kelsos (2. Jh.), der die erste, uns überlieferte Streitschrift gegen das Christentum verfaßte, meinen: Wenn man aber glaubt, den Menschen über die andern lebenden Wesen stellen zu dürfen, weil er sich Vorstellungen von der Gottheit gebildet hat, so sollen die Verfechter dieser Meinung wissen, daß auch darauf viele von den andern lebenden Wesen Anspruch erheben können. Und ganz natürlich: denn was möchte einer wohl göttlicher nennen als das Vorauserkennen und Offenbaren der Zukunft? Dieses also lernen die Menschen von den andern lebenden Wesen, und zumeist von den Vögeln. Und alle die Personen, die auf das achtgeben, was diese anzeigen, sind der Weissagung kundig. Wenn nun die Vögel und alle andern weissagenden Tiere, denen Gott diese Erkenntnis verliehen hat, uns durch Zeichen Aufschluß geben, so scheinen jene von Natur in einem so viel näheren Verkehr mit der Gottheit zu stehen und weiser und von Gott mehr geliebt zu sein. Es sagen aber die Weisen unter den Menschen, daß die Tiere sich auch miteinander unterreden, und daß sie viel heiligere Gespräche führen als wir. Sie selbst behaupten, die Sprache der Tiere zu kennen und diese Kenntnis tatsächlich zu erweisen, indem sie uns berichten, die Vögel hätten erklärt, sie würden sich irgend wohin begeben, und dieses oder jenes tun, und dann den Nachweis liefern, daß diese sich dahin begeben hätten und das täten, was sie eben vorausgesagt hätten. Kein Wesen aber scheint den Eid treuer zu halten und für die Gottheit größere Verehrung zu hegen als die Elefanten, ohne Zweifel doch wohl deshalb, weil sie eine Kenntnis von der Gottheit haben. [Quelle] |
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