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Philo-
sophie |
Jean-Paul
Sartre (1905 1980) war ein französischer Philosoph und
Schriftsteller. Er gilt als einer der Begründer des
sogenannten Existentialismus.
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| 1. |
Kernaussage
des Existentialismus ist, daß der Mensch durch
seine Geburt in die individuelle Existenz
"geworfen" wird und aktiv selbst
versuchen muß, dem Leben einen Sinn zu geben.
Demgemäß ist das menschliche Leben ein Produkt
des jeweiligen Individuums und besitzt keinen von
höheren Mächten verbürgten Sinn. Es gibt
keinen Gott. [Gott
existiert nicht: Die Existenz geht der Essenz
voraus.]
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| 2. |
"Der
Mensch ist dazu verdammt, frei zu sein."
Einzig sein nacktes Dasein ist dem Menschen
vorgegeben; was ihn am Ende ausmacht, muß er
selbst erfinden. Für sein Wesen bestimmende
Grundzüge was er sein soll, damit er eigentlich
Mensch ist, gibt es nicht.
[Der Mensch ist voll
verantwortlich:
Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein.] |
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| 3. |
Der Mensch
entwirft und definiert sich durch seine
Handlungen, durch sein Leben.
[Mensch sein heißt leben: Es gibt Wirklichkeit nur in
der Tat.] |
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| 4. |
Äußerliche
Zwänge aufgrund gesellschaftlicher, natürlicher
oder göttlicher Vorgaben leugnet Sartre. Dies
seien Konstruktionen, die dem Menschen die
Verantwortung für das, was er tut, nicht
abnehmen können. Er sagt: "Die Hölle, das
sind die anderen" und meint damit, daß die
Erwartungen, die durch Mitmenschen an einen
Menschen gerichtet werden, dessen Handeln
bestimmen, wenn er ihnen gerecht zu werden
versucht oder aus Bequemlichkeit, weil er der
Verantwortung für sein Tun ausweicht.
[Der Mensch und die anderen: Er ist, als was ihn die
anderen anerkennen.] |
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| 5. |
Der Mensch
trifft in jeder seiner Handlungen eine Wahl, und
sei es nur die (zum Beispiel unter Folter), zu
leben oder zu sterben.
[Notwendigkeit der Wahl einer
Moral: Ich
kann immer wählen, aber was nicht möglich ist,
ist, nicht zu wählen.] |
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| 6. |
Das Leben
hat vorab keinen Sinn. Jeder Mensch arbeitet ab
seiner Geburt daran, seinem Leben einen
spezifischen Sinn zu geben. "[...
das Leben hat a priori
keinen Sinn. Ehe Sie leben, ist das Leben nichts;
es liegt bei Ihnen, ihm einen Sinn zu verleihen,
und der Wert ist nichts anderes als der Sinn, den
Sie wählen." (S. 34)
Im Original:
"... la vie na pas des sens, a priori.
Avant que vous ne viviez, la vie, elle,
nest rien, mais cest à vous de lui
donner un sens, et la valeur nest pas autre
chose que ce sens que vous choisissez." (S. 89 f.)
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Zweifelte Sartre selbst an seiner Philosophie?
"Aber in Wahrheit muß man sich immer fragen,
was würde geschehen, wenn wirklich alle Welt ebenso handeln würde? [...] Bin
ich wirklich der, welcher das Recht hat, auf solche Weise
zu handeln, daß die Menschheit sich meine Taten zur
Regel nimmt?" (S. 13 f.)
Im Original:
"Mais en vérité, on doit toujours se
demander : quarriverait-il si tout le monde en
faisait autant ? [... S]uis-je bien celui qui a le
droit dagir de telle sorte que lhumanité se
règle sur mes actes ?" (S.
31)
Wir haben uns zunächst mit dem
Satz "Der
Mensch ist dazu verdammt, frei zu sein" beschäftigt:
Auf den ersten Blick scheint der
Satz widersinnig zu sein, denn frei zu sein ist eindeutig etwas Positives. Aber Sartres Formulierung legt nahe, von einer Bestrafung oder
Bürde auszugehen,
also etwas allgemein als negativ eingeschätztem.
Deshalb haben wir im ersten
Schritt versucht zu klären, was es bedeuten könnte, frei zu sein:
- Keine Pflichten zu haben.
- Machen zu können, was man
will (Entscheidungsfreiheit).
- Sich aufzuhalten, wo man
will (Bewegungsfreiheit).
- Seine Meinung frei äußern
zu dürfen/zu können (Redefreiheit).
- Seine Gedanken nicht
einschränken zu müssen (Gedankenfreiheit).
- Sich zu kleiden, wie man
möchte.
In unserem alltäglichen Leben
werden diese Aspekte der Freiheit jedoch häufig
eingeschränkt:
- Nahezu jeder übernimmt mehr
oder weniger freiwillig zahlreiche Pflichten z.
B. als Vater/Mutter, Mitarbeiter in einem
Unternehmen.
- Oft erlaubt es das dazu
fehlende Geld nicht, machen zu können, was man
will.
- Übernommene Pflichten und
das fehlende Geld sowie der Zeitaufwand machen es
meistens unmöglich etwa nur, weil heute das
Wetter kalt und regnerisch ist, in wärme
Gegenden mit Sonnenschein zu wechseln.
- In Deutschland darf jeder
eigentlich seine Meinung frei äußern. Aber es
gibt Themen, bei denen man mit Konsequenzen (etwa
in Form von massiver Kritik) rechnen muß.
Zwischen Dürfen und Können besteht ebenfalls
ein Unterschied: Nicht in jedem Umfeld ist es
ratsam, seine Meinung kund zu tun, weil man sonst
mit Repressalien bis hin zum Verprügelt werden
rechnen muß.
- Gedankenfreiheit ist
uneingeschränkt gewährleistet, wie das Volkslied bereits aussagt.
- Mitunter entscheidet sich
jemand für die Ausübung eines Berufes, in dem
das Tragen einer bestimmten Kleidung wenn nicht
gar Pflicht (z. B. Uniform), so doch mindestens
gern gesehen ist.
Und anläßlich bestimmter Ereignisse (z. B.
Bewerbungsgespräch) ist es ratsam, sich so zu
kleiden, wie das vom Umfeld erwartet wird oder
man selbst meint, wie es vom Umfeld erwartet
wird.
In Verbindung mit den anderen
Aussagen konnten wir feststellen, daß sich Sartre mit seinem Satz wohl auf die Entscheidungsfreiheit bezieht und meint,
- daß es keinen Gott oder
eine andere "höhere Macht" gibt, die
dem Menschen Ziele setzt und ihm vorgibt, was,
wie zu tun ist,
- daß der Mensch frei ist,
sich selbst Ziele zu setzen und danach zu
handeln,
- daß diese Freiheit
gleichzeitig eine Bürde ist, weil der Mensch
nicht nur frei sein darf und frei sein kann, sondern auch frei sein muß, weil er sich entscheiden muß
und die Verantwortung für sein Handeln an
niemand anderen (einen anderen Menschen oder
Gott) abschieben kann.
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