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Sinn des Lebens - Ausklang |
| Prak- tische Philo- sophie |
Hermann
Hesse (1877 - 1962) schrieb 1931 in einem Brief: "Das Leben ist sinnlos, grausam, dumm und dennoch prachtvoll es macht sich nicht über den Menschen lustig (denn dazu gehört Geist), aber es kümmert sich um den Menschen nicht mehr als um den Regenwurm." So ähnlich klingt das bei Arthur Schopenhauer (1788 - 1860). Auch er sieht im Leben keinen Sinn, denn es ist "lediglich" end- und zielloses Streben. Aufgrund seiner Beschreibung kann das Leben außerdem durchaus als grausam und dumm bezeichnet werden. Aber Schopenhauer würde das Leben nie als "dennoch prachtvoll" charakterisieren. Allerdings würde er Hesse darin bestätigen, daß das Leben sich um den Menschen ebenso wenig kümmert wie um den Regenwurm. Hermann Hesse setzt seinen Brief fort: "Daß ausgerechnet der Mensch eine Laune und ein grausames Spiel der Natur sei, ist ein Irrtum, den der Mensch sich erfindet, weil er sich zu wichtig nimmt." Auch Friedrich Nietzsche (1844 - 1900) fand, daß wir Menschen uns zu wichtig nehmen. In seinem Brief führt Hermann Hesse weiter aus: "Wir müssen erst sehen, daß wir Menschen es keineswegs schwerer haben als jeder Vogel und jede Ameise, sondern eher leichter und schöner. Wir müssen die Grausamkeit des Lebens und die Unentrinnbarkeit des Todes erst in uns aufnehmen, nicht durch Jammern, sondern durch Auskosten dieser Verzweiflung. Erst dann, wenn man die ganze Scheußlichkeit der Sinnlosigkeit der Natur in sich aufgenommen hat, kann man beginnen, sich dieser rohen Sinnlosigkeit gegenüberzustellen und sie zu einem Sinn zu zwingen. Es ist das Höchste, wozu der Mensch fähig ist, und es ist das Einzige, wozu er fähig ist. Alles andre macht das Vieh besser." Und auch Friedrich Nietzsche meinte, daß wir Menschen kraft unseres Denkens und Wollens durch "ein hohes und edles »Dazu«" unserem Leben selbst und nachträglich einen Sinn geben könnten. Hermann Hesse empfiehlt in seinem Brief: "Tragen Sie das Leid, kosten Sie die Verzweiflung, aber lernen Sie das Nichtverstehen, das Leid, die Sinnlosigkeit als Vorbedingung für alles erkennen, was der Mensch wert sein kann. Wie Sie nachher Ihren Glauben formulieren, ob christlich oder sonstwie, ist einerlei. Es gibt keine andern Götter, als die der Mensch sich macht. Es gibt ja auch keine andern Regierungen, Gesetze und Moralen, als die der Mensch sich macht. Das tun die Völker im großen, und das tut jeder Einzelne im kleinen. Er gibt dem Sinnlosen einen Sinn, er stellt seine Ahnung, sein Bedürfnis nach Sinn dem Chaos entgegen, und lernt leben, als gebe es einen Gott und als habe das Ganze einen Sinn. Mehr ist nicht vonnöten, um leben zu können." Damit stimmen Hesse und Jean Paul Sartre (1905 - 1980) überein, die beide Gottes Existenz als übergeordnetes Wesen leugnen, aber den Menschen dafür fähig halten - ja ihn sogar dazu "verdammen" - seinem Leben selbst einen Sinn zu geben. Seine Ausführungen schließt Hermann Hesse in seinem Brief mit vielleicht hoffnungsvollen Worten: "Daß die meisten Menschen, auch die jungen, sich meistens diese Frage gar nicht stellen, ist wieder eine andere Sache. Für die meisten ist die Sinnlosigkeit gar kein Leid, sowenig wie für den Regenwurm. Aber eben die Wenigen, die vom Leid ergriffen werden und nach dem Sinn zu suchen beginnen, machen den Sinn der Menschheit aus." |
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