| Meine Maxime für den Unterricht im Fach Praktische
Philosophie: "Philosophie lebt von der Diskussion, vom
Austausch der Meinungen. [...] Denn im philosophischen
Gespräch geht es nicht darum, den anderen mit
allen Mitteln von einer feststehenden Meinung zu
überzeugen. Wichtig ist vielmehr, gemeinsam in
einer Sache weiterzukommen.
Daher
empfiehlt es sich, von vornherein in Betracht zu
ziehen, daß auch der andere recht haben kann. [...] Denn wer nur eine einzige
Meinung kennt, neigt dazu, diese zum Maß aller
Dinge zu machen und das, was die anderen sagen,
vorschnell für Unsinn zu erklären.
Auch vermeintlicher
Unsinn hat oft, wenn man ihn näher betrachtet,
einen versteckten Sinn. [...] Die Wahrheit ist
bisweilen phantastischer, als man denkt. Nichts
ist so unphilosophisch, wie die Meinung, die
eigene Philosophie sei der Weisheit letzter
Schluß. Denn bei der Untersuchung der Wahrheit
gilt, wie Aristoteles (384 - 322 v.
Chr.) an einer
berühmten Stelle seiner Metaphysik sagt, »daß sie einerseits von
niemandem vollständig erreicht werden kann,
andererseits aber auch keiner sie ganz
verfehlt«. Man muß bereit sein, von
anderen zu lernen und zugleich den Mut
haben, selbst zu denken."
aus: Jens
Soentgen: Selbstdenken! 20 Praktiken der
Philosophie, Weinheim Basel 2007, S. 238 f.
|