Schul-Sachen-Verteilerseite Gerechtigkeitskonzepte
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Zu den Ebenen, auf denen Gerechtigkeit herrschen sollte, gehören die Entlohnung und die Vermögensverteilung. Grundlegende Prinzipien der Verteilungsgerechtigkeit können sein:
  • das Beitragsprinzip ("Jedem nach seinem Verdienst.")
  • das Gleichheitsprinzip ("Jedem das Gleiche.")
  • das Bedürftigkeitsprinzip ("Jedem nach seinen Bedürfnissen.")

Darüber hinaus wurden von den Menschen zahlreiche Gerechtigkeitskonzepte entwickelt: (unsortiert und nicht ausformuliert!)

  • "Aug‘ um Auge, Zahn um Zahn"
    => Gleiches mit Gleichem vergelten

    {Exodus 23 - 25: "Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben ein Leben für ein Leben, ein Auge für ein Auge, einen Zahn für einen Zahn, eine Hand für eine Hand, einen Fuß für einen Fuß, Brandmal für Brandmal, Beule für Beule, Wunde für Wunde." Dieses Vergeltungsprinzip geht allerdings auf noch ältere (babylonische) Rechtstraditionen zurück.}
  • "Was Du nicht willst, das man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem andren zu"
    = Goldene Regel, als moralisches Handlungsprinzip in allen Weltreligionen fest verankert.
  • Jedem das Seine! (lat. Suum cuique)
    {Simonides von Keos (Griechischer Dichter): Gerecht ist, jedem zu geben, was man ihm schuldig ist. Oder nach Interpretation von Platon: "Gerecht sei, daß man jedem gebe, was ihm gebühre" (Politea 332).}
  • Gerechtes Handeln ist Streben nach dem absolut Guten
    => Liebe Gottes

    {Platons Ideenlehre: Es gibt die Welt der Sinne = unsere Welt) und die Welt der Ideen; die Ideen sind absolute Werte, die sich in dieser reinen Form in der Welt der Sinne nicht verwirklichen lassen, aber das angestrebte Ideal sind; Hauptidee ist die Idee des absolut Guten, die auch die Idee der Gerechtigkeit einschließt und ausdrücklich jenseits aller rationalen Erkenntnis liegt und nicht mit Worten beschrieben werden kann; und da das Wesen der Ideen sich nur wenigen, besonders begabten Menschen mit gutem Charakter sich plötzlich "wie aus einem Feuerfunken das angezündete Licht" entspringend erschließt, bleibt die Idee des absolut Guten ein Geheimnis. Siehe die Zusammenfassung seiner Erkenntnistheorie in seinem siebten Brief: "Über alle Schriftsteller hierüber [das Gebiet des Wissens], sowohl über die jetzigen wie über die künftigen, welche versichern über die Hauptmaterien meines Studiums Etwas zu wissen, sei es aus meinem eigenen Munde oder aus dem Anderer oder durch eigne Auffindung, habe ich hier den Satz auszusprechen, jene Schreiber verstehen, nach meinem philosophischen Glaubensbekenntnisse wenigstens, über die Philosophie gar nichts. Es gibt ja von mir einmal über jene Materien keine Schrift und wird auch keine geben. Denn in bestimmten sprachlichen Schul-Ausdrücken darf man sich darüber wie über andre Lerngegenstände gar nicht aussprechen, sondern aus häufiger familiärer Unterredung gerade über diesen Gegenstand sowie aus innigem Zusammenleben entspringt plötzlich jene Idee aus der Seele wie aus einem Feuerfunken das angezündete Licht und bricht sich dann selbst weiter seine Bahn. Und soviel wenigstens weiß ich in dieser Beziehung, daß schriftliche oder mündliche Äußerungen hierüber doch am besten von mir geschehen würden, und da muß es mich denn sehr arg schmerzen, daß meine Gedanken entstellt in die Welt hinaus geschrieben worden sind. Wenn es mir vernünftig geschienen hätte, daß jene Gedanken durch Schrift und durch Wort unverschleiert unter dem Volke verbreitet werden dürften, was für eine schönere Lebensaufgabe würde ich da gehabt haben als der Menschheit großes Heil zu bescheren und dabei das Wesenhafteste des Universums aller Welt an's Tageslicht zu bringen! Aber weder die Veröffentlichung jener Geheimnisse noch die populäre Behandlung jener Materien halte ich für Menschen für ein Glück, mit Ausnahme von wenigen Auserwählten, von allen jenen nämlich welche im Stande sind auf einen ganz kleinen Wink selbst zu finden." (Siebter Brief, 341)
    Damit ergeben sich zwischen Platons Ideenlehre und der Lehre Jesu auffallend viele Parallelen: Die Idee des absolut Guten entspricht der Idee Gottes, der als wahre Gerechtigkeit das Prinzip der Liebe verkündet [Du sollst Böses nicht mit Bösem, sondern mit Gutem vergelten und sogar deine Feinde lieben (Matthäus V 38 und 44)]; diese Liebe ist nicht das menschliche Gefühl, sondern die Liebe Gottes, durch die ein Mensch so vollkommen werden soll wie Gott selbst, der die Sonne aufgehen läßt über die Bösen und die Guten und der es regnen läßt über Gerechte und Ungerechte (Matthäus V 45 und 48); solches Ansinnen geht über die beschränkte menschliche Vernunft, so daß der Weg zur göttlichen Gerechtigkeit nicht über rational-logische Erkenntnis, sondern nur über das Geheimnis des Glaubens erschließt (siehe Paulus Brief an die Epheser III 17 bis 19).}
  • Gerechtes Handeln ist die Mitte zwischen Unrecht-Tun und Unrecht-Leiden
    {Aristoteles: Nikomachische Ethik V, 9 [Gerechtigkeit ist die vollkommenste Tugend (V, 3)] => Gerechtigkeit ist das Gegenteil von Unrecht und damit wird vorausgesetzt, daß jeder weiß, was Unrecht ist und daher ist Gerechtigkeit als Mitte zwischen den beiden "Lastern" Unrecht-Tun und Unrecht-Leiden bereits vorgegeben; es wird also die bestehende Ordnung bekräftigt}
  • Gleiches Recht für alle
    => Gleichbehandlung, insbesondere: Gleichheit vor dem Gesetz

    {Art. 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren...
    Art. 2, Abs. (1) Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeine Unterscheidung... (Erklärung der Menschenrechte).}
  • Das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl
    {"The greatest happiness of the greatest numbers" (Jeremy Bentham); vorher bereits Francis Hutechson (Lehrer von Adam Smith): "Das größte Glück der größten Zahl"
    Altchinesischer Vorläufer entsprechenden utilitaristischen Gedankenguts ist Mozi: "Einer, der in der Welt etwas ausführt, kann dies nicht ohne einen Maßstab." "Das beste Vorbild ist der Himmel." "Nimmt man den Himmel zum Vorbild, dann muß man sich in allem seinem Tun am Himmel orientieren und das, was der Himmel wünscht, befolgen, und unterlassen, was er nicht wünscht. (…) Ganz gewiß wünscht der Himmel, daß die Menschen einander lieben und sich gegenseitig unterstützen..." Das gilt insbesondere für den nur dem Himmel gegenüber verantwortlichen Herrscher, von Mozi »der Menschliche« genannt: "Es ist die Aufgabe eines Menschlichen, sich um die Mehrung des Nutzens im Reiche zu mühen, Schaden von ihm abzuwenden und ein Vorbild für die Welt zu sein. Deshalb tut er das, was den Menschen nützt und unterläßt, was ihnen nichts nützt. Darüber hinaus denkt der Menschliche, wenn er den Nutzen des Reiches plant, nicht nur an das, was das Auge erfreut, dem Ohr behagt, dem Gaumen schmeckt und dem Körper angenehm ist. Denn wenn er dazu das Volk der für Kleidung und Nahrung notwendigen Güter berauben müßte, würde er das unterlassen." Wobei als Grundprinzip das der Nächstenliebe gelten muß: "Wenn man andere Staaten wie den eigenen betrachtet und andere Familien wie die eigene und andere Menschen wie sich selbst, dann werden die Feudalfürsten einander lieben und keinen Krieg miteinander führen, und die Familienvorstände werden untereinander Freundschaft pflegen und nicht aufeinander übergreifen, und die Menschen werden einander lieben und nicht schädigen. (...) und Elend, Übergriffe, Unzufriedenheiten und Haß werden in der ganzen Welt nicht mehr aufkommen können. Dies hat seinen Grund in der gegenseitigen Liebe."}
  • "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde"
    = Immanuel Kants kategorischer Imperativ
    => Verhalte dich im Einklang mit den generellen Normen der herrschenden gesellschaftlichen Ordnung
    {Menschliches Verhalten ist gerecht, wenn es durch Normen bestimmt ist, von denen der handelnde Mensch wünscht, daß sie für alle Menschen verbindlich seien.}
  • "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen"
    = kommunistisches Gerechtigkeitsprinzip
    {Karl Marx: Kritik des Gothaer Programms, MEW 19, 21}
  • Wenn eine Veränderung irgendeinem nützt und niemandem schadet, dann ergibt sich eine Verbesserung für alle
    = Pareto-Optimum
  • Gerechtigkeit als Fairness
    {John Rawls entwickelte zwei Gerechtigkeitsgrundsätze:
    – politisch-rechtliche Gleichheit bei maximaler individueller Freiheit
    – faire Chancengleichheit verbunden mit gerechtfertigten Ungleichheiten (= Differenzprinzip)
    Hervorzuheben ist dabei der Vorrang der Freiheit [wesentliche Grundfreiheiten sind: politische Freiheit (Wahlrecht), Rede- und Versammlungsfreiheit, Unverletzlichkeit der Person, Recht auf Eigentum], die Fairness [Menschen mit ähnlichen Fähigkeiten sollten ähnliche Lebenschancen haben, formale Chancengleichheit reicht nicht aus], gesellschaftliche Ungleichheiten sind nur dann zu rechtfertigen, wenn und soweit sie auch dem schlechtest gestellten Mitglied der Gesellschaft noch zum absoluten Vorteil gereichen.
    (Eine Theorie der Gerechtigkeit, stw 1971, S. 336 f.:
    Erster Grundsatz: Jedermann hat das gleiche Recht auf das umfangreichste Gesamtsystem gleiche Grundfreiheiten, das für alle möglich ist.
    Zweiter Grundsatz: Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten müssen folgendermaßen beschaffen sein: (a) sie müssen unter der Einschränkung des gerechten Spargrundsatzes den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil bieten, und (b) sie müssen mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen gemäß fairer Chancengleichheit offen stehen.
    Erste Vorrangregel (Vorrang der Freiheit): Die Gerechtigkeitsgrundsätze stehen in lexikalischer Ordnung [= vorgegebener Reihenfolge]; demgemäß können die Grundfreiheiten nur um der Freiheit willen eingeschränkt werden, und zwar in folgenden Fällen: (a) eine weniger umfangreiche Freiheit muß das Gesamtsystem der Freiheit für alle stärken; (b) eine geringere als gleiche Freiheit muß für die davon Betroffenen annehmbar sein.
    Zweite Vorrangregel (Vorrang der Gerechtigkeit vor Leistungsfähigkeit und Lebensstandard): Der zweite Gerechtigkeitsgrundsatz ist dem Grundsatz der Leistungsfähigkeit und Nutzenmaximierung lexikalisch vorgeordnet; die faire Chancengleichheit ist dem Unterschiedsprinzip vorgeordnet und zwar in folgenden Fällen: (a) eine Chancen-Ungleichheit muß die Chancen der Benachteiligten verbessern; (b) eine besonders hohe Sparrate muß insgesamt die Last der von ihr Betroffenen mildern.)
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