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Wenn Du den ersten Atemzug
in Deinem Leben getan hast,
dann ist eines sicher:
Es kommt die Zeit,
in der Du Deinen letzten Atemzug getan haben wirst.

Die Portraits kurz vor und kurz nach dem Tod von Walter Schels (* 1936) mögen der "Hinführung" dienen.

Zu leben muß man das ganze Leben über lernen
und was dich vielleicht noch mehr wundern wird,
das ganze Leben über muß man sterben lernen.

nach Seneca (ca. 1 - 65): Von der Kürze des Lebens, Stuttgart 2008, VII 3

Philosophieren kann uns helfen das Sterben zu erlernen - so Michel de Montaigne (1533 - 1592) unter Rückgriff auf den römischen Politiker, Schriftsteller und Philosophen Cicero (106 - 43 v. Chr.) -, denn "... philosophieren sei nichts anderes, als sich auf den Tod vorzubereiten." [Quelle und Original]

Der Umgang mit dem Sterben und dem Tod war früher ganz offensichtlich ein anderer als heute - obwohl ein Umdenken eingesetzt hat.

Der Tod ist das Heilmittel für die Leiden,
die ihr euch selbst zufügt;
die Natur hat gewollt, daß ihr nicht immer leiden sollt.

Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778): Emile oder Über die Erziehung, Paderborn 1998, S. 294 [Original]

Sterben ist ein zutiefst natürlicher, biologischer Prozeß, den die gesamte belebte Natur unseres Planeten Erde - soweit wir Menschen sie wahrnehmen (können) - durchläuft.

Der Tod berührt mich nicht,
denn, wenn ich tot bin,
dann lebe ich nicht mehr,
und solange ich lebe,
bin ich nicht tot.

frei nach Epikur (um 341 – 271 oder 270 v. Chr.)

Das individuelle Erleben des Sterbens - den Übergang in das "Königreich des Wurms" - schildern beispielhaft die sterbende Ruth Picardie (1964 - 1997) und ihr Ehemann Matt Seaton (* 1965) sowie ihre Schwester Justine Picardie (* 1961); einerseits in Form von nach dem Tode veröffentlichten E-Mail-Austausch mit Freunden, Berichten an die Leserschaft einer Zeitung bzw. an die interessierte Öffentlichkeit und andererseits als Aufarbeitung des Erlebten - im Sinne von Michel de Montaigne oder Wystan Hugh Auden (1907 - 1973) als Jammern und Heulen, als Wut und Verzweifelung - oder doch im Sinne von Sarah Schons (* 19??) als Selbstdarstellung der Überlebenden.

Bestehen hier prinzipielle Unterschiede zum "öffentlichen Sterben" der Jade Goody (1981 - 2009)?

Genießt das Leben in vollen Zügen,
jede Sekunde, jede Minute.
Nichts, was ihr versäumt kommt zurück.
Seid immer vorbereitet.
Wenn ihr auf den Tod vorbereitet seid,
seid ihr es noch viel mehr auf das Leben.

Henry (Petra Kriegel)

E-Mail karlheinz@luk-korbmacher.de