Schul-Sachen-Verteilerseite In Würde sterben
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Aufgrund des medizinischen Fortschritts konnten "[d]ie Grenzen des menschlichen Lebens ... gerade in dem letzten Jahrhundert erheblich zu Gunsten eines längeren Lebens verschoben werden." [Quelle] Das gelang nur durch eine Technisierung der Medizin. "Erkauft" wurde diese Entwicklung nach Meinung vieler durch eine Entmenschlichung der medizinischen Behandlung von Patienten, so daß inzwischen das Schlagwort von der "Apparate-Medizin" die Runde macht.

Wen wundert es deshalb, daß im Anschluß an die spektakulären Erfolge in der Medizin-Technik (1954 erste erfolgreiche Nierentransplantation, 1963 erste Lebertransplantation und erste erfolgreiche Lungentransplantation, 1967 erste erfolgreiche Herztransplantation, ab Beginn der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts sprunghafter Anstieg der Erfolgsaussichten von Organtransplantationen durch den Einsatz von Cyclosporin) sowie der Verbesserungen auf praktisch allen medizinischen Gebieten und parallel zur weiten Verbreitung dieser Technik und der übrigen medizinischen Fortschritte die Frage nach einem Sterben in Würde immer häufiger von den Betroffenen aufgegriffen wurde und sich Organisationen und Institutionen der Sterbebegleitung (wie z. B. die Hopiz-Bewegung) und der Palliativmedizin heraus bildeten.

Gerade wenn die Diagnose lautet "unheilbar", bewegen sich alle Beteiligten in einem Spannungsfeld zwischen den (tatsächlichen) Wünschen des Sterbenden, den vermeintlichen Wünschen des Sterbenden nach Ansicht von Angehörigen und Freunden, den Wünschen und Erfahrungen von Angehörigen und Freunden des Sterbenden, den medizinischen (und in zunehmendem Maße auch den finanziellen) Möglichkeiten der Beteiligten, vom Berufs- und Selbstverständnis des behandelnden Arztes, den gesetzlichen Vorschriften und - nicht zuletzt - ethischen Vorstellungen der Beteiligten. Widersprüche, Mißverständnisse und unterschiedliche Auffassungen sind fast schon nicht zu vermeiden. Deshalb sollte beizeiten jeder eine Patientenverfügung erstellen, damit es im Falle der Nicht-Ansprechbarkeit des Sterbenden den Verantwortlichen leichter gemacht wird - ganz besonders dann, wenn der Sterbende unter bestimmten Umständen sogar Sterbehilfe in Anspruch nehmen möchte.

Anne-Marie Tausch (1925 - 1983) verwendete den Begriff "Sanftes Sterben", obwohl - oder gerade weil - ihrem Tod eine (aus meiner Sicht) ganz anders zu bewertende (Lebens- bzw. Sterbens-) Phase vorausging, wie sie nicht nur Carl Spitzweg (1808 - 1885) als Wunsch vorschwebte:

Oft denk' ich an den Tod, den herben,

Und wie am End' ich's ausmach'?!

Ganz sanft im Schlafe möcht' ich sterben

Und tot sein, wenn ich aufwach'!

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