Schul-Sachen-Verteilerseite Verantwortliches Handeln in der Wirtschaft
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Alle bisher bekannt gewordenen Gesellschaften funktionieren nur deshalb, weil nicht jedes Mitglied einer Gesellschaft sein Leben allein und unabhängig von den übrigen Gesellschaftsmitgliedern meistert, sondern, weil zwischen den verschiedenen Gesellschaftsmitgliedern mehr oder weniger intensive Abhängigkeiten bestehen: Bis auf wenige Ausnahmen kann niemand in einer solchen Gesellschaft ohne andere leben.

Das Leben in einem Beziehungsgeflecht wirft die Frage nach dem Handeln der einzelnen in diesem Beziehungsgeflecht auf.

Weil in dem Beziehungsgeflecht gegenseitige Abhängigkeiten existieren, ist jedes Handeln mit der Frage nach der Verantwortung für das eigene Handeln in Bezug auf die eigene Existenz und in Bezug auf die Existenz der Gesellschaft bzw. anderer verbunden.

Hinzu kommt, daß in den meisten Gesellschaften bei der jeweils überwiegenden Mehrzahl der Gesellschaftsmitglieder mehr und höherwertige materielle Bedürfnisse bestehen, als die Natur ohne Arbeit bereit stellt. Um solche Bedürfnisse befriedigen zu können, müssen die Gesellschaftsmitglieder arbeiten, Vorräte anlegen, planen, tauschen usw. - kurz gesagt, sie müssen wirtschaften. Deshalb treten zu den personalen, sozialen und kulturellen Beziehungen zwischen den Gesellschaftsmitgliedern wirtschaftliche Beziehungen hinzu.


Verantwortliches Handeln in der Wirtschaft versuchten wir an einem konkreten Beispiel aus philosophischer Sicht zu untersuchen; auch mit dem Ziel, zu erfahren, inwieweit philosophische Fragestellungen das Alltagsleben durchdringen. Die Entscheidung fiel auf den Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn AG (DB) und der Gewerkwerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) im Jahre 2007, weil einerseits das Geschehen parallel zum Unterricht verlief, weil zweitens persönliche Betroffenheit zumindest in einigen Fällen gewährleistet war, weil drittens die Komplexität des Geschehens hinreichende Erkenntnisse im Hinblick auf unsere Zielsetzung versprach und weil viertens davon ausgegangen werden konnte, daß hinreichend viele Informationen über das Geschehen zu erhalten seien würden.

Nachdem sich dieser Tarifstreit "in die Länge zog" und Monat um Monat verging, ohne daß wesentliche Ereignisse außer gegenseitiger öffentlicher Beschimpfungen und Schuldzuweisungen zu verzeichnen waren, mußten wir diesen Versuch abbrechen und uns auf anderem Wege unserem Ziel nähern. Zur Erleichterung unseres Erkenntnisprozesses - vor allem auch im Hinblick auf die angewandte Methode - untersuchten wir zusätzlich weitere Situationen, in denen die Betroffenen wirtschaftliche Handlungen vollziehen und dabei Verantwortung übernehmen müssen. Eine entsprechende Geschichte erzählte uns Emilia, eine Kleidernäherin aus Honduras.

Dabei erwies es sich als notwendig, den Begriff "Verantwortung" grundlegend aus philosophischer Sicht zu untersuchen.

E-Mail karlheinz@luk-korbmacher.de