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Inventur
Einmal im Jahr herrscht in vielen Betrieben Ausnahmezustand: Kurz vor oder nach dem Jahreswechsel wird "Inventur gemacht". Dabei wird das Verzeichnis des Betriebsvermögens ("Inventar") auf den aktuellen Stand gebracht. Zu diesem Zweck müssen alle Vermögenswerte in Augenschein genommen, nach Menge und Gewicht erfasst und vor allem: bewertet werden. Wir erläutern, was es mit der "körperlichen Bestandsaufnahme" auf sich hat und wer dazu verpflichtet ist.

Das Schild: "Wegen Inventur geschlossen!" kennen Sie bestimmt. Wahrscheinlich haben Sie sogar schon einmal Einzelhändler und Aushilfen mit Kuli und Klemmbrett oder Mini-PCs, Hand-Scanner und Barcodelisten durch Läden laufen sehen. Inventur klingt nach Bürokratie, brotloser Kunst und Zeitverschwendung...

Aber wie so häufig im Rechnungswesen klingt es nur so! Zwar ist die Inventur mit Arbeit verbunden - manchmal sogar mit schmutziger und langweiliger Arbeit - und inzwischen wird die Inventur sogar gesetzlich vorgeschrieben, dennoch: Ein Kaufmann ist selbst höchst interessiert, zu erfahren, welche Vermögensgegenstände und -werte sich in seinem Unternehmen befinden - eventuell nur aus dem Grund, um sie mit dem zu vergleichen, was sich seiner Meinung nach an Vermögensgegenständen und -werten in seinem Unternehmen befinden müßte, aber nicht mehr vorhanden ist, weil sie z. B. verdarben, ohne daß dies registriert wurde, oder gestohlen wurden.

Welche Tätigkeiten mit welchem Zweck nach welchen Vorschriften im Rahmen einer Inventur ausgeführt werden, beschreibt dieser Artikel, wobei dem Verweis auf den Inventur-Service Lauer gefolgt werden sollte. Umfassend unter Einbezug modernster Erfassungsmethoden und vor allem unter Einbezug der Problematik der Bewertung informiert Harry Zingel über das Thema.

Inventar Ergebnis der Inventur sind meistens umfangreiche Listen der Vermögensgegenstände, die anschließend bewertet und fein säuberlich und wohl geordnet im Inventar festgehalten werden. Aber nicht nur das Vermögen, sondern auch die Schulden des Kaufmanns sind im Inventar detailliert zu beschreiben und zu verzeichnen.

Bereits Luca Pacioli, der im Jahre 1494 die erste gedruckte Darstellung der Buchhaltung verfaßte, stellt das Inventar an den Anfang seines Lehrwerkes und beschreibt im Detail dessen Inhalt. Außerdem bemerkt er: "Dieses Inventar muß an ein und demselben Tage angefertigt werden, sonst würde es den zukünftigen Handel stören." (S. 90) Und: "...beschreibe alle Sorten, eine nach der anderen, [...] mit allen möglichen Kennzeichen und mit größter Deutlichkeit nach Gewicht, Anzahl und Maß..." (S. 91 f.)

So ist noch heute zu verfahren - auch wenn sich seit Paciolis Zeiten eine andere Reihenfolge bei der Beschreibung durchgesetzt hat:

A. Vermögen

I. Anlagevermögen

II. Umlaufvermögen

B. Schulden

I. Langfristige Schulden

II. Kurzfristige Schulden

C. Reinvermögen (= Eigenkapital)

Die Posten des Anlage- und Umlaufvermögens werden nach ihrer "Geldferne" geordnet, also nach dem Grad, wie schnell sie in Geld umgesetzt werden können.

Die Schulden, also das im Unternehmen arbeitende Fremdkapital, werden nach ihrer Fälligkeit geordnet.

Das Reinvermögen errechnet sich aus dem Vermögen abzüglich der Schulden und gibt daher den Betrag an, den der Unternehmer an eigenen (Finanz-) Mitteln in das Unternehmen eingebracht hat.

Bilanz  
  Unterschiede zwischen Inventar und Bilanz
 

Inventar

Bilanz

Form

Staffelform

Kontenform

Angaben

Mengen und Werte

Werte

Umfang der Darstellung

ausführliche Darstellung des Vermögens und der Schulden

zusammenfassende Gegenüberstellung der Vermögenswerte und der Kapitalquellen

Herkunft der Daten

Inventur (-verzeichnis)

Inventar, Handelsbücher und Belege

Fragen karlheinz@luk-korbmacher.de