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Aufgabe 1:
Lese den Text von Werner Onken zum Zins als Angelpunkt von Wirtschaft und Moral.
 
Aufgabe 2:
Was ist der Zins aus volkswirtschaftlicher Sicht?
Als Zins bezeichnen Volkswirte die Entlohnung für den Produktionsfaktor Kapital.
 
Aufgabe 3:
Welche Bedeutung besitzt der Begriff "Zins" in Onkens Text?
Onken verwendet den Begriff "Zins" in der landläufigen Bedeutung: als Entgelt für Kredite.
 
Aufgabe 4:
Warum waren Kreditzinsen verboten?
Durch das Zinsnehmen wurde die Kluft zwischen Armen und Reichen größer, deshalb wurde das Zinsnehmen als Wucher und Ausbeutung empfunden, insbesondere, weil Reiche ohne zu arbeiten reicher wurden. Damit wurde die bestehende soziale Ordnung, insbesondere der Zusammenhalt, aufgebrochen und verändert. Egoistische Einstellungen rückten in den Vordergrund. Das alles war mit den Vorstellungen der Weltreligionen vom harmonischen Zusammenleben der Menschen nicht vereinbar, deshalb wurde das Zinsnehmen im Machtbereich dieser Religionen verboten.
 
Aufgabe 5:
Womit begründen Wirtschaftswissenschaftler die Existenz des Kreditzinses?
Er ist "... eine Belohnung für die Bereitschaft der Gläubiger, auf gegenwärtigen Konsum zu verzichten und Teile ihres Vermögens an Schuldner zu verleihen, welche damit in die Lage versetzt werden, in Produktionsgüter zu investieren und Gewinne zu erzielen. Der Konsumverzicht und der Vorteil der Produktivität hätten einen Preis - den Zins, den die Schuldner vom Gewinn abzweigen."
 
Aufgabe 6:
Welche Kritik übt Onken an dieser Begründung?
Onken übt an dieser Begründung dreifache Kritik:
  1. Bei den Millionenbeträgen, die in modernen Volkswirtschaften als Kredite vergeben werden, kann nicht mehr von Konsumverzicht gesprochen werden.
  2. Nicht jede Investition führt zu Gewinn.
  3. Gäbe es den behaupteten Zusammenhang zwischen Zins und Produktivität, so müßten beide gleichzeitig fallen oder steigen.
 
Aufgabe 7:
Auf welche Weise gelingt es nach Auffassung von Onken den Wirtschaftswissenschaftlern, den Kreditzins als systemunabhängiges, also unpolitisches Phänomen darzustellen?
Kredit und Zins sind Phämomene sowohl der naturalen Tauschwirtschaften als auch der Geldwirtschaften. Sie sind somit zeitlos und systemunabhängig. Das Geld ist lediglich ein "Schleier", der sich über die Volkswirtschaft legt. Es erleichtert den Tausch, hat aber selbst keinen Einfluß auf das Wirtschaften.
 
Aufgabe 8:
Findet Onken die Zinsnahme moralisch verwerflich?
Nein, wenn die Kreditzinsen für das Risiko des Verleihens und zur Erstattung der Kosten für Kreditvermittlung und -bearbeitung gezahlt werden nicht.
Diese beiden Entlohnungsbestandteile bestimmen auch die gerechte Höhe des Kreditzinses, denn sie signalisieren wie knapp Geld für Investitionen in einer Volkswirtschaft ist und lenken so finanzielle Ressourcen in lohnende Anlagen.
 
Aufgabe 9:
Was ist die Liquiditätsverzichtsprämie?
Wer auf Liquidität verzichtet, weil er Erspartes an Dritte verleiht, erhält dafür eine Entlohnung.
Die Liquiditätsverzichtsprämie ist neben der Risikoprämie und der Kostenerstattung ein dritter Bestandteil des Kreditzinses.
 
Aufgabe 10:
Wie beurteilt Onken die Liquiditätsverzichtsprämie?
Werner Onken wünscht den Verzicht auf die Liquiditätsverzichtsprämie. Sie ist seiner Meinung nach ein Machtfaktor, der den Ausgleich von Kreditangebot und -nachfrage behindert bzw. verfälscht. Sie verstößt gegen das Leistungsprinzip, weil jemand, der nichts leistet (= arbeitet) trotzdem Einkommen erzielt. Auf diese Weise werden Einkommen aus selbständiger und nicht-selbständiger Arbeit zugunsten müheloser Besitzeinkommen geschmälert. Eine ständige Umverteilung vom Produktiven zum Vermögen, von Ärmeren zu Reicheren findet darin ihren Ausdruck. Die Allokationsfunktion des Kreditmarktes kann nicht mehr zum Wohle aller erfüllt werden, wie etwa die Produktion von Verschleißgütern, die mit der Rationalisierung einhergehende Arbeitslosigkeit, Gentechnologie, Atomwirtschaft und Rüstungsproduktion beweisen: "Das Ziel der Verzinsung von Eigen- und Fremdkapital dominiert eindeutig gegenüber dem Sachziel der Deckung des menschlichen Bedarfs (Heinen, Kosiol). Das Wirtschaftlichkeitsprinzip, das beim Naturaltausch gilt und auch bei einem tatsächlich neutralen Geldschleier gelten würde, tritt hinter das Rentabilitätsprinzip zurück." Vor dem Absturz der Aktienkurse in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts wurde dieses Handlungsziel zum bestimmenden Ziel: Die Gewinne am Aktienmarkt wurden wichtiger als eine solide betriebswirtschaftliche Basis des jeweiligen Unternehmens.
 
Aufgabe 11:
Sollte der Staat Einfluß auf die Höhe des Kreditzinses nehmen?
Eingriffe in den Kreditmarkt lehnt Onken ab. Die Geschichte habe gezeigt, daß weder das kanonische Zinsverbot noch die indirekte Steuerung durch Geldmarktpolitik, noch alle anderen Versuche des Staates den Kreditzins so zu bestimmen, daß er zum Wohle aller bestmöglich beitragen kann, gescheitert sind. Nur der Abbau der Liquiditätsverzichtsprämie und des vierten Bestandteils des Kreditzinses, der Inflationsausgleich, mit Hilfe sogenannter Durchhaltekosten, die das Horten von Geld unattrativ machen und den Liquiditätsvorteil des Geldes - aufgrund der Flexibilität seines Einsatzes in allen erdenklichen Investitionen - neutralisieren, können den Kreditzins auf eine gerechte Höhe beschränken, die es ermöglicht, die Allokationsfunktion wieder vollständig auszufüllen.
 
Aufgabe 12:
Werner Onken behauptet, daß durch den Wegfall der Liquiditätsverzichtsprämie die Umlaufgeschwindigkeit verstetigt und damit "berechenbar" wird. Wäre dies der Fall, dann könnte die Geldmenge direkt an das Gütervolumen angepaßt werden. Das würde letztlich zur absoluten Geldwertstabilität führen. Welche Kritik kann an dieser Auffassung angebracht werden?
Es ist unmöglich, das Gütervolumen vorherzusagen, daher muß stets mit mehr oder weniger großen Abweichungen zwischen Geld- und Gütermenge gerechnet werden. Ungleichgewichte zwischen beiden Mengen führen automatisch zu inflationären bzw. deflationären Entwicklungen.
 
Aufgabe 13:
Markt und Moral
a) Welche Beispiele nennt Onken, an denen er seine Meinung festmacht, daß die Wirtschaft kein moralfreier Raum sei?
b) Warum kann nach Onkens Auffassung der Markt seine Allokationsfunktion nicht mehr zum Wohl der Menschen erfüllen?
c) Welches Handeln wäre nach Onken statt dessen moralisch wertvoll?
Werner Onken spricht von der strukturellen Macht des Geldes, die sich im überhöhten Kreditzins niederschlägt und die die Entscheidungen der Wirtschaftssubjekte verfälscht und dadurch den Markt unmoralisch und irrational werden läßt. Er fragt: "Was ist rational an vier Millionen Arbeitslosen und an der Genmanipulation oder an der sogenannten Endlagerung radioaktiver Abfälle der Atomwirtschaft?" "Die exponentielle Selbstvermehrung der Geldvermögen durch Zins und Zinseszins und ein schrankenloses Wirtschaftswachstum" sind seiner Auffassung nach unmoralisch, weil sie die Produktionsfaktoren aufgrund der im Vordergrund stehenden Rentabilitätskriterien in irrationale Verwendungen drängen, die nicht den "wirklichen Wünschen der Menschen" entsprechen. Rein rationales Handeln wäre dagegen moralisch wertvoll.

Aber: Wer bestimmt, was die "wirklichen Wünsche der Menschen" sind?
Oder sollten wir diese Entscheidung doch lieber jedem einzelnen Menschen überlassen, so wie Adam Smith meint: "Whoever offers to another a bargain of any kind, proposes to do this: Give me that which I want, and you shall have this which you want... It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker, that we expect our dinner, but from their regard to their own interest. We adress our selves, not to their humanity but to their selflove, and never talk to them of our own necessities but of their advantages." (Book I, Chapter II)

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