Dem widersprechen Verhaltensökonomiker:

"... die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher lässt sich, wie unsere Experimente gezeigt haben, ohne weiteres manipulieren, und das bedeutet, dass Verbraucher ihre Präferenzen und die Preise, die sie für verschiedene Produkte und Leistungen zu bezahlen bereit sind, in Wirklichkeit nicht sonderlich gut im Griff haben.

Zweitens lassen die hier gezeigten Manipulationen der Verankerung entgegen der Annahme der ökonomischen Standardtheorie erkennen, dass die Kräfte von Angebot und Nachfrage keineswegs voneinander unabhängig sind. In der realen Welt erfolgt die Verankerung durch den empfohlenen Verkaufspreis des Herstellers (UVP), durch die in Anzeigen, bei Werbekampagnen, Produktpräsentationen und so weiter genannten Preise. All dies sind Variablen auf der Angebotsseite. Also scheint die Kausalität eher umgekehrt zu sein, dass nämlich weniger die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher die Marktpreise beeinflusst, als vielmehr die Marktpreise selbst die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher beeinflussen. Das bedeutet, dass die Nachfrage in Wirklichkeit keine vom Angebot völlig unabhängige Kraft ist."

aus: Dan Ariely: Denken hilft zwar, nützt aber nichts. Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen, übersetzt von Maria Zybak und Gabriele Gockel, München 2010, S. 85