Adam Smith (1723 -1790) berühmtes Zitat von der "unsichtbaren Hand":

"Nun ist aber das Volkseinkommen eines Landes immer genau so groß wie der Tauschwert des gesamten Jahresertrags... Wenn daher jeder einzelne soviel wie nur möglich danach trachtet, sein Kapital zur Unterstützung der einheimischen Erwerbstätigkeit einzusetzen und dadurch diese so lenkt, daß ihr Ertrag den höchsten Wertzuwachs erwarten läßt, dann bemüht sich auch jeder einzelne ganz zwangsläufig, daß das Volkseinkommen im Jahr so groß wie möglich werden wird. Tatsächlich fördert er in der Regel nicht bewußt das Allgemeinwohl, noch weiß er, wie hoch der eigene Beitrag ist. Wenn er ... dadurch die Erwerbstätigkeit so fördert, daß ihr Ertrag den höchsten Wert erzielen kann, strebt er lediglich nach eigenem Gewinn. Und er wird in diesem wie auch in vielen anderen Fällen von einer unsichtbaren Hand geleitet, um einen Zweck zu fördern, den zu erfüllen er in keiner Weise beabsichtigt hat... ja, gerade dadurch, daß er das eigene Interesse verfolgt, fördert er häufig das der Gesellschaft nachhaltiger, als wenn er wirklich beabsichtigt, es zu tun. Alle, die jemals vorgaben, ihre Geschäfte dienten dem Wohl der Allgemeinheit, haben meines Wissens niemals etwas Gutes getan... Der einzelne vermag ganz offensichtlich aus seiner Kenntnis der örtlichen Verhältnisse weit besser zu beurteilen, als es irgendein Staatsmann oder Gesetzgeber für ihn tun kann, welcher Erwerbszweig im Lande für den Einsatz seines Kapitals geeignet ist und welcher einen Ertrag abwirft, der den höchsten Wertzuwachs verspricht."

aus: Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen, aus dem Englischen neu übertragen nach der fünften Auflage (letzter Hand) [1789] von Horst Claus Recktenwald, München 1974, Buch IV, Kapitel II, S. 370 f.

Ähnlich beschreibt Adam Smith bereits 1759 in seinem philosophischen Hauptwerk "Theorie der ethischen Gefühle" das Wirken der "unsichtbaren Hand":

"The produce of the soil maintains at all times nearly that number of inhabitants which it is capable of maintaining. The rich only select from the heap what is most precious and agreeable. They consume little more than the poor, and in spite of their natural selfishness and rapacity, though they mean only their own conveniency, though the sole end which they propose from the labours of all the thousands whom they employ, be the gratification of their own vain and insatiable desires, they devide with the poor the produce of all their improvements. They are led by an invisible hand to make nearly the same distribution of the necessaries of life, which would have been made, had the earth been divided into equal portions among all its inhabitants, and thus without intending it, without knowing it, advance the interest of the society, and afford means to the multiplication of the species."

aus: Adam Smith: The Theory of Moral Sentiments, Part IV, Chapter I, [1759] 6. Auflage 1790, in: The Works of Adam Smith, Volume I, [1811 &ndash 1812] Nachdruck Aalen 1963, S. 318 f.

Der Glaube an die "Selbstheilungskräfte des Marktes" bzw. die ordnende Kraft einer "unsichtbaren Hand" zum Wohle der Gemeinschaft ist fester Bestandteil einer Geisteshaltung, in deren Tradition Adam Smith lebte und wirkte: "Üblicherweise hat keines der Individuen, die auf einem Markt tätig sind, die Absicht, dadurch den Marktmechanismus als einen gesellschaftlichen Koordinationsmechanismus in Gang zu setzen, und doch tragen alle, bewußt oder unbewußt, mit oder gegen ihre Absicht, dazu bei" [Quelle] und schaffen so eine spontane Ordnung.

Aber vielleicht ist die "unsichtbare Hand" mit der "Hand Gottes" gleichzusetzen: "Tue Gutes, denn dann erlangst Du das Seelenheil!" [Vgl. z. B. 1. Timotheus 6, 17 - 19.]

Das Menschenbild der "schottischen Moralisten", zu denen Adam Smith gezählt wird, das aus dieser Geisteshaltung entspringt, ist geprägt durch

und weicht damit vom Menschenbild des homo oeconomicus, das der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie zugrunde liegt, in wesentlichen Punkten ab.