Schul-Sachen-Verteilerseite Irrationales Handeln
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Die Verhaltensökonomik ermittelte: Irrationalität beeinflußt viel prägender als Rationalität das reale menschliche Handeln.

Trotzdem hält die beherrschende Volkswirtschaftslehre am Modell des ausschließlich rational handelnden homo oeconomicus fest und "biegt" sich irrationales Verhalten zurecht. Die meisten Volkswirte und die meisten Menschen überhaupt sehen den Menschen wie William Shakespeare (1564 - 1616), als vernunftgemäß handelndes Meisterwerk der Natur mit unbegrenzten Fähigkeiten. Und die Volkswirte sind zusätzlich spätestens seit Adam Smith (1723 - 1790) davon überzeugt, daß nicht-rationales Handeln "auf normalen Märkten ... aufgrund der Marktkräfte in Kombination mit der Erfahrung der Teilnehmer ..." an Bedeutung verliert (Stewen Levitt/John List).

Dan Ariely (* 1967) fragt sich angesichts der beobachtbaren Tatsache, "dass die Fehler, die wir alle machen, nicht ausschließlich dem Zufall geschuldet, sondern ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Natur sind", "warum so viele kluge Menschen überzeugt sind, dass sich jede Irrationalität in Luft auflöst, sobald es um wichtige Geldentscheidungen geht. Warum glauben sie, dass Institutionen, Wettbewerb und Marktmechanismen uns gegen Fehler immun machen? Wenn Wettbewerb ausreichen würde, um irrationales Verhalten zu überwinden, gäbe es dann noch Rüpeleien bei Sportwettkämpfen oder den Raubbau der Sportprofis am eigenen Körper?"

Dabei ist das "Wissen über irrationales Verhalten ... für unser Handeln und unsere Entscheidungen im Alltag, für das Verständnis dessen, wie wir unsere Umgebung gestalten und mit den Wahlmöglichkeiten umgehen, die sie uns bietet[, wichtig, weil] ... wir nicht nur irrational, sondern vorhersagbar irrational handeln ..." [Quelle]

Sogar die mikroökonomische Theorie bemerkt Einflüsse von anderen Größen als Preisen und den Gebrauchswert von Gütern auf das Nachfrage-Verhalten von Haushalten - und definiert "rational" kurzerhand als "vereinbar mit diesem haushalts-individuellen Verhalten", obwohl es anderen Haushalten als "unvernünftig" erscheinen mag.

Das von der Verhaltensökonomik festgestellte vorhersagbar irrationale Handeln der Menschen beruht u. a. auf

  • der Angst vor Verlust,
  • der Einhaltung sozialer Normen, (s. 112, 118f., 120f., 123; Gehirn entscheidet; effektive Internet Werbung)
  • der Konstruktion einer eigenen Wirklichkeit, (verzerrte Wahrnehmung [10-Decision Making], s. 321, 380f.),
  • ("virtueller Besitz", s. 189 ff.; Menschlichkeit)
  • (Hintertüren), (s. 198, 210, 212)
  • (Sex), (kap. 5)
  • (Erwartungen (s. 221, 233f., 240, 244 f.), "Qualität hat seinen Preis", "illusorische Korrelation" [10-Decision Making])
  • (Versuchungen und "kleiner Betrug", "Gelegenheit macht Diebe", schlechtes Gewissen versus egoistischer Vorteil, s. 269f., 272f., 284; aber: "betrügen ist viel leichter, wenn es nicht um Geld geht", s. 291)
  • (Ansehen, Status, s. 314)
  • (Kontexteffekte, s. 36, 317)
  • (Rache, s. 398f.)
  • ("erlernte Hilflosigkeit", s. 402 ff.)
  • Reziprozität (Gehirn entscheidet; Menschlichkeit)
  • Gerechtigkeit (Experiment)

Irrationales Verhalten:

zahlreiche Beispiele auf: http://karrierebibel.de/gesetz-der-serie-%E2%80%93-diese-20-gesetze-sollten-sie-kennen/, zusammengestellt von Jochen Mai

  • Deshalb funktioniert zum Beispiel im allgemeinen der aus der Marketing-Praxis bekannte Köder-Effekt (s. 42f.) oder
  • das von Tom Sawyer beim Anstreichen von Tante Pollys Zaun entdeckte wichtige Gesetz menschlichen Handelns, "that in order to make a man or a boy covet a thing, it is only necessary to make the thing difficult to attain." [Quelle und Übersetzung] (Zeit drängt)
  • In ähnlicher Weise funktionieren Anker - willkürliche Informationen, die Entscheidungen beeinflussen -, die nach den vorliegenden Untersuchungen vor allem bei Zahlen wirken und daher gerade bei der Bewertung von Gütern in Preisen Bedeutung erlangen können, (s. 61ff.; englich) oder
  • das sogenannte Herdenverhalten. "Es tritt auf, wenn wir aufgrund des früheren Verhaltens anderer Menschen darauf schließen, dass etwas gut (oder schlecht) ist, und selbst dementsprechend handeln." [Quelle]
  • angst vor verlust s.97
  • Das Impulsverhalten erscheint als zufällig bestimmt, es ist nicht ökonomisch durch Größen wie Preis und Einkommen erklärbar. Ein solches Verhalten ist in der Regel nur bei kleineren Einkäufen zu erwarten. (s. 162f.)
  • Gewohnheitsverhalten ist abhängig von früherem Konsum. Es beruht auf überkommenen sozialen Traditionen oder individueller Trägheit. Gewohnheitsverhalten ist vor allem bei Gütern des täglichen Bedarfs und Genußmitteln anzutreffen. Einerseits kann Gewohnheitsverhalten aus ursprünglich rationalem Verhalten entstanden und dann nur aufgrund von Datenänderungen nicht mehr rational sein. [...] Andererseits können Gewohnheiten eine allmähliche Anpassung des Indifferenz-Kurvensystems bewirken, so daß aus einem nicht-rationalen Verhalten wieder ein rationales wird." [S. 69]
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