Volks-
wirt-
schaft |
Die volkswirtschaftlichen Theorien bevölkert eine besondere Gattung
Mensch, mit dem die
meisten realen Menschen so ihre Probleme haben - der homo oeconomicus. Dieser Mensch
- ist
egoistisch,
weil er nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist,
- handelt
rational,
weil er Entscheidungen nur aufgrund der Abwägung
alternativer Nutzenkalküle trifft, wobei seine
Einschätzungen über Nutzen und Kosten ganz
wesentlich von Restriktionen und Präferenzen bestimmt werden,
- entscheidet
eigenständig,
d. h. er trifft seine Entscheidungen aufgrund
seiner eigenen Präferenzen, wobei die Interessen
von Mitmenschen selbstverständlich mit
berücksichtigt werden können, wenn ihm dieses
Verhalten nützlich erscheint,
- ist
opportunistisch, d. h. er versucht seinen Vorteil
auch mit List und Tücke zu erreichen,
- ist
zweckbestimmt,
weil er nur objektivierbare, materielle Ziele verfolgt,
- ist
unersättlich,
weil er stets mehr von allem haben möchte,
- ist
ungerecht,
wenn es ihm nützt, ist gerecht, wenn es ihm nützt, aber grundsätzlich
neutral
anderen gegenüber eingestellt,
- kümmert
sich nicht um Moral, es sei denn sie nützt ihm,
- maximiert
seinen Nutzen.
Karl Marx (1818 - 1883) und Friedrich Engels (1820 - 1895) beschrieben den homo oeconomicus aufgrund ihrer Beobachtungen der Lage der arbeitenden
Klasse in England
während des Manchester-Kapitalismus im Manifest der
Kommunistischen Partei
mit drastischen, aber zutreffenden Worten:
| "Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft
gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen,
idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die
buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an
seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften,
unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band
zwischen Mensch und Mensch übriggelassen, als
das nackte Interesse, als die gefühllose »bare
Zahlung«. Sie hat die heiligen Schauer der
frommen Schwärmerei, der ritterlichen
Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in
dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung
ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den
Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der
zahllosen verbrieften und wohlerworbenen
Freiheiten die eine gewissenlose
Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort,
an die Stelle der mit religiösen und politischen
Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene,
unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung
gesetzt." (MEW, Bd. 4, S. 464 f.) |
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