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Markt
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Volkswirte definieren den Markt als den "Ort", an dem das Angebot von und die Nachfrage nach einem Gut aufeinander treffen.

Die Akteure auf einem Markt werden Anbieter und Nachfrager genannt und verfolgen bestimmte Handlungsstrategien und Ziele:

  • Ein Anbieter besitzt das Gut und möchte es gegen eine Gegenleistung abgeben.
  • Ein Nachfrager möchte das Gut besitzen und ist bereit, dafür eine Gegenleistung zu erbringen.

Sowohl Anbieter als auch Nachfrager handeln jeder für sich - bei theoretischer Betrachtung - als sogenannter homo oeconomicus. Und selbst, wenn die theoretische Betrachtung einmal außer acht gelassen und die Wirklichkeit untersucht wird, kann festgehalten werden, daß die meisten Menschen durch Gütertausch - zu denen auch die Produktionsfaktoren zählen - letztlich ein angenehmes Leben anstreben. Das bedeutet:

  • Ein Anbieter wird das Gut verkaufen, wenn er nach seiner subjektiven Werteinschätzung mindestens den Wert als Gegenleistung erhält, den er für die Bereitstellung des Gutes als Aufwand aufbringen mußte.
  • Ein Nachfrager wird das Gut kaufen, wenn der erwartete Nutzen des Gutes einen von ihm sich selbst gesetzten Wert mindestens erreicht, so daß die notwendig von ihm zu leistende Gegenleistung wertmäßig von ihm nicht als höherwertig eingeschätzt wird.

Ob und wieviel von einem Gut auf einem Markt getauscht wird, hängt von der Übereinstimmung dieser Werte ab. Diese Werte werden als Preis bezeichnet und wenn es in einer Volkswirtschaft Geld als Tauschmittel gibt, dann wird der jeweilige Wert in Geldeinheiten ausgedrückt und die jeweilige Gegenleistung ist die Hergabe der entsprechenden Geldsumme. Schon Adam Smith (1723 - 1790) nannte den Preis, zu dem ein Tausch zustande kommt, den Marktpreis - und beging gleichzeitig den Fehler, vom Preis eines Tausches auf das aggregierte Ergebnis aller Tauschvorgänge auf diesem Markt zu schließen, indem er z. B. die Zeit als Einflußfaktor außer Acht ließ, denn es ist durchaus möglich, daß einzelne Tauschvorgänge zu ganz unterschiedlichen Preisen stattfinden. Er ging, wie die meisten seiner Nachfolger, davon aus, daß Tauschvorgänge auf einem Markt zum aggregierten Marktpreis - häufig (dummerweise ideologiebehaftet) Gleichgewichtspreis genannt - erfolgen, weil allen Marktteilnehmern dieser Preis als Orientierungsgröße bekannt ist.

Eine genaue theoretische Erklärung, wie dieser Gleichgewichtspreis und der Tausch zustande kommen, sind die Volkswirte bisher schuldig geblieben. Ob Adam Smith' "unsichtbare Hand" den von ihm beschriebenen Marktmechanismus zum Gleichgewichtspreis führt, oder Jean-Baptiste Say (1767 - 1832) die Bedeutung der "sichtbaren Finger" (= Handelsspezialisten und Geld) der "unsichtbaren Hand" für die Anbahnung und den Vollzug der Tauschprozesse hervorhebt, oder Léon Walras (1834 - 1910) bzw. seine Nachfolger einen fiktiven Auktionator sich an den Gleichgewichtspreis herantasten lassen (Tâtonnement), keiner erklärt,

  • wie die dezentrale Verteilung der Informationen und die Motivation, die das Handeln der einzelnen Akteure leitet, erfolgen sollen,
  • wie die Preise, zu denen getauscht wird, entstehen und ihre Höhe an die übrigen Akteure übermittelt wird,
  • wie die Logistik des Tausches ausgestaltet ist.

Statt dessen wird sogar behauptet, daß - zumindest unter den Bedingungen eines vollkommenen Marktes und der Annahme, daß die Anbieter als homo oeconomicus nach Gewinnmaximierung und die Nachfrager als homo oeconomicus nach Nutzenmaximierung streben - sich auf allen Märkten aufgrund des Wirkens des Marktmechanismus Gleichgewichtspreise ergeben, also ein allgemeines Gleichgewicht erreicht wird, und mit diesem die bestmögliche Allokation und Distribution sichergestellt wird.

Und da "beißt sich die Katze in den Schwanz": Eine Volkswirtschaft im allgemeinen Gleichgewicht ist eine stationäre Wirtschaft, sie entwickelt sich nicht weiter, weil jeder zufrieden ist und nichts verschwendet wird. Das aber steht im Widerspruch zum Menschenbild des homo oeconomicus, der unersättlich ist und stets mehr haben möchte - der stets seinen Nutzen steigern möchte.

Realexistierende Märkte funktionieren deshalb meistens anders als mit dem beschriebenen idealtypischen Marktmechanismus. In einem "ständigen Tast- und Anpassungsprozeß mit fortlaufender Ausrichtung der Produktion auf die Preise" (Paul A. Samuelson [1915 - 2009]) vollziehen sich die Tauschgeschäfte. Allerdings besitzen verschiedene Ausgangslagen und Rahmenbedingungen sowie das realexistierenden Menschen zu eigene eher nicht-rationale Verhalten tiefgreifende Einflüsse auf das jeweilige Marktgeschehen, die selbst durch Aggregation nicht aufgehoben werden können.


Fazit:

  • nach beherrschender volkswirtschaftlicher Lehrmeinung: "Im Preis speichert sich ... das Wissen, das sich im Wettbewerb entwickelt; das Wissen um Produktionskosten, um Konkurrenzfähigkeiten und Produktqualitäten. So ist der Preis ein ... Informationskonzentrat, das, wie mit unsichtbarer Hand, den Produktions- und Tauschprozeß steuert." [Quelle]
  • Weil aber reales menschliches Verhalten nicht den modelltheoretischen Annahmen entspricht, ist zu fragen: Wer von den Beteiligten befindet sich durch die Anwendung des Marktmechanismus im Vorteil?
    (Zu berücksichtigen sind z. B.: Marktmacht,
    Marktformen, unvollständiger Wettbewerb)
  • Wird andererseits jemand benachteiligt?
  • Sollten deshalb bestimmte Güter von der Anwendung des Marktmechanismus ausgeschlossen werden?
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