Volks-
wirt-
schaft |
Schon die
Bezeichnung "vollkommener Markt" macht deutlich, was sich die
Volkswirte (wieder einmal) ausgedacht haben: Ein
idealtypisches Modell, in
dem alles das "funktioniert", was
"funktionieren" soll. Zahlreiche Voraussetzungen müssen für die Funktionsfähigkeit eines vollkommenen
Marktes erfüllt
sein.
Hinsichtlich der Rahmenbedingungen:
- Der Tausch findet zu einem
Zeitpunkt statt. Ein Zeitablauf wird nicht berücksichtigt.
- Es erfolgen keine Zwang
erzeugenden Eingriffe in den Preisbildungsprozeß
- weder vom Staat durch Gesetze o. ä., noch von
anderen Wirtschaftssubjekten durch z. B.
Gewaltanwendung (Zwangskonsum etwa Schutzgelderpressung) oder Preisabsprachen (bzw. Kartelle).
- Die Ressourcenausstattung
ist zum Zeitpunkt des Tausches gegeben, bekannt
und verändert sich nicht.
- Die Produktionsverfahren
sind zum Zeitpunkt des Tausches gegeben, bekannt
und verändern sich nicht.
- Die Produktpalette in der
Volkswirtschaft ist zum Zeitpunkt des Tausches
gegeben, bekannt und verändert sich nicht.
- Es existieren keine externen Effekte.
- Die zur Produktion des Gutes
notwendigen Produktionsfaktoren sind unbegrenzt
teilbar.
- Die zur Produktion des Gutes
notwendigen Produktionsfaktoren unterliegen
keinerlei Beschränkungen im Zusammenhang mit der
Wahl
eines Standortes;
insbesondere sind sie jederzeit in der Lage, den
Standort zu wechseln.
- Die Präferenzordnungen hinsichtlich der Bedürfnisbefriedigung aller Akteure sind gegeben,
bekannt und verändern sich nicht.
- Die auf dem Markt wirkenden Kräfte (Angebot und Nachfrage) sind von
einander unabhängig.
Hinsichtlich der Akteure:
- Sowohl jeder Anbieter als
auch jeder Nachfrager handelt als homo
oeconomicus.
- Sowohl die Anzahl der
Anbieter als auch die Anzahl der Nachfrager ist
so groß, daß keiner von ihnen in irgendeiner
Weise Marktmacht besitzt. In diesem Fall wird von
einem atomistischen
Markt gesprochen.
- Sämtliche Anbieter und
Nachfrager können aufgrund ihres geringen
Marktanteils durch ihr Verhalten den Preis nicht
beeinflussen. Sie verhalten sich in diesem Fall
als Mengenanpasser. Das bedeutet, daß sie den Preis
als gegeben und nicht änderbar akzeptieren und
nur über eine mehr oder weniger große Angebots-
bzw. Nachfrage-Menge ihrem Angebot bzw. ihrer
Nachfrage Ausdruck verleihen.
- Sämtliche Anbieter und
Nachfrager verfügen über vollständige
Informationen (vollkommene Markttransparenz). Das bedeutet letztlich, daß
alle Anbieter und Nachfrager die
Präferenzordnungen aller Akteure
(Aufwandsstrukturen auf Seiten der Anbieter und
Nutzenschätzungen auf Seiten der Nachfrager),
alle Eigenschaften des Gutes und aller übrigen,
in der Volkswirtschaft getauschten Güter kennen
und richtig einschätzen.
- Sämtliche Anbieter und
Nachfrager verfügen über eine unendlich hohe
Reaktionsgeschwindigkeit. Das bedeutet, daß
Anpassungsprozesse an Parameter-Änderungen
unmittelbar, ohne Zeitverzögerung vollzogen
werden.
- Sämtliche Anbieter und
Nachfrager verfügen weder über sachliche,
räumliche, zeitliche noch persönliche
Präferenzen.
Hinsichtlich des Gutes:
- Das Gut ist homogen, d. h.
jede Teilmenge des Gutes ist hinsichtlich der
Ausführung, der Qualität und der
Funktionalität gleich.
- Es gilt Jevons
Gesetz vom
eindeutigen Tauschwert des Gutes, d. h. der Preis
ist eine Eigenschaft des Gutes, die von Anbietern
und Nachfragern nicht beeinflußbar ist.
- Das Gut ist unbegrenzt
teilbar.
- Das Gut ist uneingeschränkt
mobil, d. h. es
kann jederzeit an jeden geographischen Ort
"gebracht" werden.
Hinsichtlich der Organisation:
- Jedes Gut wird auf einem
eigenen Markt getauscht.
- Weder für Anbieter noch
für Nachfrager bestehen rechtliche oder
tatsächliche Beschränkungen für den Zutritt
zum Markt oder das Verlassen des Marktes.
Fazit:
- Kein
realer Markt ist vollkommen; schlimmer noch: Es gibt nicht einmal Annäherungen an dieses Ideal.
- Trotzdem wird der
vollkommene Markt immer wieder zur
Erklärung
von beobachtbaren Phänomenen und zur Prognose über gewünschtes Verhalten der
Marktteilnehmer aufgrund geplanter Veränderungen
von Rahmenbedingungen für und/oder Parametern
auf einzelnen Märkten herangezogen.
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