WDR-Fernsehen, Sendung Westpol vom 23.02.2003 (Manuskript)
Von Ulrike Coqui: PRO/CONTRA "Arbeitspflicht für Jugendliche"
Moderationsvorschlag:
Bundeskanzler Gerhard Schröder und Superminister Wolfgang Clement sind sich einig: Junge Leute unter 25 dürfen dem Staat nicht auf der Tasche liegen. Deshalb haben sich beide Politiker für eine Art "Arbeitspflicht" für Jugendliche ausgesprochen. Kann und darf man soweit gehen? Wir möchten Ihre Meinung zur Arbeitspflicht für junge Leute wissen. Doch hören Sie zuerst die Argumente pro und contra Arbeitspflicht:
PRO
Geld vom Staat kassieren aber nicht arbeiten wollen - kommt nicht in Frage. Wer arbeiten kann, der muß das auch tun oder eine Ausbildung absolvieren. Mit der Umsetzung des Hartz-Konzepts werden Arbeitslose künftig erheblich schneller und besser vermittelt. Durch eine Arbeitspflicht könnte der Druck auf Jugendliche noch erhöht werden.
O-Ton Hartmut Schauerte, CDU: "Ich hoffe, daß wir das gemeinsam vernünftig durchsetzen, der Druck auf junge Leute wenigstens eine Ausbildung anzunehmen, die ihnen - das ist dann unsere Verpflichtung - auch angeboten werden muß, das geht nicht anders. Sie muß möglich sein. Diesen Druck zu erhöhen, das ist nur vernünftig, insbesondere bei jugendlichen Arbeitslosen."
O-Ton Wolfgang Clement: "Diesen Vermittlungsangeboten, entweder ein Ausbildungsplatz oder ein Arbeitsplatz oder eine Qualifikation wird, so hoffe ich, kein Mensch unter 25 mehr entgehen können."
Und wenn die Wirtschaft nicht in der Lage ist, genügend Ausbildungs- und Arbeitsplätze anzubieten, dann müssen eben die Kommunen einspringen. Sie könnten außerdem die Arbeitsplatzsuche für Jugendliche organisieren.
CONTRA
Händeringend suchen viele junge Menschen in Nordrhein-Westfalen einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Aber sie bekommen keinen, weil nicht genügend Stellen angeboten werden. Deshalb ist die Forderung nach einer Arbeitspflicht auch unsinnig.
O-Ton Walter Haas, DGB: "Wir haben einen absoluten Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten und sollten nicht darüber nachdenken, wie können wir über eventuelle Druckerhöhungen auf individuell Betroffene, denen man nichts anbieten kann, irgendwelche Probleme lösen."
Die Kommunen sind außerdem nicht in der Lage noch mehr Arbeitsplätze für Jugendliche bereitzustellen oder eine Arbeitspflicht zu organisieren. Ihnen steht jetzt schon finanziell das Wasser bis zum Hals.
O-Ton Manfred Wienand, Städtetag: "Wir sind schon gegenwärtig sehr stark involviert in Qualifikation, Ausbildung und Arbeit für Jugendliche im Rahmen der Jugendhilfe und im Rahmen der Sozialhilfe. Aber es ist schlechterdings nicht vorstellbar, daß wir darüber hinaus gehend noch zusätzliche Leistungen erbringen. Uns fehlen einfach die Finanzen hierfür und vom Bund können wir offenbar gegenwärtig noch keine Unterstützung erhalten."
Eine Arbeitspflicht für Jugendliche - das ist unter diesen Umständen zur Zeit undenkbar.