Methoden
und
Verfahren |
Nicht
oder nur schwer überschaubare Datenmengen werden gern
zusammengefaßt, um sie überschaubar(er) zu machen.
| Beispiel:
In Deutschland gibt es rund 10 Millionen
Schülerinnen und Schüler. Jede/r wird in irgendeiner Form
in Mathematik unterrichtet. Jede/r wird in
Mathematik einen ganz persönlichen
Leistungsstand erreichen. Die Lehrerinnen und
Lehrer geben allen Schülerinnen und Schülern zu
den Zeugnisterminen eine Note, so daß
deutschlandweit nur sechs Leistungsstandsgruppen entstehen. |
Dieses Vorgehen wird
Aggregieren genannt. Wie funktioniert Aggregation?
| Beispiel:
Als Mathematik-Lehrer lasse ich Klassenarbeiten
schreiben, beurteile diese nach einem Maßstab,
den ich mir selbst ausgedacht habe oder der mir
von irgendeiner Institution (z. B. IHK)
vorgegeben wurde und beurteile die Mitarbeit, die
Tafelarbeit, die Hausarbeiten meiner
Schülerinnen und Schüler nach entsprechenden
Maßstäben. Vorgegeben ist mir als Lehrer dafür
nur die Notenskala von "sehr gut" bis
"ungenügend", also sechs Stufen. Weil es meistens nicht genau sechs
Leistungsnachweismöglichkeiten bei
Klassenarbeiten usw. gibt (z. B. sechs Aufgaben
oder sechs Lösungsschritte), wird einer
Leistungsstufe (= Note) eine Bandbreite von
Leistungen zugeordnet (häufig geschieht dies über die
Vergabe von Punkten).
Zu Zeugnisterminen werden
die so ermittelten Einzelnoten nach einem
selbstgewählten oder vorgegebenen Schlüssel
gewichtet und auf diese Weise eine Zeugnisnote
ermittelt.
Und diese Zeugnisnote
sagt jedem, der von ihr Kenntnis erhält, Toni
Klug ist "gut" in Mathematik! Jeder
besitzt anhand dieser Note eine Vorstellung von
den mathematischen Leistungen von Toni Klug -
ohne sie wirklich zu kennen.
Bedeutsam:
Toni Klug wird aufgrund dieser Einschätzung z.
B. bei einer Bewerbung um eine Ausbildungsstelle
in die engere Wahl gezogen oder sofort abgelehnt!
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Das Beispiel zeigt: Aggregation ist hilfreich - kann aber auch mit
Problemen behaftet sein.
Aggregieren heißt, Merkmale, die als bedeutsam
erachtet werden, in ihren Ausprägungen bei den
betrachteten Objekten herauszustellen und als (Ein-)
Ordnungskriterium zu verwenden. Andere Merkmale der betrachteten Objekte
werden vernachlässigt. Damit rückt die Aggregation in die Nähe der Abstraktion,
ist aber doch ganz anders, weil sie eine Zusammenfassung einer unübersichtlichen Datenmenge
anstrebt, während die Abstraktion die Verallgemeinerung
von Eigenschaften zum Ziel hat.
Aggregieren ist
zielgerichtet, denn die Aggregation dient immer
einem Zweck, der eine Zusammenfassung der
unübersichtlichen Datenmenge wünschenswert
erscheinen läßt.
[Im Beispiel: Vergleichbarkeit individueller
mathematischer Leistungen.]
subjektiv, denn die Auswahl der als
bedeutsam erachteten Merkmale unterliegt der
subjektiven Einschätzung derjenigen, die die
Aggregation durchführen (lassen).
[Im Beispiel: Lehrpläne werden im Rahmen eines
Verhandlungsprozesses zwischen verschiedenen
gesellschaftlichen Gruppen entwickelt.]
nur scheinbar objektiv, denn die Skalierung der
Ausprägungen der ausgewählten Merkmale (und oft
auch die Herstellung der Ausprägungen)
unterliegt denjenigen, die die Aggregation
durchführen (lassen).
[Im Beispiel: Deutschlandweit entscheiden mehrere
zehntausend Mathematik-Lehrerinnen und -Lehrer an
über 40.000 Schulen über die Einordnung der
Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler; aber
jeder weiß, daß trotz Absprache nicht einmal
die Lehrerinnen und Lehrer einer Schule die
gleiche Leistung gleich beurteilen.]
ausgrenzend, denn es müssen disjunkte
Mengen entstehen:
Wer oder was sich nicht eindeutig einordnen
läßt, fällt aus
der Betrachtung heraus oder wird irgendeiner, möglichst
"passenden" Gruppe zugeordnet.
[Im Beispiel: Jeder weiß, daß die Note
"ausreichend" wesentlich
facettenreicher ist als etwa die Note "sehr
gut".]
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