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Wir
hatten mit der DDR nichts zu tun: keine Verwandten zu
besuchen, keine Freunde, nichts. Die Grenze und die Politik sorgten dafür, daß die DDR in unseren Köpfen weiter entfernt war als der Mond. Kein Wunder, daß Karlheinz auf seiner ersten beruflich bedingten Fahrt nach Leipzig im Sommer 1990 lange überlegen mußte, welche Burg bei Eisenach von der Autobahn zu sehen ist. Natürlich die Wartburg. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, daß nach gut zwei Stunden Fahrt Eisenach vom damaligen Wohnort zu erreichen ist. Und so entstand die Idee, zusammen mit den Eltern die DDR in Eisenach kennen zu lernen, denn selbst wenn das zur Enttäuschung werden würde, die Wartburg ist in jedem Fall ein lohnenswertes Ausflugsziel. Dann ergab sich sogar etwas besonderes: Karlheinz letzte Dienstreise nach Leipzig endete unmittelbar vor dem Tag der Währungsumstellung in der DDR. Für den Tag danach wurde deshalb der Eisenach-Besuch geplant und durchgeführt, um mit eigenen Augen prüfen zu können, ob die hochgesteckten Erwartungen hinsichtlich der Auflösung der Schlangen vor den Geschäften »genauso wie 1948 in West-Deutschland« eintraten. Es war so wie 1948 im Westen: die Schlangen vor den Geschäften gab es immer noch! Während dieser ersten Besichtigung Eisenachs nahmen wir uns vor, jedes Jahr wieder zu kommen und die Entwicklung der Stadt zu verfolgen, weil wir den vollmundigen Beteuerungen verschiedener Politiker nicht Glauben schenken wollten, daß der "Aufschwung Ost" sich so rasend schnell vollziehen würde, wie sie behaupteten. Wie im Zeitraffer nehmen wir so seit 1990 Veränderungen wahr, wobei wir inzwischen wegen Muffel nicht mehr im Sommer Eisenach besuchen, sondern der kühleren Witterung halber im Herbst. |
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